Schauspieler Moritz Klaus aus Düsseldorf Zwischen Schauspielhaus und Oscars

Düsseldorf · Moritz Klaus spielt einen Soldaten im Kriegsdrama „Im Westen nichts Neues“, das als Favorit bei den Academy Awards gilt. Wie der Schauspieler zu dieser Rolle kam und warum er eigentlich lieber auf der Theaterbühne steht.

 Moritz Klaus ist in der Netflix-Produktion „Im Westen nichts Neues“ zu sehen und steht regelmäßig auf der Bühne des Schauspielhauses.

Moritz Klaus ist in der Netflix-Produktion „Im Westen nichts Neues“ zu sehen und steht regelmäßig auf der Bühne des Schauspielhauses.

Foto: Anne Orthen (orth)

Aufregende Wochen sind das für Moritz Klaus. Mit satten neun Oscar-Nominierungen für den deutschen Film „Im Westen nichts Neues“ richtete sich das Interesse auch auf den 24-Jährigen aus Düsseldorf. Er spielt darin einen Soldaten, keine absolute Hauptrolle, aber eine ziemlich wichtige. Fast zwei Jahre sind seit den Dreharbeiten vergangen. Inzwischen gehört Moritz Klaus zum Ensemble des Schauspielhauses und steht in mehreren Stücken auf der Bühne.

Die Aufmerksamkeit im Dunstkreis der Oscars hat ihn überrumpelt. „Krass, welches Echo das nach sich zieht“, sagt er. Nominierungen für das zutiefst erschütternde Antikriegsdrama gab es zuvor schon bei den Golden Globes und den britischen Bafta-Awards. In London räumte der Film vorigen Sonntag ab wie kein anderer, bei 14 Nominierungen gewann „Im Westen nichts Neues“ die Trophäe sagenhafte sieben Mal, darunter in den wichtigsten Kategorien „bester Film“ und „beste Regie“. Beides renommierte Wettbewerbe von hoher Bedeutung, aber dennoch an Glamour und Strahlkraft nicht vergleichbar mit dem Oscar.

Von ihm kann das Team um Regisseur Edward Berger noch bis zum 12. März träumen. Wo wird Moritz Klaus die Verleihung verfolgen? „Ich hoffe doch sehr in Hollywood“, sagt er keck. Sicher sei das noch nicht, aber machbar schon aus seiner Sicht. Am 9. und 10. März tritt er am Schauspielhaus in „Franziska“ und „Der Zauberberg“ auf. Danach winken ein paar freie Tage, genug für den Sprung ins Mekka des Films. Auch wenn ihm selbst keiner der streng limitierten Plätze im Dolby Theater zusteht – allein das Drumherum stellt er sich unfassbar spannend vor.

Und plötzlich sind sie wieder da, die Erinnerungen an den Sommer 2020. Es war Lockdown, künstlerisch stand alles still. Seine Klasse an der Schauspielschule Felix Mendelssohn-Bartholdy in Leipzig hatte beschlossen, ein Jahr auszusetzen. Da hörte er im August von einem Casting für „Im Westen nichts Neues“, ein Freund nahm teil. Erst viel später, im Dezember, bekam auch er eine Einladung zu einem Video-Casting. „Zwei Tage vor Weihnachten habe ich eine Stunde mit dem Regisseur gezoomt“, erzählt Moritz Klaus. „Edward Berger nahm sich total viel Zeit für mich. So bekam ich ein Gespür, was für ein Mensch er ist. Sofort fühlte ich mich wohl mit ihm. Dann kam die Zusage, und alles ging megaschnell.“

Zwei Wochen später war er schon bei der Kostümprobe in Prag und wurde in einem Bootcamp mit den spielerischen Anforderungen fürs Schlachtfeld vertraut gemacht. „Wie man sich in einer schweren Uniform bewegt, wie man mit den Waffen umgeht“, führt er aus. „Gewehr und Bajonett wogen allein acht Kilo. Körperlich war das enorm anstrengend. Und wir haben die Szenen beim Kampf und im Schützengraben ja nicht nur einmal gedreht.“ Zuschauer der aufwendigen Netflix-Produktion könnten kaum ermessen, wie oft jede einzelne Einstellung, im Film manchmal nur für Sekunden zu sehen, wiederholt werden musste. „Sei es aus technischen Gründen oder weil die Komparsen in die falsche Richtung laufen“, erklärt er.

Seine Figur, Franz Müller, stirbt auf dem Schlachtfeld. „Man sieht es nicht genau, darüber war meine Mutter sehr froh.“ Ihr hat er seine Hinwendung zur Schauspielerei zu verdanken. Die Familie lebte in Bergisch-Gladbach, wo Moritz Klaus 15 Jahre lang beim TUS Immekeppel mit großer Leidenschaft Fußball spielte. Parallel dazu entwickelte sich zügig seine früh begonnene Schauspieler-Karriere. Als Mitglied im Köln-Chor hatte seine Mutter erfahren, es würde ein Junge für eine Filmrolle gesucht, der Kölsch sprechen könne. Der kleine Moritz war der Auserwählte. Mit sieben Jahren drehte an der Seite von Ulrich Noethen und Margarita Broich den Fernsehfilm „Teufelsbraten“. „Ab da habe ich jedes Jahr Filme gemacht“, sagt er. „Es war kein kindliches Hobby, es war wie ein Beruf.“ Daran anzuknüpfen und ihn wahrhaftig zu erlernen, schien ihm folgerichtig: „Ich habe nie darüber nachgedacht, mir etwas anderes zu überlegen.“

Sein Erweckungserlebnis hatte er im Literaturkurs seiner Schule, man probte „Dr. Jekyll und Mr. Hyde.“ Hier spürte Moritz Klaus, was ihm die Bühne bedeutete. „Das Theaterspielen verschaffte mir eine ganzheitlichere Erfahrung als alle Dreharbeiten. Es sind zwei völlig unterschiedliche Genres. Komisch eigentlich, dass es für beide ein und dieselbe Bezeichnung gibt.“ Noch immer sei er stark von der Kameraarbeit und ihren nötigen sparsamen Ausdrucksmitteln geprägt. „Ich muss aufpassen und mich trauen, die Dinge im Theater wirklich großzuziehen“, ermahnt er sich selbst.

Wie immer es mit „Im Westen nichts Neues“ bei den „Oscars“ ausgehen mag, es könnten weitere Filmangebote auf ihn zukommen. Eine Verlockung? „Das würde heute nicht mehr so einfach gehen“, antwortet er. „Jetzt bin ich erst mal hier am Schauspielhaus, und das mit ganzem Herzen.“

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