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Düsseldorf: Düsseldorf macht das Licht aus

Düsseldorf : Düsseldorf macht das Licht aus

Anlässlich der weltweiten "Earth Hour" verschwanden am Samstag viele Gebäude am Rhein für eine Stunde im Dunkeln.

Samstagabend, 20.20 Uhr: In der Altstadt herrscht Hochbetrieb. In und vor den Brauhäusern und Kneipen tummeln sich tausende Feierwütige aus der gesamten Region. Ungeachtet der Minustemperaturen drängen sie sich mit Bier in der Hand durch die Gassen.

Ein paar junge Männer, die in Sträflings-Anzügen einen Junggesellen-Abschied feiern, grölen Ballermann-Schlager in die Nacht. Auf dem Burgplatz vor dem Schlossturm, wo es etwas ruhiger ist, ist der Jubel der Feiernden nur noch aus der Ferne zu hören. Lauter ist dort der eiskalte Wind, der über den Platz fegt.

Ein paar Teenager sitzen auf einer Bank, rauchen Zigaretten und übertrumpfen sich gegenseitig beim Trinken irgendeines Fusels. Ein Touristenführer steht mit einer Gruppe vor dem Schlossturm und erzählt eine schaurige Geschichte.

Und dann gehen plötzlich die Lichter aus. Die Scheinwerfer, die normalerweise Düsseldorfs Wahrzeichen anstrahlen, werden abgeschaltet. Tonhalle, Schlossturm und Rathaus verschwinden in der Dunkelheit. Und auch der Rheinturm zeigt nicht mehr wie sonst mit seinen bunten Lämpchen die Uhrzeit an. Nur ein paar rote Lampen funkeln dort noch zur Orientierung für die Flugzeuge. Der Grund für die Aktion: Zum siebten Mal hat der WWF (World Wide Fund For Nature) weltweit zu der so genannten "Earth Hour" für den Klimaschutz aufgerufen. Nicht nur Düsseldorf beteiligte sich: Tausende Städte schalteten zwischen 20.30 und 21.30 Uhr das Licht aus.

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In der Altstadt reagiert keiner. Die Teenager trinken weiter, der Touristenführer und seine Gruppe ziehen ihrer Wege. Niemand ist extra gekommen, um sich das sonderbare Spektakel anzusehen. Offenbar ist die "Earth Hour" nur ein Erlebnis für Eingeweihte. Dabei muss man jenen, die die Veränderung nicht bemerkt haben, jedoch zugutehalten, dass es wirklich schwer ist, einen großen Unterschied zu vorher auszumachen: Schließlich bleiben die Straßenlaternen zur Sicherheit angeschaltet und in den meisten Gebäuden in Düsseldorf brennt weiter das Licht. Die "Earth Hour" ist kein totaler Stromausfall.

Die Stunde des Klimaschutzes vergeht, ohne Beachtung zu finden. Neues Publikum nähert sich dem Rheinufer. Es ist eine Mädchen-Gruppe mit herzförmigen Helium-Luftballons im Gepäck — wieder bloß ein Junggesellinnen-Abschied. Ab und zu spazieren außerdem Pärchen Arm in Arm am Ufer entlang, doch ihr Blick schweift immer nur in die Ferne hin zum Wasser, wo Container-Schiffe friedlich an der Landeshauptstadt vorbeiziehen. Nie wendet jemand den Blick nach hinten, um die dunklen Sehenswürdigkeiten zu betrachten.

Es ist schon fast halb zehn, die Lichter gehen gleich wieder an, als sich auf dem verwaisten Platz doch noch ein Unterstützer der "Earth Hour" einfindet. Christoph Gitsels kommt aus Derendorf und erzählt, dass er zu Hause auch das Licht ausgeschaltet habe. Er sagt, er hoffe, dass Aktionen wie diese das Denken der Menschen verändern. Dennoch hätte er sich mehr Teilnehmer gewünscht. Es ist 21.30 Uhr. Pünktlich geht das Licht wieder an. In der Altstadt geht das Geschäft weiter. Die große Feier kann auch der Klimaschutz nicht unterbrechen.

(lai)