Sport sorgt für Wir-Gefühl Deutscher Nachhaltigkeitspreis in Düsseldorf verliehen — diese Promis wurden geehrt

Düsseldorf · Zum 16. Mal ist am Freitag im Festsaal des Düsseldorfer Maritim Hotels der Deutsche Nachhaltigkeitspreis verliehen worden. Einer der Preisträger ist der ehemalige Formel1-Star Sebastian Vettel.

Nachhaltigkeitspreis: Diese Promis liefen über den Blauen Teppich
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Diese Prominenten liefen über den Blauen Teppich

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Foto: Bretz, Andreas (abr)

Nachhaltigkeit, ein inzwischen inflationär gebrauchter Begriff, meint so vieles, hat individuell jede Menge Facetten: So fragt sich Sebastian Vettel, der viermalige Formel-1-Weltmeister und Vater von drei Kindern, ob es überhaupt in Ordnung ist, noch einmal ins Auto zu steigen. Nachhaltigkeit bedeutet für Anna Hiltrop, Botschafterin der Initiative Rhine-Clean-Up, Werbung zu machen für das Aufsammeln von Müll. Bundesinnenministerin Nancy Faser kauft in aller Regel regionale Produkte und sie trägt so wie Ex-Boxweltmeisterin Regina Hallmich und ihre Freundin, die Schauspielerin Tina Ruland, auf dem Roten Teppich öfter ein und dasselbe Kleid. Bei der Verleihung des 16. Nachhaltigkeitspreises (DNP) war es allerdings ein Blauer Teppich aus recycelten Materialien, über den die Gäste zur Gala in den Festsaal des Hotel Maritim gingen.
Einer der Höhepunkte des Abends war der Auftritt der 21-jährigen Sängerin Zoe Wees, die in ihren Songs („Control“, „Therapy“) ihre eigenen täglichen Ängste thematisiert. „Ich reise nur mit meiner Psychotherapeutin“, sagt sie. Bei ihren Konzerten kämpft die junge Hamburgerin für positive Veränderungen und für mehr mentale Gesundheit, die weit über die Nachhaltigkeitsszene hinaus strahlen. Sie bekam von Dr. Eckart von Hirschhausen (TV-Arzt, Moderator und Buchautor) einen Sonderpreis verliehen, weil sie für mehr Akzeptanz von seelischen Problemen und psychischer Erschöpfung ihre Stimme erhebt. Wie wichtig Nachhaltigkeit im Sektor Gesundheit ist, will der DNP-Initiator Stefan Schulze-Hausmann 2024 mit dem erstmals im kommenden Jahr vergebenen DNP-Gesundheit untermauern.

Diesmal, bei der 16. Gala, stand allerdings der Sport im Mittelpunkt. Oft war an dem Abend die Rede von den Vorbildern, den leuchtenden Beispielen, die es braucht, um Veränderungen voranzutreiben. Wobei Nachhaltigkeit im Sport besonders wichtig sei, so Schulze-Hausmann. Zudem solle der Sport alle Gruppen einbeziehen, wie Menschen mit einer Behinderung oder Senioren. Und so wurden erstmalig mit der neuen Kategorie und in Anwesenheit zahlreicher Ikonen der Sportwelt vorbildliche Beiträge zur ökologischen und sozialen Transformation im Sportsektor prämiert. Unter den 1000 Gästen waren auch Skilegende Christian Neureuther, Schwimmerin Britta Steffen, Säbelfechter Max Hartung, Big-Wave-Surfer Sebastian Steudtner, Zehnkampf-Star Leo Neugebauer und der nepalesische Bergsteiger Nirmal Purja, dem es gelungen ist, in Rekordzeit von nur sieben Monaten alle 14 Achttausender zu erklimmen.

Bundesinnen- und Sportministerin Nancy Faeser gehörte zu den Bühnengästen und überreichte Preise.  Gemeinsam mit DFB-Vizepräsidentin Celia Šašić betonte sie, dass sich im Sport in Sachen Nachhaltigkeit etwas tun muss. Als positives Beispiel führte sie die Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland an: „Die Spiele finden nur in Sportstätten statt, die es bereits gibt - wie beispielsweise in Düsseldorf. Es werden keine neuen Arenen gebaut. Wir wollen die nachhaltigste Groß-Veranstaltung werden, die es bisher gab.“ Auf dem Weg hin zu einem klimaneutralen Sport dürften künftig auch in anderen Ländern Orte für Spiele nicht so gewählt werden, dass man sie nur mit dem Flugzeug erreichen könne.
Wie wichtig Sport im Verein, in der Mannschaft und im Team, insbesondere für den sozialen Zusammenhalt einer Gesellschaft sei, bekräftigte Celia Šašić. Die soziale Nachhaltigkeit sei nicht zu unterschätzen. Strukturen und Verbindungen entstehen, es geht um Wertschätzung, um ein Miteinander, um ein Wir-Gefühl. Die DFB-Vizepräsidentin wünscht sich, dass Fußball zum Kulturgut erklärt wird.

Der neue Sportpreis wurde in sechs Kategorien verliehen. Den meisten Applaus bekamen die Veranstalter und Teilnehmer der Special Olympics World Games in Berlin. „Endlich wurden wir gesehen und wertgeschätzt. Das war ein großartiges Gefühl“, hieß es.
Groß war auch der Beifall für Sebastian Vettel, als er den Ehrenpreis für sein Engagement rund um den Umweltschutz und seine Transformation vom Motorsportler zum Nachhaltigkeitsaktivisten entgegennahm.  Der 36-jährige wurde als Vorbild gefeiert, als einer, der sich inzwischen mehr um die Biodiversität kümmert, als Rekorden nachzujagen. Vettel zeigte sich überzeugt davon, dass „die Zukunft eine Chance hat. Es braucht nur mehr Mut und Zuversicht“.

Für gute Stimmung und viel Jubel sorgte zum Gala-Finale das Kurz-Konzert der Berliner Reggae- und Hip-Hop/Rap-Band Culcha Candela. Seit Jahrzehnten macht sich das Quartett in zahlreichen Projekten für soziale Gerechtigkeit stark und singt 2024 auch den offiziellen Song zur Handball-Weltmeisterschaft in Deutschland.

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