Düsseldorf: Melanie Brüsseler vom BC Colours ist die Billard-Queen

Melanie Brüsseler vom BC Colours : Die Billard-Queen aus Düsseldorf

Melanie Brüsseler spielt seit 19 Jahren Billard. Vor elf Jahren zog sie für ihren Sport nach Düsseldorf.

An Melanie Brüsselers Billard-Tasche hängen zwei Stofftiere und zwei Badges: eins für die Deutsche Meisterschaft 2017, eins für die Meisterschaft 2018. In der Tasche schlummert wertvolle Fracht: Ihr Spiel-Queue hat mal 600 oder 700 Euro gekostet (er war ein Geschenk ihres Freundes), der etwas kürzere Break-Queue 400. „Das ist aber noch nichts“, sagt sie. „Man könnte auch 2000 oder 3000 Euro ausgeben.“

Der Preis kommt von den kunstvollen Verzierungen am Griff, aber auch von der Qualität von Handwerk und Material. Härteres Holz sorgt für geradere Stöße. „Wenn man auf Profi-Niveau spielt, merkt man das schon“, sagt Brüsseler.

Wir haben uns in den Vereinsräumen des BC Colours an der Reisholzer Werftstraße getroffen. Vor vier Jahren hat der Billard-Verein sie komplett renoviert. Jetzt stehen hier im Souterrain acht tiefblau bezogene Billardtische, jeder unter einer eigenen Neonlampe; vorne gibt es eine Bar und ein paar Tische und Stühle. Vor ein paar Minuten hat Melanie Brüsseler noch aufgeregt telefoniert, weil die Lautsprecher des Internet-Radios mal wieder nicht funktionieren.

Als sie jetzt, nach einer Zigarette, ihre Queues zusammenschraubt, ihre Handschuhe überstreift, Billardkreide aufträgt, die Kugeln auf einer Folie im Dreieck ordnet (nur in Kneipen wird ein Plastikrahmen verwendet), ist sie ganz ruhig. Die 50-Jährige in Jeans und Ringelshirt hat ihre blondierten Haare zum Zopf gebunden – auch wenn sie sie eigentlich lieber offen trägt. Ihre grünen Augen, noch betont von grünem Lidstrich, fixieren die weiße Kugel. Wo man diesen Spielball anstößt, ob oben, unten oder in der Mitte, erklärt sie, entscheidet, was er tut, nachdem er eine der farbigen Kugeln (die Objektbälle) angestoßen hat. Er kann weiterrollen, liegenbleiben oder zurückrollen.

Erste und vielleicht wichtigste Lektion: Wo die Weiße hinrollt, ist viel wichtiger als das pure Einlochen der Farbigen. Das nimmt der Profi als gegeben hin. Aber wie geht es weiter, wenn eine Kugel versenkt ist? Wo liegt die weiße Kugel dann? Möglichst so, dass der nächste Stoß problemlos möglich ist – und der nächste und der nächste. „Die richtig guten Spieler“, sagt Melanie Brüsseler, „denken nach dem Break das ganze Brett durch. Idealerweise kommt der Gegner erst wieder dran, wenn es darum geht, die Kugeln für das nächste Spiel aufzubauen.“ Billard, so wie Melanie Brüsseler es betreibt, ist nicht nur eine technische, sondern vor allem eine strategische Sportart. Und: „Im Prinzip ist Billardspielen ganz normale Physik.“

Physik mag Melanie Brüsseler – immer schon. Physik und Mathe. Geboren und aufgewachsen ist sie in Köln. Die Mutter war Verwaltungsfachangestellte, der Vater Automechaniker. Als Jugendliche spielte Brüsseler Eishockey, war sogar zeitweilig im Auswahlkader für die Nationalmannschaft. „Das habe ich aber leider nicht geschafft.“

Erst mit 27 gab sie den Sport auf. Da war sie schon fertig ausgebildete Programmiererin. Heute arbeitet sie bei Ford.  Mit 30 schließlich entdeckte sie die Liebe zum Billard, weil ihr damaliger Freund spielte. „Ich habe bei null angefangen“, sagt sie. „Einfach immer drauflos geübt.“

Der Freund war so gut, dass der BC Colours aus Düsseldorf um ihn warb. So wechselten beide 2004 in den Verein. Drei Jahre lang fuhren sie jede Woche zwei bis drei Mal 35 Kilometer zum Training und wieder zurück – bis sie schließlich umzogen in die verbotene Stadt. Das Herz hängt natürlich noch an Köln. „Aber Düsseldorf ist auch eine schöne Stadt.“

Mittlerweile wohnt Brüsseler nur einen Kilometer vom Vereinshaus entfernt und kommt mindestens drei Mal die Woche zum trainieren und spielen her. Außerdem ist sie erste Vorsitzende des Vereins, organisiert die vielen Wochenendturniere und die anderen Aktivitäten. Inzwischen ist sie mit jemand anderem zusammen – auch er ist im Vereinsvorstand, die beiden sind verlobt. Ihr Leben dreht sich um den BC Colours.

Ein Höhepunkt des Jahres war für sie die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften in Bad Wildungen. „Das ist immer schön, weil man einfach viele andere Sportler aus Deutschland trifft, die man sonst nie sieht.“ Sie trat für ihren Verein in der Altersklasse Ladies (Damen ab 43 Jahre) an – und schied im Achtelfinale aus. Sie lächelt – aber man sieht auch, dass es sie wurmt. „Ich will unbedingt mal eine Medaille“, sagt sie. „Aber die Ladies sind einfach mittlerweile richtig gut geworden.“

Ihre Vereinsämter – sie ist auch noch Sportwart im Pool-Billard-Verband Mittelrhein – will sie 2019 ein bisschen reduzieren. „Auch, wenn es mir schwer fällt. Ich bin halt ein Vereinsmeier.“ Zum Glück ist ein Nachfolger schon gefunden.

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