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Düsseldorf: Mehr Tempo bei der Entwicklung des Hafens Reisholz

Politik hat das endgültige Aus für Protected Bike Lane beschlossen : Mehr Tempo bei der Hafen-Entwicklung

Die Politik hat zähneknirschend das Aus des geschützten Radwegs beschlossen. Bei einer Alternativplanung will das Immobilienunternehmen Aurelis nun mitreden, das unter anderem das RWE-Kraftwerksgelände gekauft hat.

Auf der Straße Am Trippelsberg, die einmal quer durch den Reisholzer Hafen führt, ist nichts mehr zu sehen von dem gelben doppelten Radwegstreifen, den die Verwaltung im Vorgriff des Baus eines geschützten Radfahrstreifens im Herbst vergangenen Jahres aufgemalt hatte. Auf Anweisung des Oberverwaltungsgerichtes hatte die Verwaltung die Streifen und Symbole nun komplett unkenntlich machen müssen. Zunächst hatte die Stadt diese einfach nur durchgestrichen. Das reichte dem OVG aber nicht und die Stadt musste nachbessern: Jetzt erinnern nur noch zwei graue parallel zueinander verlaufende Streifen an das Scheitern dieses Fahrradprojektes, bis auch diese wegkommen.

Ein offizielles Ende der sogenannten Protected Bike Lane, die ab der Einmündung Werftstraße bis zur Kreuzung Bonner Straße gelten sollte, hat der Ordnungs- und Verkehrsausschuss in seiner Sitzung Anfang Juni beschlossen; heute steht das Thema inhaltlich und ohne Beschluss-Kompetenz auf der Tagesordnung der Bezirksvertretung 9. Bei seinem Besuch in deren Mai-Sitzung hatte Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) keinen Hehl daraus gemacht, dass er einen geschützten Radweg mitten durch ein Gewerbegebiet für keine gute Lösung hält - weder für Radfahrer noch die Unternehmen. Die bis 2020 bestimmende Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP hatte sich für diese Lösung starkgemacht.

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Weil die Stadt weiß, dass viele Radfahrer den Hafen queren, um Richtung Benrath oder Richtung Uni oder Innenstadt zu fahren, soll eine neue Planung erstellt werden, die die Belange der anliegenden Betriebe sowie sämtlicher Verkehrsteilnehmer berücksichtigt. Die 2021 erhobenen Verkehrszahlen sollen „als belastbare Grundlage für eine zu erfolgende Abwägung mit den widerstreitenden Nutzungsinteressen anderer Verkehrsteilnehmer dienen“, heißt es in der Vorlage.

Einen Zeitplan gibt es nicht, aber die Verwaltung teilte mit, dass die Planung in den kommenden Monaten unter Einbindung der Gewerbebetriebe erarbeitet. Im Anschluss werde das Planungskonzept zur Abstimmung der Kleinen Kommission Radverkehr vorgelegt und dann an die zuständigen politischen Gremien zur Beschlussfassung gegeben.

Doch nun ist mit der Aurelis Real Estate ein weiterer Player im Spiel. Das Immobilienunternehmen hat diese Woche mitgeteilt, dass es inzwischen Eigentümerin von 310.000 Quadratmeter Fläche, verteilt auf drei Grundstücke, im Hafen Reisholz ist. Aurelis sitzt mit einer Dependance in Duisburg und hat wegen der Nähe zu Düsseldorf, wo schon einige Projekte umgesetzt wurden, auch das Thema Radwegführung auf dem Schirm: Im Zuge der Entwicklung werde Aurelis unter anderem die Verkehrssituation vor Ort verbessern und beispielsweise die Anbindung des Standortes an das Radwegenetz prüfen. „Uns ist klar, dass wir uns bei der Weiterentwicklung des Reisholzer Hafens auch mit diesem Thema werden beschäftigen müssen.“ Zum jetzigen Zeitpunkt sei es allerdings noch viel zu früh, um Ideen zu präsentieren, sagte ein Aurelis-Sprecher auf Anfrage: „Unser Ziel ist ein vernünftiger Verkehrsfluss für alle Verkehrsteilnehmer.“ Dafür müsse aber auch das Gespräch mit der Stadt und der Politik gesucht werden. Geplant ist derzeit, im Herbst in Gesprächen mit Politik und Verwaltung der Stadt städtebauliche und umweltrelevante Parameter festzulegen. Zudem, so der Sprecher, wolle man bei dem Entwicklungsprozess auch die Bürger ins Boot holen.

Für Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Graf ist jetzt der Punkt gekommen, an dem er fordert, dass sich alle Beteiligten der geplanten Weiterentwicklung des Reisholzer Hafens an einen Tisch setzen. Der CDU-Politiker nennt das eine Art „Generalstabsplan“. „Es schaut doch derzeit niemand mehr durch, was da wer wie plant.“ Der CDU-Fraktionsvorsitzende in der BV 9, Ulrich Hampe, hat nach wie vor den Wunsch, dass der Radweg ab Campingplatz am Rhein entlang geführt werden kann. „Vielleicht lässt sich das mit Aurelis im Boot jetzt umsetzen.“

Eines scheint mit dem Einstieg von Aurelis klar: Es wird Tempo in die Planung kommen. Ab kommende Woche sollen auf den Grundstücken mit Sicherungsmaßnahmen begonnen werden: Das umfasst den Rückbau von zehn baufälligen Gebäuden.