Düsseldorf: Razzia bei Peek & Cloppenburg (P&C) in der Berliner Allee

Kartellamt vermutet Absprachen: Razzia bei Peek & Cloppenburg in Düsseldorf

Mitarbeiter der Bonner Behörde durchsuchten am Mittwoch die Zentrale. Sie wollen wissen, ob es Preisabsprachen mit einem Lieferanten gab. Die Aktion passt in die Strategie, Handelskonzerne zunehmend unter die Lupe zu nehmen.

Die Durchsuchung begann um 10 Uhr. Kriminalbeamte baten bei der Hauptverwaltung des renommierten Textilhändlers Peek & Cloppenburg (P&C) in der Berliner Allee 2 höflich um Einlass, ihre aus Bonn angereisten Kollegen des Bundeskartellamtes hätten da einige Fragen. Schon mittags gingen die Polizeibeamten, die Kollegen aus Bonn brauchten etwas länger.

"Wir prüfen den Verdacht einer vertikalen Preisbindung als Verstoß gegen das Kartellrecht", erklärt die Behörde, ohne konkret den Namen von Peek & Cloppenburg zu nennen. Man habe Beweismittel sichern wollen, um den Verdacht zu prüfen. Bislang gibt es keine Angaben zu den Ergebnissen. Es kann sein, dass P&C nichts vorzuwerfen ist - oder auch, dass ein Bußgeld verhängt wird. Das Unternehmen selbst äußerte sich gestern gegenüber unserer Zeitung nicht zu den Vorgängen.

Der Fall reiht sich ein in die Strategie des Kartellamtes, mögliche Absprachen zwischen Herstellern und Handelsunternehmen zunehmend zu verfolgen. Haribo und eine Reihe von Handelsunternehmen wie Aldi und Edeka erhielten Geldbußen in Höhe von insgesamt 48,5 Millionen Euro, weil sie nach Auffassung der Behörde gemeinschaftlich die Preise für Gummibären und ähnliche Leckereien hochhielten. 8,2 Millionen Euro musste der Matratzenanbieter Recticel Schlafkomfort GmbH bezahlen, weil er Händlern praktisch Festpreise aufzwang, wie das Kartellamt meinte. Und Edeka, Kaufland, Metro und Rewe mussten 44,7 Millionen Euro überweisen, weil sie gemeinschaftlich die Preise für Kaffee von Melitta hochhielten - der Markenhersteller musste einen Teil der Buße selbst übernehmen.

Zu so hohen Bußen wird es höchstwahrscheinlich nicht bei Peeek & Cloppenburg kommen - sofern das Unternehmen nicht sogar ganz unschuldig ist. Denn es fällt auf, dass das Kartellamt nach Informationen unserer Zeitung darauf verzichtet hat, parallel auch eine Lieferfirma als möglichen Partner einer Absprache zu durchsuchen. Auch andere Handelsunternehmen blieben ungeschoren. Damit kann es sich nicht um ein Preiskartell mit wirklich großer Bedeutung für den Gesamtmarkt Textileinzelhandel in Deutschland handeln.

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Und obwohl das Düsseldorfer Unternehmen Peek & Cloppenburg ein bekanntes ist, werden in den mehr als 70 Häusern mit einzelnen Lieferanten jeweils relativ überschaubare Geschäfte gemacht. "Bei Modemarken liegt es natürlich nicht fern, dass es Preisabsprachen geben könnte", sagt ein Anwalt, "aber um riesige Summen muss es da keineswegs gehen."

Dabei muss verstanden werden, warum das Kartellamt dagegen vorgeht, dass Hersteller und Händler sich über Endkundenpreise verständigen. Das Recht erlaubt in Deutschland zwar jedem Hersteller, eine unverbindliche Preisempfehlung für eine Ware zu geben, aber die Händler sollen ihre Margen selbst kalkulieren. "Nur so haben wir auch im Handel echten Wettbewerb, der die Preise senkt", sagt Kartellamtschef Andreas Mundt, "und nur so hat der Verbraucher Alternativen zur Auswahl."

Dies ist auch der Grund, warum das Kartellamt Adidas davon abbrachte, seinen Händlern den Verkauf über Online-Marktplätze praktisch zu verbieten. Adidas wollte so die Handelsspannen von Partnern und das eigene Image verteidigen, das Kartellamt hält von einer gezielten Verteidigung des traditionellen Fachhandels wenig.

(RP)
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