Energiewende in Düsseldorf Wie die energetische Sanierung schneller wird

Düsseldorf · Mit Renowate will die LEG in Zukunft ihre Immobilien rascher und günstiger energieneutral machen. Erste Pilotprojekte laufen. Das Vorbild der seriellen Sanierung kommt aus den Niederlanden und soll 2024 auch in Düsseldorf starten.

 Beim Pilotprojekt in Mönchengladbach wurde die Fassade angebracht. Gekommen waren auch NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck.

Beim Pilotprojekt in Mönchengladbach wurde die Fassade angebracht. Gekommen waren auch NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck.

Foto: Renowate

Die Emissionen im Gebäudesektor machen rund 40 Prozent des aktuellen Treibhausgas-Ausstoßes in Deutschland aus. Um diese zu senken bedarf es großer Kraftanstrengungen – vor allem der energetischen Sanierung. Die LEG-Gruppe hat in Düsseldorf einen Bestand von rund 6000 Wohnungen, deutschlandweit um die 167.000. „Das ist ein großer Bestand, dessen Sanierung wichtig, aber auch sehr teuer ist“, erklärt Andreas Miltz, Geschäftsführer bei LEG, verantwortlich für die Sparte „Serielles Sanieren“, und ebenfalls in der Geschäftsführung des Anfang 2022 neu gegründeten Joint Ventures Renowate.

„Wir haben das Ziel, bis 2050 unseren gesamten Wohnungsbestand klimaneutral umzurüsten“, führt Miltz aus. Hierfür hat sich die LEG mit der österreichischen Baugruppe Rhomberg Bau zusammengetan. „Die Baubranche und das Wohnungsmanagement sollen an dieser Stelle Hand in Hand arbeiten.“ Denn nicht nur, dass die Sanierungen in dieser Größenordnung laut Miltz Millionen, wenn nicht gar Milliarden kosten werde, so habe die Baubranche zudem mit mehreren Problemen zu kämpfen, darunter die stark gestiegenen Kosten beim Material und vor allem der Fachkräftemangel.

Renowate setzt deshalb – ebenso wie mehrere andere Unternehmen – auf das niederländische „Energiesprong“-Prinzip für die serielle Sanierung. Dieses innovative Konzept beruht auf Digitalisierung und Standardisierung: Vorab werden objektspezifische digitale Abbilder des zu sanierenden Gebäudes gemacht und anschließend in Produktionshallen Fassaden- und Dachelemente vorgefertigt. Eine ähnliche Vorproduktion erfolgt für die Technikelemente.

Andreas Miltz zeigt sich davon überzeugt: „Wir können mit einem minimalen Personalaufwand die fertigen Elemente an den Gebäuden anbringen, gleichzeitig dauern die Bauarbeiten deutlich weniger lange.“ Das führe auch zu weniger Belastungen für die Mieter, die während der Arbeiten in ihren Wohnungen bleiben können.

„Man muss es sich vorstellen wie eine zweite Gebäudehaut“, erläutert er. Renowate verzichtete dabei auf Styropor als Dämmelement. „Das war früher Standard, aber es macht kaum Sinn, mit Kunststoff zu arbeiten, der gegebenenfalls in einigen Jahren kostenintensiv wieder entsorgt werden muss.“

Stattdessen setzt die Firma auf eine etwa 30 Zentimeter dicke Fassade aus Holzrahmen mit Dämmung, Lüftung, Verkleidung, Windschutzfolie in einer Größe von 2,5 mal sechs Metern. „Im Vergleich zu vorher 50 Bauarbeitern beschäftigen wir jetzt mit dem Anbringen der Fassaden gerade einmal drei Menschen – und sind mit dem Anbringen in fünf bis zehn Werktagen fertig.“ Diese Elemente werden aktuell in Estland gefertigt. Hinzu kommen Wärmepumpen und Photovoltaik-Anlagen.

„In unserem ersten Pilotprojekt an der Zeppelinstraße in Mönchengladbach konnten wir die Gebäude aus der schlechtesten Energieklasse H in die fast beste Energieklasse A transferieren“, erklärt Miltz. Dafür habe man das Dach, die Heizung und die Fassade erneuert. Das Ziel: Die Gebäude werden so saniert, dass sie auf Netto-Null hinauslaufen. Es werden so viele Emissionen eingespart, wie auch verursacht werden – und ein Großteil der benötigten Energie und Wärme selbst hergestellt. „Auch von den Kosten für unsere Mieter her ist das tragbar: Denn auch wenn die Kaltmieten steigen und die Kosten auch auf die Mieter umgelegt werden, gibt es so hohe Einsparungen bei den Nebenkosten, dass dies nicht ins Gewicht fällt.“

Problematisch sei vor allem die Finanzierungsunsicherheit, die aktuell bestehe. „Es gibt jetzt den großen Förderstopp, im vergangenen Jahr hat es ebenfalls zweimal gestoppt“, meint Miltz. Man benötige aber die Planungssicherheit insbesondere bei den Finanzen, denn es führe auch zu großen Verunsicherungen bei den Partnern und anderen Unternehmen, die gerne sanieren würden, aber dafür auch auf entsprechende Unterstützung bauen.

Aktuell befinde man sich noch in einem zweijährigen Pilotprojekt, gemeinsam möchte man zunächst 13.000 Quadratmeter im LEG-Bestand sanieren. Im Anschluss soll es ein marktfähiges Produkt geben, das auch Drittfirmen nutzen sollen. Dafür gibt es in Düsseldorf bereits Interessenten, deren Projekte 2024 umgesetzt werden sollen.

Die Düsseldorfer Wohnungsgenossenschaft (DWG) plant eine energetische Sanierung mit Renowate im Quartier Robert-Kratz-Weg in Benrath. Dort sollen 18 Wohneinheiten in einem Pilotprojekt saniert werden. Außerdem stehen die Pläne für ein weiteres Pilotprojekt mit der Beamten-Wohnungs-Baugenossenschaft (BWB) im Norden Düsseldorfs, genauer in Stockum im Quartier Lönsstraße/Irmerstraße. Dort sollen 20 Wohneinheiten in fünf Häusern saniert werden. „Perspektivisch ist die gesamte Quartiersentwicklung in den nächsten Jahren angedacht“, erläutert Renowate-Vertriebsleiter Andreas Kipp.

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