Düsseldorf: Monika Lehmhaus (FDP) übt Kritik an Umquartierung der Obdachlosen vom NRW-Forum

„Sozialer Frieden gefährdet“ : FDP-Ratsfrau kritisiert Umquartierung von Obdachlosen in Einfamilienhäuser

Lange wurde über die Zeltstadt der Obdachlosen am Düsseldorfer Ehrenhof diskutiert. Die Stadt ist stolz auf ihre Lösung: Die Gruppe zieht in zwei Einfamilienhäuser. Doch nun kommt Kritik von der Vorsitzenden des Liegenschafts-Ausschusses im Rat.

Sie sei sehr irritiert, sagt Monika Lehmhaus, zweite stellvertretende Vorsitzende der FDP-Ratsfraktion Düsseldorfs. „Natürlich ist es unterstützenswert, dass Obdachlose ein Dach über dem Kopf bekommen. Aber ich mache mir Sorgen, dass der soziale Frieden in der Stadt nachhaltig gestört wird.“

Am Donnerstag hatten Vertreter der Verwaltung sowie von Obdachlosenhilfsorganisationen eine Lösung in der langen Debatte um die Obdachlosen verkündet, die seit mehreren Monaten am Gebäude des NRW-Forums kampieren. Sie sollen ab heute in zwei Einfamilienhäusern im Stadtteil Hamm wohnen. Die Häuser gehören der Stadt und wurden bis 2018 erst für Flüchtlingsunterbringung und dann für die Betreuung minderjähriger Flüchtlinge genutzt.

„Tausende junger Familien in Düsseldorf arbeiten – und können trotzdem von so einem Eigenheim nur träumen“, so Lehmhaus. Es sei schwer vermittelbar, dass die Häuser nun für Obdachlose verwendet würden. Zudem interessiere sie die Frage, warum die Häuser in so schlechtem Zustand seien. Die zuständige Leiterin des Amts für Migration und Flüchtlinge, Miriam Koch, hatte gesagt, die Häuser seien zuletzt nicht in einem Zustand gewesen, dass man sie hätte vermieten oder anderweitig nutzen können. Lehmhaus kündigte an, bei der nächsten Sitzung des Ausschusses für Wirtschaftsförderung, Tourismus und Liegenschaften (dessen Vorsitzende sie ist) zu fragen, „wie eine Immobilie so zugrunde gerichtet werden kann, dass keiner mehr einziehen will?“

Amtsleiterin Koch wies die Kritik zurück. Ihre Behörde habe die Häuser 2013 von der städtischen Wohnungsgesellschaft übernommen. Bereits damals seien die Dächer schadhaft gewesen. „Bei beiden Häusern sind deshalb aktuell nur die Erdgeschosse nutzbar.“ Insofern seien sie auch nicht vermietbar. 2018 habe das Jugendamt die Nutzung als Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge beendet. Seitdem werde überlegt, was man mit den Häusern machen solle.

„Ich bin zuständig für Wohnungslose und verpflichtet, ihnen ein Dach über dem Kopf zu verschaffen“, so Koch. „Wenn mir dafür eine Immobilie zur Verfügung steht, dann nutze ich sie.“ Vor diesem Hintergrund sei die Entscheidung gefallen, die Gruppe vom NRW-Forum kurzfristig und unbürokratisch in die Häuser in Hamm einziehen zu lassen. Gerade dass die Häuser in einiger Entfernung zu weiterer Infrastruktur lägen, sei hier ein Vorteil. „Für die normale Flüchtlings- oder Obdachlosenunterbringung waren die Häuser nur schwer nutzbar.“

Auch in sozialen Netzwerken diskutierten die Nutzer intensiv über das Wohnprojekt der Stadt. Während einige der Ansicht sind, dass die Häuser lieber arbeitenden Menschen mit geringem Gehalt zur Verfügung gestellt werden sollten, argumentierten andere, Neid sei in diesem Fall nicht angebracht. Eine Frau schrieb, sie selbst habe sich ihre Heimat im Düsseldorfer Norden nicht mehr leisten können. „Aber für diese Gruppe von Obdachlosen freut es mich wirklich von ganzem Herzen!“

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