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Düsseldorf: Kirchen fordern beim Impfen Solidarität mit Senioren

Corona in Düsseldorf : Kirchen fordern beim Impfen Solidarität mit Senioren

Nachbarn und Zentren plus sollen den Senioren in Düsseldorf helfen, fordern Kirchenvertreter. Sonst blieben am Ende zu viele ohne Schutz. Ab Montag können Senioren, die 80 Jahre und älter sind, sich einen Impftermin besorgen.

Die Kirchen und ihre Sozialverbände fordern eine solidarische Kraftanstrengung der gesamten Stadtgesellschaft, damit die Corona-Impfaktion für die Düsseldorfer ab 80 Jahren ein Erfolg wird. „Alleinstehende ohne Verwandte, Kranke, Demente und nicht zuletzt Menschen mit Migrationshintergrund werden sich ohne eine aktive Ansprache und Unterstützung häufig nicht impfen lassen, weil sie sich hilflos und überfordert fühlen. Genau das dürfen wir nicht riskieren“, sagt Stadtdechant Frank Heidkamp. Von heute an können Bürger ab 80 Jahren per Telefon oder über das Internet Termine für die Zeit ab dem 8. Februar vereinbaren.

Das Risiko, dass Menschen sterben, die eigentlich geschützt sein könnten, umtreibt auch Heinrich Fucks, Superintendent der evangelischen Kirche. Studien zeigten, dass in deutschen Großstädten bis zu 30 Prozent der Senioren keine Partner, Kinder, Geschwister oder andere Verwandte mehr hätten. Und auch manche Nachbarschaft sei heute anonymer als noch in den 1980er Jahren. „Wir sollten einfach bei Nachbarn klingeln, ihnen Hilfe beim Lesen der Anschreiben, bei der Terminvereinbarung und bei der Fahrt zum Impfzentrum anbieten“, sagt der Pfarrer.

Heidkamp erinnert an die Tradition der Wohnviertel-Apostolate. „Bei diesem Konzept fühlte sich ein Bürger für ein oder mehrere Häuser im Viertel zuständig, wenn es darum ging, Unterstützung zu organisieren. Es wäre jetzt eine gute Gelegenheit, das wiederzubeleben.“ Wie groß der Unterstützungsbedarf ist, weiß Kirsten Hols. „Die Anfragen zur Impfaktion häufen sich“, sagt das Vorstandsmitglied der Diakonie.

Und Caritas-Direktor Henric Peeters warnt davor, nur an die fitten Alten, die mit 80 oder 82 oft noch mitten im Leben stünden, zu denken. Viele, die jetzt angeschrieben würden, hätten noch nie ein Smartphone oder einen Computer bedient. „Ich appelliere an alle Nachbarn, Vereinsfreunde und ehemaligen Arbeitskollegen zum Hörer zu greifen oder einfach an der Tür zu klingeln, auch wenn der letzte Kontakt schon einige Zeit zurückliegt.“ Die Gefahr, dass zu viele Düsseldorfer ohne Schutz bleiben, sei groß. „Und an bundesweit 1000 Tote pro Tag will ich mich einfach nicht gewöhnen“, sagt Peeters.

 Frank Heidkamp (l.) und Heinrich Fucks setzen auf Solidarität.
Frank Heidkamp (l.) und Heinrich Fucks setzen auf Solidarität. Foto: Anne Orthen (orth)/Anne Orthen (ort)

Eingebunden in die Aktion sind neben den Pfarrgemeinden auch die Zentren plus. Diakonie und Caritas betreiben einen Groß-Teil der Einrichtungen. Die sind zwar im Moment geschlossen, dennoch sind Mitarbeiter vor Ort. „Die Zentren der Caritas und der Diakonie sind täglich telefonisch von 10 bis 14 Uhr erreichbar und stehen mit Rat und Tat von der Terminkoordination bis zur Impfung zur Seite“, betont Hols.

Ulrike Schneider, Vorsitzende des Seniorenrats, unterstützt die Solidaritätsaktion der Kirchen und ihrer Verbände. Angesichts der erweiterten Maskenpflicht, die ab Montag in Nordrhein-Westfalen gilt, fordert sie auch jenseits der Impfaktion eine erweiterte Solidarität. „Senioren, die Grundsicherung beziehen, oder deren Einkünfte nur knapp darüber liegen, sollten für OP- und FFP2-Masken nichts bezahlen“, sagt die 72-Jährige.