1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf

Düsseldorf: Obdachlosenzahlen gestiegen

Statistik des Landes NRW : Die Zahl der Wohnungslosen in Düsseldorf hat sich von 2016 auf 2017 verdoppelt

Die Zahl der Menschen ohne Wohnung hat sich in Düsseldorf von 2016 auf 2017 mehr als verdoppelt. Das geht aus der Wohnungsnotfallberichterstattung des Landes NRW hervor. In die Statistik fallen auch Flüchtlinge ohne Wohnung.

Die Zahl der Menschen ohne Wohnung hat sich in Düsseldorf von 2016 auf 2017 mehr als verdoppelt. Das geht aus Zahlen hervor, die die Stadt Düsseldorf auf Anfrage unserer Redaktion ermittelte. Sie stammen aus der Wohnungsnotfallberichterstattung des Landes NRW. Die Zahlen im Einzelnen:

Mit diesen Zahlen liegt Düsseldorf im landes- und bundesweiten Trend. Auf beiden Ebenen ist die Zahl der Obdachlosen ebenfalls deutlich gestiegen.

Nach Angaben der Stadt ist die Ursache für den starken Anstieg der Gesamtzahl, dass im Jahr 2017 erstmals auch wohnungslose Flüchtlinge in die Statistik einbezogen wurden. Viele Flüchtlinge, bei denen entschieden ist, dass sie in Deutschland bleiben dürfen, finden in Düsseldorf keine Wohnung. In der Statistik zählen sie dann als obdachlos. Meist leben sie aber de facto weiter in den Gemeinschaftsunterkünften.

So ist auch die Verdreifachung der Zahl derer zu erklären, die in städtischer Obhut sind: Flüchtlinge werden ausschließlich kommunal untergebracht.

Fiftyfifty: Wohnungsnot betrifft Flüchtlinge und Obdachlose

Die stark gestiegenen Zahlen sollten ein Warnsignal für die Sozial- und Wohnungsbaupolitik in Düsseldorf und ganz Deutschland sein, findet Julia von Lindern, Sozialarbeiterin bei der Obdachlosen-Hilfsorganisation Fiftyfifty. „Es fehlt insgesamt an sozialem Wohnraum“, sagt sie. „Ob für Wohnungslose, Geflüchtete oder einfach die Krankenschwester oder den Polizisten – in Düsseldorf gibt es nicht genug bezahlbare Wohnungen.“ Fiftyfifty engagiere sich zwar vornehmlich für Obdachlose, nicht für Flüchtlinge. „Zwischen diesen beiden Gruppen gibt es aber keine Konkurrenz, sondern beide sind – was die Wohnungssuche angeht – in Not.“ Bei Obdachlosen komme in der Regel noch weiterer Hilfsbedarf hinzu, etwa durch eine Suchtkrankheit oder fortgesetzte Arbeitslosigkeit.

Von Lindern warnt davor, das Warnsignal zu überhören. Sie verweist auf die Situation nach der EU-Osterweiterung 2004. „Damals kamen viele Polen nach Deutschland, die hier wider Erwarten keine Arbeit fanden und so wohnungslos wurden“, sagt sie. „In der Folge verelendeten diese Menschen und wurden dauerhaft obdachlos.“ Es liege bei der Politik zu verhindern, dass ein ähnliches Schicksal auch den Geflüchteten drohe, die seit 2015 nach Deutschland gekommen seien.