Düsseldorf-Lörick: Ein Pendler zwischen zwei Welten

Menschen aus Düsseldorf : Ein Pendler zwischen zwei Welten

Schmuckdesigner Michael Vogel lebt in Düsseldorf und Ligurien, wo er vor 17 Jahren eine kleine Landhausruine kaufte.

Eigentlich wollte Michael Vogel Grafikdesigner werden, doch ein Praktikum bei einem Goldschmied in der Düsseldorfer Altstadt hatte ihn so begeistert, dass er seinen Berufswunsch änderte. Er machte also zunächst eine Ausbildung zum Goldschmied und absolvierte anschließend noch ein Studium zum Produktdesigner.

Und weil der gebürtige Düsseldorfer – derzeit lebt er in Lörrick – seine Jugend in Mettmann verbracht und dort ebenso wie in seiner Heimatstadt viele Kontakte hatte, eröffnete er vor rund 30 Jahren im Hotel Land Gut Höhne, nahe der Düsseldorfer Stadtgrenze, sein Schmuckatelier.

Seine Inspirationen findet der Künstler oftmals in der Natur, zudem sind große Farbsteine mit Anleihen etwa aus dem Mittelalter, die er zeitgenössisch interpretiert, eine seiner Spezialitäten. Überhaupt ist ihm die Beschäftigung mit zeitgenössischem Schmuckdesign wichtig. So ist er einer von vier Gründern von „düsselGOLD“, einer Vereinigung von Düsseldorfer Schmuckdesignern. „Wir haben rund 30 Mitglieder und unser Hauptziel ist es, eben dieses Schmuckdesign einer breiten Öffentlichkeit näherzubringen“, erläutert der 61-Jährige. Zudem profitieren alle Künstler von den regelmäßig stattfindenden gemeinsamen Ausstellungen. Unter anderem zeigt die Gruppe einmal im Jahr – kürzlich bereits zum neunten Mal – im Goethe-Museum ihre Schmuckstücke.

Neben dem Schmuckdesign hat der Künstler gemeinsam mit seiner Frau, der Malerin Malgorzata Klaus, eine zweite Leidenschaft für sich entdeckt, nämlich die italienische Küstenregion Ligurien. „Wir haben uns während eines Urlaubs in das Land und seine Bewohner verliebt und deshalb im Jahr 2002 in einem Dörfchen nahe der Hafenstadt Imperia ein kleines verfallenes Landhaus gekauft und komplett renoviert“, erinnert sich Vogel. Das Ehepaar lernte Italienisch, verbrachte immer mehr Zeit in Ligurien und wurde nach und nach von der Dorfgemeinschaft herzlich aufgenommen. Die Ligurer seien eher verhalten, nicht so spontan wie die Süditaliener, so Vogel. Deshalb habe die Annäherung eine Weile gedauert, aber inzwischen seien die Dorfbewohner längst zu Freunden geworden.

Michael Vogel kaufte im Laufe der Jahre immer mehr Land in seiner zweiten Heimat, baut dort Obst und Gemüse an, hat eigene Olivenbäume und ist seit 2016 offiziell als Bauer in Italien registriert. Auch zwei weitere Häuser sind inzwischen dazugekommen, sodass er gemeinsam mit seiner Frau zehn Schlafplätze an Touristen vermieten kann. „Seit rund zwei Jahren gehören wir offiziell zu den italienischen Agriturismos, das heißt, wir bieten den Touristen – die meisten kommen aus Deutschland und Polen – Urlaub bei uns auf dem Land an“, erklärt Vogel.

Seine Frau lebt übrigens bereits seit 2016 fest in Ligurien, bewirtschaftet das Land, kümmert sich um die Gäste und vermietet Ferienwohnungen und -häuser. Er selbst pendelt und verbringt – jeweils in Etappen von einigen Wochen – rund vier Monate im Jahr dort. Seit einiger Zeit gehören auch vier Esel zum bäuerlichen Betrieb, die er vor dem Schlachthof gerettet hat und nun dressiert, um ab der kommenden Sommersaison Eseltrekkingtouren anbieten zu können. „Wir denken an ganz- oder halbtägige Touren mit Picknick, bei denen unsere Gäste ganz nebenbei die Möglichkeit bekommen, eine Beziehung zu den Tieren aufzubauen“, erklärt Vogel. Freunde und Bekannte, mit denen er solche Touren schon unternommen hat, sind ganz begeistert. Und wenn die Touristen die Angebote weiterhin so gut annehmen, wird Michael Vogel sich eines Tages seinen Lebenstraum erfüllen und ganz nach Ligurien zu seiner Frau ziehen.