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Düsseldorf: Marion Warden, Stefan Engstfeld gehen, Marco Schmitz, Rainer Matheisen kommen

Düsseldorfer Abgeordnete : Rein in den Landtag, raus aus dem Landtag

Kisten packen im Landtag: Marion Warden (SPD) und Stefan Engstfeld (Grüne) räumen ihre Büros, Marco Schmitz (CDU) und Rainer Matheisen (FDP) ziehen ein. Was bringt das neue Leben mit oder ohne Landtag?

Nein, einen Plan B hat Stefan Engstfeld nicht. Hätten die Grünen nur etwa einen Prozentpunkt mehr als die mageren 6,4 Prozent erreicht, bräuchte er einen solchen Plan auch nicht. Doch so zieht die Liste nur bis Platz 14. Und Engstfeld, der Sozialwissenschaften studierte, steht auf Nummer 16. Dass es für ihn nicht reichen wird, war erst am frühen Montagmorgen klar. "Politische Ämter sind keine Ewigkeitsveranstaltung, Wähler erteilen ein Mandat auf Zeit", sagt der 47-Jährige nach einer nervenzehrenden Nacht.

Der geschrumpften Fraktion wird Engstfeld fehlen, schließlich war er deren Vizechef. Was er in ein paar Monaten beruflich macht, vermag der Abgeordnete auf Abruf nicht zu sagen. "Es ist absolut offen, ich habe weder telefoniert noch sonst wie irgendwo ,vorgefühlt', sondern bis zuletzt mit 100 Prozent Einsatz um das Mandat gekämpft", sagt er und ist sicher, nicht nur beim Thema Lärmschutz an der Fleher Brücke einen grünen Fußabdruck in und für Düsseldorf hinterlassen zu haben.

Hat noch keinen beruflichen "Plan B": Stefan Engstfeld (Grüne, 47) begann gestern in seinem Büro mit den Auszugsvorbereitungen. Foto: Bretz Andreas

Politische Spuren in den Bereichen Bildung, Infrastruktur und innere Sicherheit zu hinterlassen, hat sich der Christdemokrat Marco Schmitz vorgenommen. Am Dienstag trifft der Gerresheimer, der in seinem Wahlkreis Martin Volkenrath schlug, erstmals auf seine künftigen Kollegen. Was der neue Job für die Familie bedeutet, darüber hat der 38-jährige Politikwissenschaftler mit seiner Frau Andrea gesprochen. "Ohne Rückendeckung von der Familie kann man kein Mandat übernehmen", sagt Schmitz.

Noch arbeitet er als Verwaltungsleiter des Deutschen Städtetags. Seine Schreibtische in Köln und Berlin wird er in Kürze räumen. Und das dürfte neben seinen Wählern und den politischen Weggefährten vor allem einen freuen: den 16 Monate alten Sohn Julius. "In Zukunft werde ich es sein, der ihn morgens in die Kita bringt", sagt der Politiker. Bislang ging das meist nicht. "Um zu einer vertretbaren Zeit in meinem Kölner Büro anzukommen, bin ich um 6.30 Uhr losgefahren."

Bitter: Marion Warden (SPD, 58) verlässt den Landtag. In Kürze kehrt sie als Kommunalbeamtin ins Monheimer Rathaus zurück. Foto: Bretz Andreas

Anders arbeiten wird künftig auch Marion Warden. Freilich führt ihr Weg hinaus aus dem Parlament, das ihr ans Herz gewachsen ist. Gestern telefonierte die 58-jährige Sozialdemokratin, die ihren Wahlkreis an Angela Erwin verlor, kurz mit Monheims Bürgermeister Daniel Zimmermann. Denn in das Rathaus der Nachbarstadt wird sie zurückkehren.

Als was? "Das ist noch völlig offen", sagt die frühere Fachbereichsleiterin für Ordnung und Soziales, die die krachende Niederlage der SPD ins Mark getroffen hat, nicht zuletzt "wegen meiner Mitarbeiter, die sich nun beim Arbeitsamt melden müssen". 60 bis 80 Stunden pro Woche hat sie gearbeitet, sich in fünf Ausschüssen engagiert, "jedes Fest und jede Sitzung besucht". Und warum muss sie nun Kartons packen? "Die Kampagne der NRW-SPD war zu blass, am Ende fehlten Angriffslust und klare Botschaften."

Hat gut Lachen: Rainer Matheisen (36, FDP) zieht für die Liberalen in den Landtag ein. Gestern kam er mit seinem Motorroller. Foto: Bretz Andreas

Die Früchte einer offenbar wirkmächtigeren Kampagne wird Rainer Matheisen ernten. Sein 19. Platz auf der Landesliste reichte allemal. Sogar der 28. Rang hätte genügt. "Ein Wahnsinnsergebnis", sagt der 36-jährige Liberale, der am Montag mit seinem Motorroller zur ersten Sitzung der FDP-Fraktionsitzung fuhr. Seit Januar hat er sieben Tage die Woche zwischen 14 und 18 Stunden am Tag geackert.

Seinen Elektronikhandel will der selbständige Kaufmann nun aufgeben. "Beides geht nicht, ich will mich 100-prozentig reinhängen", sagt der Kommunalpolitiker, der künftig auch auf Landesebene für den Erhalt der Düsseldorfer Gaslaternen, bessere Bildung und einfachere Tarife im öffentlichen Nahverkehr kämpfen will. Dass ihn schon bald Mitarbeiter des eigenen Büros und der Fraktion entlasten, freut ihn. An mehr Freizeit glaubt er aber trotzdem nicht. "Wer das will, sollte kein Politiker werden", sagt der künftige Parlamentarier.

(RP)