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Düsseldorf-Medienhafen: Nach Corona-Party - Meerbar vorerst geschlossen

Düsseldorf kämpft gegen illegales Feiern : Meerbar im Medienhafen nach Corona-Kontrolle vorübergehend geschlossen

Die Stadt Düsseldorf greift nach der Party mit 400 Gästen am Samstag in der Meerbar durch. Am Dienstagnachmittag fand mit dem Gastro-Verband ein Krisentreffen bei Oberbürgermeister Geisel statt. Trotz der Krise werden auch Zukunftspläne geschmiedet.

Die Stadt greift bei Verstößen der Gastro- und Clubszene gegen die Corona-Schutzverordnung jetzt hart durch: Die Meerbar im Medienhafen wurde nach einer Wochenend-Kontrolle am Montagabend geschlossen und danach versiegelt. Der Betreiber zog Anwälte zurate und wollte bereits am Dienstag wieder öffnen. In der Branche wird das Verhalten kritisch gesehen, denn andere Geschäftsführer streben mit neuen Konzepten eine baldige Wiedereröffnung an. Die Fakten:

Die Fälle Der Ordnungs- und Servicedienst (OSD) der Stadt hat in den letzten Wochen mehrfach Betriebe geschlossen, die in massiver Weise gegen Auflagen verstoßen hatten. Es handelte sich zunächst um Shisha-Bars, deren Betrieb ohnehin untersagt ist, oder Restaurants, die sich im Laufe des Tages oder Abends durch die Herausgabe von Wasserpfeifen an ihre Gäste in Shisha-Bars verwandelt hatten.

Jetzt sind die Clubs oder Restaurants, die sich in Clubs oder Diskos verwandeln, in den Fokus geraten. So fiel OSDlern Ende Mai auf der Königsallee ein Club auf, in dem 40 Gäste weder die Abstandsregeln einhielten noch einen Mund-Nase-Schutz trugen. Der Inhaber des Clubs zeigte sich uneinsichtig und behauptete, dass in seiner Diskothek eine private Party steige, bei der ein Werbefilm gedreht werden sollte. Nach Informationen des OSD wurde in dem Betrieb – es handelt sich um das ehemalige Sam’s – jeden Mittwoch eine Afterwork-Party veranstaltet.

Partys oder fragwürdige fröhliche Zusammenkünfte in der Grauzone finden offenbar in einigen großen Gastro-Betrieben statt. „Die Meerbar ist nur einer davon“, sagt ein Kenner der Szene.

Der OSD staunte jedenfalls nicht schlecht, als er am Samstagabend zum Restaurant in den Gehry-Bauten kam. Rund 400 Personen seien zu sehen gewesen. Sie hätten meist eng beieinander gesessen und Cocktails getrunken. Es sei getanzt worden, ein DJ soll aufgelegt und auf dem Tresen ein Saxophonspieler der Menge eingeheizt haben.

Niemand habe  Mund-Nase-Schutz getragen, Desinfektionsmittel seien nicht genutzt und die Kontaktdaten der Gäste  nicht erfasst worden. Der Betriebsleiter habe sich gegenüber dem OSD zunächst einsichtig gezeigt, habe dann aber den Anordnungen der Streife nicht folgen wollen.

Die Reaktionen Gegen die Gastronomen wird in aller Regel ein Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen Verstößen gegen die Corona-Schutzverordnung eingeleitet. Auch Verfahren nach dem Gaststättengesetz finden statt. In der Prüfung sind nun befristete Schließungen, vor allem bei schweren Fällen oder Wiederholungstätern.

Sollte die Gewerbeaufsicht zum Urteil kommen, einem Betreiber fehle die Zuverlässigkeit, kann auch die Konzession entzogen werden. Im Rathaus fand wegen der Häufung der Verstöße am Dienstagnachmittag ein Krisengespräch statt, Oberbürgermeister Thomas Geisel hatte unter anderem Vertreter des Hotel- und Gaststättenverbandes geladen.

Die Meerbar gehört zur Brenngold-Gruppe. Meerbar-Geschäftsführer Dennis Thalau weist die Vorwürfe der Stadt weitgehend zurück. Es habe Restaurantbetrieb stattgefunden, gegen laute Musik sei nichts einzuwenden. Die Meerbar sei lediglich versiegelt worden, weil die Betreiberfrage unklar gewesen sei. Diese sei nun geklärt, man werde wieder öffnen. Dennoch muss er mit einem Bußgeld in vierstelliger Höhe rechnen.

Die Perspektiven Laut OSD hat in der Meerbar illegaler Diskobetrieb stattgefunden.  „Gutheißen kann ich das aus Sicht der Branche nicht“, sagt Marcel Oelbracht, seit zehn Jahren Chef der Nachtresidenz. 

Nach den Öffnungen in Einzelhandel und Gastronomie arbeitet Oelbracht an einem Konzept für die Nachtresidenz. Dies wurde der Stadt bereits einmal vorgestellt, jetzt hat er nachgebessert, ein Termin bei OB Geisel steht in zwei Wochen an. Grundidee: Wo sonst 2000 Menschen feiern, sollen demnächst nur noch Gäste an Tischen sitzen. Der Abstand soll eingehalten werden, Ein- und Ausgang werden getrennt.

Ob es Erfolg bringt, weiß Oelbracht nicht. „Das Ausgehverhalten hat sich verändert, das sieht man Kostenpflichtiger Inhalt in der Gastronomie. Wir sind dabei auszusterben.“

Wer sich nicht an die Corona-Schutzmaßnahmen hält, handelt rücksichtslos, findet Redakteurin Petra Schiffer. Lesen Sie Kostenpflichtiger Inhalt hier ihren Kommentar.