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Düsseldorf: Kunsthandlung Heidkamp schließt nach 135 Jahren

Abschied an der Düsseldorfer Nordstraße : Kunsthandlung schließt nach 135 Jahren

Vergolder Ludwig Heidkamp führt das Geschäft und die Werkstatt an der Nordstraße schon in vierter Generation. Am Samstag ist letzter Öffnungstag. Ein Nachfolger wurde nicht gefunden.

Die Kunsthandlung Ludwig Heidkamp gehört zu den traditionsreichen Geschäften an der Nordstraße. Seit 1887 arbeitet die Vergolder-Familie vor Ort. In einer Werkstatt im Hinterhof bereitet Heidkamp historische Gemälde und Skulpturen auf, veredelt Bilderrahmen und hat dort beispielsweise den Wetterhahn einer Kirche in Flehe mit Gold überzogen. Im Ladenlokal zur Straße hin sind viele Kunstwerke erhältlich. Allerdings nur noch am heutigen Samstag von 12 bis 18 Uhr. Der Düsseldorfer geht in den Ruhestand und weil es keinen Nachfolger gibt, wird das Geschäft für immer schließen.

In vierter Generation leitet Heidkamp – der genau wie sein Urgroßvater, Großvater und Vater den Vornamen Ludwig trägt – die Kunsthandlung. Dass er den Familienbetrieb fortführen wird, stand für den heute 66-Jährigen nicht sofort fest. „Ich habe mit 17 Jahren erst eine Ausbildung zum Kaufmann gemacht“, sagt er. Sein Interesse habe in jungen Jahren außerdem eher der Archäologie und der Biologie gegolten. Mit Anfang 20 folgte dann aber doch eine Ausbildung zum Vergolder – eine solche hatten auch seine Vorfahren absolviert. 1983 stieg er ins väterliche Geschäft ein, machte später den Meister in seinem Beruf.

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Die Kunsthandlung Ludwig Heidkamp eröffnete vor 135 Jahren an dem Ort, an dem sie noch heute zu finden ist. „Die Gegend war damals ein aufstrebendes Viertel und ein Treffpunkt für Künstler“, so Heidkamp. Sein Urgroßvater habe vor allem für das „gute Bürgertum“ gearbeitet. Zerstört wurde das Geschäftshaus im Zweiten Weltkrieg. Nachdem das Gebäude mühsam wieder aufgebaut worden war, brachte ein Orkan 1949 den Bau erneut zum Einsturz. „Zwischendurch zog unser Betrieb deshalb mal an die Kaiserstraße und an die Flughafenstraße“, sagt Heidkamp.

An seinem Beruf gefalle ihm vor allem die Vielseitigkeit. „Ich habe mit sehr vielen Materialien, zum Beispiel Holz, Papier, Glas und Metall, gearbeitet“, erklärt der Düsseldorfer. Vergoldet habe er unter anderem das Drei-Kaiser-Denkmal in Wuppertal und einmal im Auftrag einer Kunstgalerie Badeanzüge für Plastiken der Schwimmerin Franziska van Almsick. Besonders kniffelig sei ein Auftrag gewesen, bei dem er Bilderrahmen für ein Treppenhaus mit runden Wänden herstellte. 15 bis 30 Aufträge pro Woche habe er zuletzt noch entgegengenommen. „Einige davon waren in wenigen Stunden erledigt, für einige brauchte ich mehrere Wochen.“

Nach den vielen Jahren der Selbstständigkeit möchte er nun den Ruhestand genießen. Zwar habe er in seinem Betrieb immer mal wieder Auszubildende gehabt. „Viele arbeiten aber heute in einem anderen Bereich“, weiß der Vergolder-Meister. Ein Nachfolger ließ sich auch in der eigenen Familie nicht finden: Heidkamps Sohn ist Steuerberater geworen, seine Tochter ist nach Schweden ausgewandert und arbeitet als Krankenpflegerin.

Im Ruhestand möchte Heidkamp mit seiner Frau reisen und viel Zeit mit seinen fünf Enkelkindern verbringen. Und auch der Kunst wird er sich weiter widmen: „Ich habe früher viel gemalt und das in letzter Zeit nicht mehr geschafft. Damit möchte ich wieder anfangen“, sagt er. Im Ladenlokal und in der Werkstatt an der Nordstraße ist er nur noch Mieter. Was in Zukunft mit den Räumen passiert, stehe nach seinen Informationen bisher nicht fest.