Düsseldorf: Nirosta-Stahlwerk soll zu „Benrather Gärten“ werden

„Benrather Gärten“ : Millionen-Poker um neues Wohngebiet in Düsseldorf

Aus dem Nirosta-Stahlwerk im Süden Düsseldorfs sollen die „Benrather Gärten“ werden. Für das Grundstück werden bereits mehr als 100 Millionen Euro geboten. Die Stadtspitze kämpft jetzt gegen einen überzogenen Preis, der das Wohnen verteuert.

Es gibt nicht genug neue Wohnungen in Düsseldorf, und es gibt zu wenig preiswerten Wohnraum. Drei Großprojekte, die um die 3000 neue Wohnungen bringen könnten, verbessern diese Situation nur bedingt. Hintergrund ist ein neuer Trend: Die Grundstücke für Wohngebiete werden meistbietend versteigert. Die Stadtspitze versucht nun, dagegen zu steuern, und hat an die Teilnehmer des Bieterverfahrens für das rund 150.000 Quadratmeter große Areal an der Ecke Hildener/Frankfurter Straße in Benrath einen Brief geschickt. „Wir haben von diesem Preispoker gehört und wollen klarmachen, dass dieses Geld nicht durch eine höhere Verdichtung wieder hereingeholt werden kann“, so Planungs- und Baudezernentin Cornelia Zuschke. Die Fakten:

Das Bieterverfahren Durchgeführt werden Bieterverfahren in aller Regel von großen, international tätigen Immobilienmaklern. Beim Glasmacherviertel in Gerresheim war es BNP Paribas, beim Nirosta-Gelände ist es JLL. Am Albertussee, wo die Firma Pandion zum Zuge kam, hat die Metro selbst verkauft. Es gibt einen Startpreis, dann werden Runde für Runde diejenigen aussortiert, die nicht genug bieten. Zum Verfahren gehören gezielte Ansprachen der Entwickler nach dem Motto: Wer dabei bleiben möchte, müsse mutiger sein, noch etwas drauflegen. Dabei geht es um Millionensummen. Die Knappheit großer Flächen in der prosperierenden Stadt Düsseldorf treibt den Preis. Für Benrath, wo es um das ehemalige Werk von ThyssenKrupp Nirosta geht, soll das Ergebnis bis Jahresende feststehen.

Die Preise Beim Glasmacherviertel machte die Eigentümerin Patrizia Immobilien AG ein gutes Geschäft. Sie startete das Bieterverfahren bei 80 Millionen und soll am Ende laut Brancheninsidern 132 Millionen Euro erhalten haben. In Benrath soll bereits in Runde zwei die Marke von 100 Millionen Euro geknackt worden sein. Marcel Abel, Geschäftsführer von JLL, will das nicht bestätigen. „Zu dem laufenden Verfahren können wir uns über die bereits erfolgte Berichterstattung hinaus nicht weiter äußern.“

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Abel spricht damit den Gestaltungswettbewerb an, den der Eigentümer Outokumpu Nirosta GmbH finanziert hat. Das Sieger-Konzept sehe eine stringente städtebauliche Struktur für das Areal vor, verkündete die Stadt. Zentrale Idee sei eine Grün- und Wasserachse im Zentrum des Areals, in Analogie zur Wasserachse von Schloss Benrath. Das städtebauliche Konzept sei klar geometrisch gegliedert, biete Raum für Wohnen und Gewerbe. Zuschke lobte die Sieger Schellenberg + Bäumler mit FSWLA Landschaftsarchitektur: „Ich bin erfreut, dass ein Entwurf gewonnen hat, der Benrath versteht und in sich schlüssig ist.“

Die Zukunft In Gerresheim muss der Käufer neben dem Kaufpreis rund 50 Millionen Euro für Infrastruktur kalkulieren (Kanäle, Park etc.). Rund 1600 Wohnungen sollen entstehen, das Handlungskonzept Wohnen wird angewandt (40 Prozent sozial geförderter oder preisgedämpfter Wohnraum). Der durch das Grafental bekannt gewordene Entwickler Brack Capital steht nun unter dem Druck, das frisch erworbene Glasmacherviertel wirtschaftlich zu entwickeln. Angesichts von Erwerbs- und Baukosten von rund 4500 Euro pro Quadratmeter kein Kinderspiel. „Es wird auch niedrigere Preise geben“, sagt Geschäftsführer Ulrich Tappe, „aber losgelöst von der allgemeinen Preisentwicklung geht es auch nicht.“ In Düsseldorf gebe es genug Menschen, die sich dies leisten könnten. „Aber einige auch nicht, das muss man klar sagen.“ Was in Benrath geschieht, hängt vom Verkaufspreis und der Haltung der Stadt ab.

Entwickler Klaus Franken von Catella (Grand Central) fordert, „dass wir die Spekulation aus Düsseldorf herausbekommen müssen“. Mit dem Verkauf von reinen Grundstücken werde derzeit mehr Geld verdient als mit der Realisierung von Wohnungsbau. Das sei ungesund.

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