Düsseldorf: Mitarbeiter von LSD GmbH wollen nicht auf Bus und Bahn wechseln

Umweltspur-Ärger : Mitarbeiter von LSD GmbH wollen nicht auf Bus und Bahn wechseln

Der Geschäftsführer hatte sich in einem Brief an Oberbürgermeister Thomas Geisel über die Folgen der Umweltspur beschwert – nun legt er mit einer Mitarbeiterbefragung nach. Geisel betont, dass die Maßnahme notwendig sei.

Beim Unternehmen LSD im Düsseldorfer Süden herrscht angesichts der Verkehrslage nach wie vor schlechte Stimmung. Die Geschäftsführer Klaus und Chris Finken beklagen, dass viele Mitarbeiter seit dem Start der Umweltspuren viel länger zur Arbeit brauchen – vor allem wegen der Ausweichverkehre rund um die Stadt. Mehr als 100 Beschäftigte, darunter viele Einpendler, haben sich nun an einer firmeninternen Umfrage beteiligt. Ergebnis: Viele brauchen spürbar länger als früher im Berufsverkehr, 60 statt 45 Minuten oder 55 statt 35.  Bei einigen sind die Zeiten gleich geblieben. Wechselwille zum öffentlichen Nahverkehr ist insgesamt kaum vorhanden.

„Dauert zu lange“ haben viele in die entsprechende Spalte eingetragen, „zu umständlich“, „zu teuer“ oder „Kinder müssen weggebracht werden“.  Eine Gegenprobe per Routenplaner ergibt: Je nach Stadtteil kann ein Einpendler aus Mönchengladbach mit ÖPNV gut eineinhalb Stunden nach Hassels brauchen – und muss viermal umsteigen. Aus Düsseldorf-Grafenberg dauert es laut Fahrplan je nach Zeit 40 bis 50 Minuten. Aber auch einige Mitarbeiter, die mit Bus und Bahn schneller wären, geben an, nicht wechseln zu wollen – wegen der Kosten oder weil sie die Bahn nicht zuverlässig genug finden.

„Es kristallisiert sich aus der Befragung von 110 Mitarbeitern heraus, dass der Individualverkehr für alle sehr wichtig ist“, sagt Klaus Finken: „Diejenigen, für die es sinnvoll ist, nutzen natürlich auch den ÖPNV.“ Er betont, Nachhaltigkeit sei für das Unternehmen durchaus ein Thema. So gebe man Zuschüsse zu den ÖPNV-Tickets und habe aktuell zwei E-Smarts, die als Auslieferungsfahrzeuge dienen und mit denen einige Mitarbeiter abends nach Hause fahren.

Oberbürgermeister Thomas Geisel äußert Verständnis dafür, dass Autofahrer sich über längere Fahrzeiten ärgern. „Niemand steht gern im Stau. Aber sie sollten auch wissen, dass die Umweltspur keine Maßnahme ist, die Autofahrer drangsalieren soll, sondern eine, mit der wir drohende Fahrverbote verhindern wollen“, fügt er hinzu. Man versuche zeitgleich  „mit Hochdruck“, umweltgerechtere Alternativen zu schaffen – und auch die Stau-Brennpunkte zu entlasten, zum Beispiel durch Optimierung von Ampelschaltungen etwa vor der Umweltspur an der Merowinger Straße. „Mit der Bewerbung um einen Modellversuch für das 365-Euro-Ticket wollen wir darüber hinaus die Bus und Bahn attraktiv und kostengünstig machen“, erklärt Geisel.

Für Firmen wie LSD weist er außerdem auf die Möglichkeit hin, Fahrgemeinschaften zu bilden. Dazu erklärt Finken, die Möglichkeit der Fahrgemeinschaften werde genutzt, wenn sich die Gelegenheit dazu biete. Dem stünden allerdings oft Kunden-Interessen im Wege.

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