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Umstrittenes Verkehrskonzept

Umweltspuren in Düsseldorf gehen in Betrieb

Auf der Merowingerstraße in Bilk wird eine Umweltspur in Richtung Innenstadt eingerichtet. FOTO: Krebs, Andreas (kan)

Düsseldorf Auf zwei Hauptverkehrsstraßen in Düsseldorf gehört eine Spur künftig Bus, Rad, Taxis und E-Autos. Am Donnerstag wurde mit den Markierungsarbeiten begonnen. Das können Sie bei uns im Video sehen.

Autofahrer in Düsseldorf müssen sich an eine Neuheit gewöhnen: Die Landeshauptstadt nimmt ihre ersten Umweltspuren in Betrieb. Auf zwei wichtigen Verkehrsachsen in der Innenstadt steht künftig eine von zwei Fahrspuren nicht mehr für Autos mit Benzin- oder Diesel-Motor zur Verfügung, sondern nur noch für umweltfreundlichere Alternativen.

Die Spuren sind freigegeben für Linienbusse, Fahrräder, E-Autos sowie Taxen. Diese Kombination wird erstmals erprobt. Wenn das Bundesverkehrsministerium zustimmt, kommen bald Fahrgemeinschaften mit drei oder mehr Insassen dazu.

Der Versuch ist zunächst auf ein Jahr angelegt. Umweltministerium, Bezirksregierung und Stadt wollen dadurch Fahrverbote abwenden. Im Herbst hatten Gerichte mehrere Streckenbeschränkungen für NRW verhängt. Daraus schlossen die Behörden, dass auch die bisherigen Schritte für saubere Luft in Düsseldorf nicht reichen. Die Umweltspuren sollen schnelle Abhilfe schaffen.

Am Donnerstag beginnen die Markierungsarbeiten an der Prinz-Georg-Straße in Pempelfort. Dort soll die Umweltspur, die in beiden Richtungen markiert wird, am Dienstag in Betrieb gehen. An der Merowingerstraße in Bilk beginnen die Arbeiten am Freitag, die Spur geht dort bereits am Montag in Betrieb. Zunächst wird die Spur dort nur in Richtung Innenstadt eingerichtet. Im Sommer soll eine dritte, erheblich längere Umweltspur folgen.

Welche Folgen die Spuren auf den Verkehr haben, ist ungewiss. Von der Stadt heißt es, eine Simulation sei nicht möglich gewesen. Auch die Befürworter erwarten, dass sich viele Autofahrer neue Routen suchen und dadurch der Verkehr auf anderen Straßen steigt.

Langfristig will Düsseldorf durch einen Ausbau von ÖPNV und Radwegen mehr Menschen dazu bewegen, das Auto stehenzulassen. Bislang ist es bei Berufspendlern mit großem Abstand die erste Wahl: Rund drei Viertel der mehr als 300.000 Menschen, die pro Werktag zum Arbeiten in die Stadt kommen, reist mit dem Auto an.

Das Experiment ist politisch umstritten. Umweltverbände befürworten den Schritt. Die Interessensverbände von Handel, Industrie und Handwerk kritisieren hingegen, dass der Autoverkehr beeinträchtigt wird, während die Alternativen noch nicht ausgebaut sind.