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Düsseldorf: Notfallpraxis an der Florastraße schafft Nachtdienst ab

Angriff auf Ärzte : Notfallpraxis in Düsseldorf schafft Nachtdienst ab

Ab 23 Uhr sollen keine Patienten mehr in den Räumen an der Florastraße versorgt werden. Nach Übergriffen auf Ärzte und andere Mitarbeiter in den vergangenen Jahren sei es zunehmend schwieriger geworden, Personal für die Nachtschicht zu finden.

Für viele Düsseldorfer ist die Notfallpraxis (NFP) am Evangelischen Krankenhaus eine vertraute Adresse: Dorthin gehen sie, wenn sie eine medizinische Versorgung brauchen, am Wochenende, an Feiertagen oder auch in den Abend- und Nachtstunden in der Woche. Eben dann, wenn die Praxen der niedergelassenen Ärzte geschlossen sind. Doch ab 1. Juli soll sich das ändern: Dann soll der Nachtdienst abgeschafft werden, wie unsere Redaktion jetzt erfuhr. Ab 23 Uhr sollen Patienten in den Räumen an der Florastraße nicht mehr versorgt werden.

Die Ärzte „werden weiterhin täglich vor Ort sein, künftig allerdings bis 23 Uhr (und dann wieder ab 8 Uhr am Wochenende und Feiertagen)“, bestätigt ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) auf Anfrage. Dies sei eine Absprache mit dem Verein „Notdienst Düsseldorfer Ärzte“, der die NFP betreibt. Die Nacht-Präsenz werde seit 2005 von den niedergelassenen Ärzten angeboten (damals zog die Praxis von der Erkrather Straße zum Evangelischen Krankenhaus) und zudem auf freiwilliger Basis angeboten.

Nach einigen Übergriffen von Patienten auf Mediziner sowie anderes Personal vor Ort (die RP berichtete) könne man nicht mehr ausreichend Personal für den Dienst finden. Auch „intensivierte Schutzvorkehrungen in der NFP“ hätten daran nichts geändert. Zudem würden nur wenige Patienten nachts die Praxis aufsuchen. „Wie bisher haben speziell Bettlägerige die Möglichkeit, über die kostenlose Rufnummer 116117 einen ärztlichen Hausbesuch zu erhalten“, so der Sprecher weiter. Der sogenannte Hausbesuchsdienst sei die ganze Nacht über mit mindestens zwei Ärzten im Einsatz.

Bislang hat die NFP montags, dienstags und donnerstags von 20 bis 7 Uhr, freitags bereits ab 17 Uhr (bis 7 Uhr), mittwochs von 14 bis 7 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen von 8 bis 7 Uhr Tag geöffnet. Die Einrichtung gehört zum ambulanten System der Ärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung und wird seit 1992 vom „Notdienst Düsseldorfer Ärzte“ betrieben. Sieben Fachärzte sind vor Ort täglich im Einsatz, darunter Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Internisten, Orthopäden, Kinderärzte und Gynäkologen (der ambulante augenärztliche Notdienst war 2019 bereits in Räume an der Düsseldorfer Uniklinik gezogen). Jedes Jahr kümmern sich die Mediziner um rund 100.000 Patienten, davon 20.000 über Hausbesuche.

Der Umbruch in der Notfallpraxis könnte auch das Aus für den Zentralen Zahnärztlichen Notdienst (ZZN) bedeuten, der in den Räumen der NFP angeboten wird. „Damit fällt eine wichtige Versorgung von Patienten-Notfällen in Düsseldorf und auch ein notwendiger Partner des ZZN weg“, sagt ZZN-Vorsitzender Dirk Reißmann. Die Mediziner müssten die Nachtdienste dann alleine finanzieren und organisieren. „Dies ist nicht nur aus Personalgründen, sondern auch aus sicherheitstechnischen Aspekten sehr problematisch“, so Reißmann. Denn „verbale und körperliche Attacken“ hätten in den vergangenen Jahren zugenommen, und dem Verein sei es nicht möglich, „alleine einen Security-Service zu finanzieren“.

Kritisch sieht auch Düsseldorfs Gesundheitsdezernent Andreas Meyer-Falcke die Entscheidung, den Nachtdienst abzuschaffen. Er sei „irritiert“ und sorge sich, dass die Patienten dann auf den Rettungsdienst (112) und an die Notfallambulanzen an den Kliniken ausweichen könnten, die ohnehin schon überlastet seien. Eine so weitreichende Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt zu treffen, sei fraglich. Erst recht, da ein Pilotprojekt zur Neustrukturierung der Notfallversorgung in Köln noch nicht abgeschlossen sei und damit unklar sei, wie Patienten mit den geplanten Veränderungen in der Notfallversorgung umgehen.

Hintergrund: Bis 2022 soll in Nordrhein-Westfalen das System der Portalpraxen („Ein-Tresen-Modell“) flächendeckend eingeführt werden. Dann sollen Patienten über einen zentralen Empfang und ein sogenanntes Ersteinschätzungssystem zum richtigen Behandlungsort weitergeleitet werden. So soll sichergestellt werden, dass „echte“ Notfallpatienten schnellstmöglich medizinisch versorgt werden können. Bislang kämpfen Notfallpraxen wie die Notfallambulanzen an den Kliniken damit, dass viele Menschen nur wegen Bagatellerkrankungen kommen.

In diesem Zuge droht bis 2022 auch das generelle Aus der Notfallpraxis am Evangelischen Krankenhaus – dazu will sich die KVNO aber nicht äußern. CDU-Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel setzt sich für den Erhalt  ein, „dies sorgt für Versorgungssicherheit und beugt einer Überlastung der Notaufnahme des EVK vor, die sich zwangsläufig bei einer Schließung ergeben wird.“