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Düsseldorf: Rassismus in der Altstadt?

Staatsschutz ermittelt in Düsseldorf : "Laden für Weiße" — Rassismus in der Altstadt?

Rishi Chadha ist Düsseldorfer. Er ist in der Landeshauptstadt geboren und aufgewachsen. Seine Wurzeln liegen jedoch in Indien. Bisher wurde Chadha in Düsseldorf nie mit Rassismus konfrontiert. Bis vergangenen Donnerstag, sagt er.

Chadha war an Altweiber mit seiner Frau und seiner Cousine in der Altstadt unterwegs. Da beide aus London stammen und den rheinischen Karneval nicht kennen, wollte er ihnen das bunte Treiben einmal zeigen. Vor dem Eingang der "Hausbar" auf der Bolkerstraße endete jedoch ihr Ausflug.

"Ich sollte vor dem Eingang meine Maske abnehmen, damit der Türsteher mein Gesicht sehen kann", erzählt der 33-jährige Düsseldorfer, der eine Anonymous-Maske als Verkleidung trug. Der Türsteher habe daraufhin gesagt: "Das ist ein Laden für Weiße".

Mit dieser Anonymus-Maske war Chadha an Altweiber in der Düsseldorfer Altstadt unterwegs. Am Einlass der "Hausbar" sollte er sie abnehmen. Foto: Chadha

"Das werde ich nicht hinnehmen" - Anzeige bei der Polizei

"Ich war total geschockt und wusste nicht, was ich darauf sagen sollte. Ich fragte ihn, ob das sein Ernst sei", sagt Chadha. Daraufhin habe der Security-Mitarbeiter geantwortet. "Ja, hier kommen nur Weiße rein". Als Chadha nach dem Namen des Mitarbeiters gefragt habe, soll dieser geantwortet haben, er heiße Hitler. Weitere Türsteher seien kurz darauf zu Chadha getreten und hätten sich für den Vorfall entschuldigt.

"Eine solche Erfahrung habe ich bisher in unserer tollen, multikulturellen Stadt noch nie gemacht und werde diese Beleidigung nicht hinnehmen und tolerieren", sagt der 33-Jährige. Er erstattete Anzeige bei der Polizei. Laut der Polizei ermittelt auch der Staatschutz in der Sache. "Es wird nun geprüft, ob der Verdacht einer fremdenfeindlichen Straftat vorliegen könnte", sagte ein Sprecher der Polizei. Mittlerweile habe Chadha nun ein Entschuldigungsschreiben von der "Hausbar" erhalten.

"Immer gemischtes Publikum"

Auf Anfrage unserer Redaktion hat sich der Vertriebsleiter der Security-Firma zu dem Vorfall geäußert. "Natürlich muss die Sache erst vernünftig eruiert werden, aber nach unseren bisherigen Erkenntnissen hat sich der Vorfall anders zugetragen", heißt es seitens der Sicherheitsfirma. Demnach habe der Türsteher keine rassistischen Aussagen getätigt. "Da ist jemand enttäuscht, dass er nicht reingekommen ist, aber natürlich werden wir die Sache genau prüfen. Sollte sich der Vorwurf jedoch bestätigen, werden wir natürlich hart durchgreifen", sagt der Vertriebsleiter. Außerdem seien rund 50 Prozent der Mitarbeiter der Security-Firma aus anderen Kulturen. Auch im Club sei immer "ein gemischtes Publikum" anzutreffen.

Der Rechtsanwalt der Firma, Andreas Nitschke, schildert den Vorfall ebenfalls anders. Demnach habe der entsprechende Mitarbeiter Chadha den Einlass verwehrt, da der Club kurze Zeit später schließen sollte und daher ein genereller Einlassstop gegolten habe. "Außerdem gibt es genug Zeugen, die bestätigen, dass Ausländer in dem Club geduldet werden", teilte Nitschke mit.

Sichterheitsfirma lädt Chadha auf "VIP-Abend" ein

Der Geschädigte selber sei es gewesen, der behauptete, dass ihm der Eintritt lediglich aufgrund seiner Hautfarbe verwehrt worden sei. "Ihm wurde jedoch mitgeteilt, dass dies nicht der Grund sei. Dies glaubte der Geschädigte nicht. Daraufhin erfragte der Geschädigte den Namen des Chefs. Der Mitarbeiter nannte den Namen "Werner Hippler" und nicht "Adolf Hitler", heißt es in einer Stellungnahme Nitschkes. Desweiteren lade man Chadha auf einen "VIP-Abend" auf Kosten der Security-Firma in der Hausbar ein, "damit das Missverständis aufgeklärt werden kann und um ihn davon zu überzeugen, das in der Hausbar auch Menschen anderer Hautfarbe willkommen sind", heißt es in dem Schreiben weiter.

"Rassismus entspricht absolut nicht unserem Weltbild und unserer Türpolitik", sagt Dino Cesljas, Geschäftsführer der "Hausbar", unserer Redaktion. Die "Hausbar" sei eine moderne, chice Bar, und man würde dennoch selbst entscheiden, welche Gäste man hinein lässt. Die Kriterien dafür seien allerdings nicht im Rassismus begründet. Einen nicht-farbigen Gast verwehre man genauso oft den Eintritt, heißt es seitens der Hausbar. "Wir werden auf jeden Fall das Gespräch mit Herrn Chadha suchen", sagt Cesljas. Laut dem Geschäftsführer sei der betroffene Security-Mitarbeiter von der Arbeit suspendiert.

(skr)