Düsseldorf: Rechtsradikale spalten "Pegida"

Streit im Organisationsteam: Rechtsradikale spalten "Pegida" in Düsseldorf

Demo-Anmelderin Melanie Dittmer hat ihren Posten im NRW-Organisations-Team verloren.

Um den für Montag geplanten Aufzug der Anti-Islam-Demonstration "Dügida - Düsseldorfer gegen die Islamisierung des Abendlands" hat es am Dienstag einige Verwirrung gegeben. Zuerst wurde auf der "Dügida"-Facebookseite verkündet, man plane fortan an jedem Montag eine Veranstaltung, wenig später hieß es, der Aufzug sei abgesagt. Am Nachmittag war die Seite dann nicht mehr erreichbar. Außerdem erschien eine Mitteilung im Blog des angeblichen NRW-Organisationsteams von "Pegida". Dort hieß es, man distanziere sich "nach inneren Streitigkeiten, aber auch inhaltlichen Differenzen" vom Düsseldorfer Ableger und Anmelderin Melanie Dittmer. Ihr Nachfolger als Pressesprecher ist Sebastian Nobile, ehemaliger Aktivist der "German Defence League".

Klar ist: Die Demonstration ist nicht abgesagt. Dittmer hält an der Anmeldung fest und will zunächst bis zum 27. April für jeden Montag eine weitere Demonstration anmelden. Die Teilnehmer sollen sich diesmal nicht vor dem Landtag, sondern auf der Friedrich-Ebert-Straße am Hauptbahnhof versammeln und zur Berliner Allee gehen - von dieser Route erhofft man sich wohl mehr Öffentlichkeit. Auch die Gegendemonstration soll nun an der Friedrich-Ebert-Straße stattfinden.

Einer der Teilnehmer der ersten "Dügida"-Demonstration im Dezember. Foto: CRei

Die widersprüchlichen Mitteilungen rund um "Dügida" waren offenbar Zeichen der internen Konflikte. Dittmers Versuch, sich als eine der Führungsfiguren von "Pegida" in NRW zu etablieren, hat für eine Spaltung in der Bewegung gesorgt. Die 36-Jährige war eine Initiatorin von "Pegida" in NRW. Sie meldete die erste Bonner Kundgebung an und trat bei der ersten Demonstration in Düsseldorf als Rednerin auf. Damals stellte sie sich als "ehemalige ZDF-Mitarbeiterin" vor. Dieser Angabe widerspricht der Sender. Dittmer sei niemals ZDF-Mitarbeiterin gewesen, heißt es auf Anfrage. Sie habe lediglich gelegentlich für einen freien Produzenten gearbeitet, "ohne an der inhaltlichen Gestaltung von Beiträgen mitzuwirken".

Dittmers Engagement hatte bereits vor einigen Tagen für den Ausstieg der ursprünglichen Düsseldorfer "Pegida"-Initiatoren gesorgt. Anlass war ein Beitrag von Spiegel-TV, der an die rechtsradikale Vergangenheit der Aktivistin erinnerte und auch aktuelle Szenen enthielt, die deutlich machten, dass sich Dittmer nicht von rechtsradikalem Gedankengut distanziert hat. Das in der AfD aktive Anwaltspaar Alexander und Angela Heumann ging daraufhin auf Distanz zu "Dügida".

Spiegel-TV hatte schon 1996 die damals 18-Jährige porträtiert. Als Jugendliche hatte sich Dittmer in der Jugendorganisation der NPD engagiert und war eine feste Größe in der Neonazi-Szene. Heute ist sie in der rechtsradikalen Partei "Pro NRW" aktiv und gehört laut Spiegel-TV auch zur neu-rechten "identitären Bewegung".

In einem aktuellen Interview sagte Dittmer, es sei für sie "unerheblich, ob es den Holocaust gegeben hat". Außerdem zeigt der Beitrag einen Ausschnitt von Dittmers Rede bei der Bonner "Pegida". In Bezug auf ihre frühere Mitgliedschaft in der NPD-Jugendorganisation sagt Dittmer: "Ich entschuldige mich für gar nichts."

Bei den Organisatoren der Gegenkundgebung laufen derweil die Vorbereitungen. Geplant ist, dass Düsseldorf dem Kölner Beispiel folgt und aus Protest das Licht an bekannten Gebäuden löscht. Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) will die Beleuchtung am Rheinturm ausschalten lassen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: "Pegida" in Düsseldorf: 1000 Menschen demonstrierten im Dezember dagegen

(RP)
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