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Analyse: Düsseldorf-Marketing braucht neue Ideen

Analyse : Düsseldorf-Marketing braucht neue Ideen

Die Düsseldorf Marketing und Tourismus GmbH (DMT) soll das Profil der Stadt schärfen und sie gut verkaufen. Die Erfolge sind ausbaufähig, finden mittlerweile nahezu alle Gesellschafter und Politiker. Jetzt soll eine Neuausrichtung her.

Für was steht Düsseldorf in der Welt, wie bekannt ist die Stadt wirklich, wie gut ist städtischerseits die internationale Vermarktung mit Blick auf Zielgruppen, brauchen wir neue Events oder Veranstaltungen, beispielsweise im Sport? Die Liste der Fragen ist lang, die sich Politiker und Experten mit Blick auf das Erscheinungsbild und das Marketing der Landeshauptstadt stellen.

Das nicht erst seit gestern. Der Druck von allen Seiten steigt jedoch, immer öfter wurde in den vergangenen Monaten Kritik ans Rathaus herangetragen, wenn es um das Wirken der Düsseldorf Marketing & Tourismus GmbH (DMT) ging. Neben der Stadt, die 75 Prozent an der Gesellschaft hälft, sitzen mit kleinen Anteilen unter anderem die IHK, der Einzelhandelsverband, die Messe und die Destination Düsseldorf mit im Boot. Und nun will man offenbar handeln: In der heutigen Sitzung des Aufsichtsrates soll eine externe Untersuchung beschlossen werden, die am Ende zu einer Neuausrichtung der städtischen Tochtergesellschaft führen soll.

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In den vergangenen Wochen wurde zwischen den Politikern bereits darüber diskutiert, heute zu beschließen, die hauptamtliche Geschäftsführerin der Tochterfirma abzulösen. Maria Illigen-Günther ist eine Finanzexpertin, sie war Vize-Chefin Kämmerei und Leiterin des städtischen Beteiligungsmanagements. An der Seite des Kreativen Alexander Leibkind hatte sie ab 2003 lediglich "nebenbei" die Finanzen der DMT verwaltet. Nach Leibkinds Tod 2006 wechselte sie hauptamtlich zur DMT und übernahm dort das Kommando.

Zur Ablösung wird es heute nun wohl nicht kommen. Illigen-Günther hat die DMT kaufmännisch in Ordnung gebracht, da liegt in erster Linie ihre Kompetenz, das Kreative jedoch ist nicht ihr Metier. Wenn sie mit bemühtem Schwung einmal vor die Presse tritt, dann meist, um den Weihnachtsmarkt zu präsentieren. Aber auch der war und ist für die Beamtin kein Selbstläufer. Politiker kritisieren hier wie auf anderen Gebieten "Vielfalt ja, Beliebigkeit bitte nein". Höhepunkt war der Fehlstart des "Schwabenmarkts" im vorigen Jahr, ein Schlag ins Kontor.

Im Rathaus kann man sich gut vorstellen, Illigen-Günther zurück in die Kämmerei zu holen oder ihr einen vergleichbaren Posten anzubieten. Dass es angesichts dieser Entwicklung mit dem Hauptgesellschafter Stadt etwas knirscht, überrascht nicht. Die Stadtspitze hat die Vorgabe gemacht, dass für 2015 zunächst nur einen Wirtschaftsplan für das erste Halbjahr beschlossen wird. Darauf wurde in die Belegschaft die Information getragen, die DMT solle "abgewickelt" werden, was für Unruhe sorgt - jedoch definitiv nicht der Fall sein soll, wie es aus dem Machtzentrum im Rathaus mit Nachdruck heißt. Klar ist: Wenn morgen die Beauftragung einer Unternehmensberatung beschlossen wird, dürfte nicht der Name einer Firma auf dem Zettel stehen, welche die DMT vorgeschlagen hat.

Die Unabhängigkeit der Betrachtung ist den Entscheidern besonders wichtig. Immerhin hat die Marketingtochter einen Etat von fast 5,5 Millionen Euro, und man möchte angesichts der Finanzlage wissen, ob das Geld richtig platziert ist. Die DMT ist nicht nur für Marketing und Tourismus zuständig, sie vermittelt auch Zimmer und verkauft Tickets - muss sie das alles tun, fragen sich die Experten jetzt. Antworten auf diese Fragen sollen spätestens im zweiten Quartal des kommenden Jahres vorliegen, dann soll entschieden werden, wie es mit der Stadttochter weitergeht.

Oberbürgermeister Thomas Geisel, der dem DMT-Aufsichtsrat vorsitzt, hat zudem einige Wünsche: Er möchte mehr Wochenend-Reisende nach Düsseldorf holen, indem der Fokus nicht mehr nur aufs Shopping gelegt wird. Die "Best-Ager" gehören in seinen Augen intensiver angesprochen, und er will auch die Kreativen in der Stadt intensiver beteiligen, wenn es um das Stadtmarketing geht. Offensichtlich sieht er viel Steuerungsbedarf.

(RP)