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Düsseldorf: Neues Buch berichtet von Gräueltaten der Nazis im Gefängnis Ulmer Höh'

Düsseldorfer Geschichte : Gefängnis-Gräuel im Nationalsozialismus

Ein neues Buch beleuchtet ein besonders dunkles Kapitel in der Geschichte des Düsseldorfer Gefängnisses Ulmer Höh’. Viele der Inhaftierten waren als Gegner des NS-Regimes politische Gefangene.

Gut zwei Jahre ist es her, dass Bastian Fleermann sich ans Werk machte. Am Montag stellte der 42-Jährige sein Buch „Ulmer Höh‘. Das Gefängnis Düsseldorf-Derendorf im Nationalsozialismus“ vor.

Das 488 Seiten starke Buch aus der Feder des Leiters der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf erzählt die Geschichte der Männer und Frauen, die in dem Gefängnis in den Jahren 1933 bis 1945 inhaftiert waren. In der Ulmer Höh’, wo die Präsentation auch stattfand, waren laut Fleermann in dieser Zeit Zehntausende Menschen eingesperrt. Viele dieser Gefangenen waren politische Gegner des Regimes, gesellschaftliche Außenseiter, jüdische Männer und Frauen, Homosexuelle, Sinti, Pazifisten und viele andere Unschuldige.

Aufgewachsen sei er in Düsseldorf, erzählte Fleermann dem Publikum. Und schon als Kind habe er gelernt: „Wenn du bekloppt bist, dann kommst du nach Grafenberg. Wenn du nicht lieb bist, dann kommst du auf die Ulmer Höh.“

2012 – längst erwachsen und renommiert in der Stadt – erhielt er den schicksalhaften Anruf: „Die letzten Gefangenen waren nur wenige Stunden zuvor in andere Gefängnisse gebracht worden, da erhielt ich die Chance, mir die Ulmer Höh’ anzusehen.“ Und er habe schnell begriffen, dass das 1893 eröffnete Gefängnis in der Zeit des Nationalsozialismus eine „besonders niederträchtige Phase“ durchlebt habe.

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Gebannt hörte das Publikum ihm zu. Pater Wolfgang saß dort, der von 1990 bis 2019 Gefängnisseelsorger in Derendorf war. Bürgermeister Josef Hinkel sprach ein Grußwort, die Schauspieler Julia Dillmann und Jonathan Schimmer lasen ausgesuchte Passagen aus dem Buch vor. Dankesworte sprach Henrike Tetz, die Vorsitzende des Förderkreises der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf. Das Buch ist im Droste-Verlag erschienen. Es sei Neuland, das er betrete. „Düsseldorf hat eine sehr breite und zerklüftete Geschichtslandschaft, zu vielen Themen gibt es Bücher, aber zu diesem Thema noch nicht.“ Diesen Impuls habe er bereits bei seinem ersten Besuch gespürt in dem Gefängnis vor neun Jahren: „Diese Lücke möchtest du schließen.“ Und ein starkes Team habe ihm zur Seite gestanden. Seit dem Start der Recherchen bis vor Kurzem habe er jeden Tag an dem Buch gearbeitet. „Der Lockdown war für mich also – was das Buch anbetrifft – nicht verkehrt“, erzählte Fleermann.

Die Tragweite dessen, was die Haft aus den Menschen machen konnte, verdeutlichte der Institutsleiter und Autor am Beispiel von Robert Lehr, der den Krieg und somit die Haft überlebte – das Robert-Lehr-Ufer ist nach dem Politiker benannt. „Er wurde von den Nazis verschleppt und in eine Einzelzelle gesteckt, dort erlebte er große Einsamkeit.“ Aus einem persönlichen Tagebuch, in das Bastian Fleermann Einblicke bekommen konnte, las er heraus, dass Lehr zeitlebens oft weinte und Angstattacken hatte. „Das ist nur ein Beispiel von vielen“, sagte Fleermann. Prägend für ihn sei auch die Geschichte eines russischen Zwangsarbeiters gewesen, auf die er im Zuge seiner Arbeit stieß: „Es war 1943, und zwei Tage vor seinem 21. Geburtstag ist der Mann hier schlicht verhungert.“

Info Bastian Fleermanns Werk ist im Buchhandel erhältlich sowie in der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf.