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Düsseldorf: Mobbing und rassistische Witze - Feuerwehrmänner angezeigt

Strafanzeigen und Disziplinarverfahren : Sexuelle Belästigung und rassistische Witze - Feuerwehrmann aus Düsseldorf suspendiert

Feuerwehrmänner aus Düsseldorf sollen eine Kollegin belästigt, in einem Chat rassistische Witze und sexistische Fotos verbreitet haben. Nun gibt es mehrere Strafanzeigen und Disziplinarverfahren, ein Mann wurde suspendiert.

Von Verena Kensbock

Es sind schwere Vorwürfe gegen drei Feuerwehrmänner aus Düsseldorf, die nun bekannt wurden. Von sexueller Belästigung und Beleidigung ist die Rede, von rassistischen Witzen und sexistischen Bildern, die in privaten Chats kursierten. Zwei Strafanzeigen und mehrere Disziplinarverfahren hatten die Vorwürfe nun zur Folge, ein Mann wurde vom Dienst freigestellt – alle arbeiten in derselben Schichtgruppe an der Feuerwache 1 an der Hüttenstraße in Friedrichstadt.

Auslöser dieser Welle an Vorwürfen war der Helm einer Feuerwehrfrau, den Unbekannte beschmiert haben. In ihrer Abwesenheit wurde das Wort „Votze“ darauf geschrieben, die Frau hatte den Helm am 18. August so vorgefunden. Zugang sollen nur Mitarbeiter der Feuerwache gehabt haben. Stadtsprecher Marc Herriger spricht von einem Akt der Missgunst. „Die Frau wurde zu einem Lehrgang zugelassen, an dem nicht alle Feuerwehrleute teilnehmen konnten.“ Zudem soll sie sich auf einen Job als Gruppenführerin beworben haben.

Sowohl die Stadt Düsseldorf als auch die betroffene Mitarbeiterin haben wegen Beleidigung Anzeige gegen Unbekannt gestellt. „In Gesprächen wurden dann auch Vorwürfe der sexuellen Belästigung bekannt, die sich erhärtet haben“, sagt Ulf Fischer, Leiter des Hauptamtes. Der beschuldigte Feuerwehrmann wurde vergangene Woche vom Dienst freigestellt und soll für drei Monate suspendiert werden.

Gegen zwei weitere Beamte der Feuerwache laufen Disziplinarverfahren wegen Fehlverhaltens im Einsatzdienst und wegen rassistischer Äußerungen. Die Vorwürfe konnte die betroffene Beamtin anhand von Bildern und Texten aus einer privaten Chatgruppe belegen. Nach einem Brand in einem Bordell hatte ein Feuerwehrmann für Fotos in den Räumlichkeiten posiert. Auf den Bildern hat er die Hose geöffnet und ist mit entblößtem Geschlechtsteil zu sehen. Dieses Foto wurde offenbar in dem Chat verbreitet. Das Feuer in dem Saunaclub soll bereits mehrere Jahre zurückliegen. Zudem sollen in der WhatsApp-Gruppe rassistische Witze kursieren, in denen Minderheiten beleidigt werden. Ein Disziplinarverfahren kann im schlimmsten Fall mit der Entlassung aus dem Dienst enden.

Offenbar handelt es sich dabei aber nicht um die einzigen Fälle innerhalb der Feuerwehr. Gegen einen Feuerwehrmann liegt Anzeige wegen Missbrauchs Schutzbefohlener vor. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf am Montag. Kostenpflichtiger Inhalt Der Mann soll im Januar Kollegen darum gebeten haben, ihm Nacktbilder zu schicken – darunter auch Minderjährige.

Die Stadt Düsseldorf prüft nun personelle Veränderungen in der Feuerwache 1 in Friedrichstadt. Noch sei nicht klar, ob die Schichtgruppe in dieser Zusammenstellung bestehen bleiben soll, so Stadtsprecher Marc Herriger. Fest steht, dass die Leitung künftig nicht mehr im 24-Stunden-Dienst arbeitet, sodass sie täglich als Ansprechpartner vor Ort ist. „Sexismus und Rassismus haben in der Feuerwehr keinen Platz. Wir werden in aller Entschiedenheit gegen Beamte vorgehen, die sich in sexuell belästigender oder fremdenfeindlicher Art und Weise äußern“, sagt Feuerwehr-Chef David von der Lieth.

Die Feuerwache 1 ist die größte Wache in Düsseldorf. Etwa 95 Kollegen arbeiten dort im 24-Stunden-Dienst – die wenigsten davon sind Frauen. Von insgesamt 850 Feuerwehrleuten im Einsatzdienst sind nur zehn weiblich, darunter fünf Auszubildende. „Das ist eindeutig zu wenig“, sagt Susanne Kaufmann vom Gleichstellungsbüro der Stadt. „Zusammen mit der Amtsleitung wird das Gleichstellungsbüro über mögliche Strukturveränderungen bei der Feuerwehr nachdenken.“ So wolle man für die Jugendfeuerwehr mehr Mädchen anwerben, die auch den Weg in die Berufsfeuerwehr gehen. Zudem sollen die Führungskräfte in den Feuerwachen über den Umgang mit sexueller Belästigung aufgeklärt werden. So habe es auch zum Thema Rassismus ein Seminar bei der Landeszentrale für politische Bildung gegeben.

(veke)