St. Apollinaris in Oberbilk Düsseldorfer Kirche sperrt Eingang gegen Obdachlose ab

Düsseldorf · Ein Gitter versperrt neuerdings den Eingang der Kirche St. Apollinaris in Düsseldorf-Oberbilk. Auf Nachfrage von Anwohnern antwortet die Gemeinde: Es soll die Treppe vor Obdachlosen schützen.

Der Eingang der Kirche St. Apollinaris ist durch ein Gitter versperrt.

Der Eingang der Kirche St. Apollinaris ist durch ein Gitter versperrt.

Foto: Helene Pawlitzki

Die Treppe der katholischen St. Apollinaris-Kirche in Oberbilk war lange der angestammte Schlafplatz eines obdachlosen Mannes. Doch der Eingang ist nun nachts durch ein Gitter versperrt. Nachbarn haben den Zaun zunächst mit Verwunderung wahrgenommen – und sich schließlich an die Gemeinde gewandt.

„Wir konnten uns kaum vorstellen, dass das Gitter dazu da ist, um Obdachlose abzuhalten“, sagt ein Anwohner, der anonym bleiben möchte. „Aber die Antwort der Gemeinde zeigte: Genau darum geht es.“

In dem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, heißt es: Der Kirchenvorstand habe die Installation des Gitters im Zuge der Kirchenrenovierung beantragt. Tatsächlich mit dem Gedanken, die Treppe und den Zugang vor Obdachlosen zu schützen. Diese seien immer wieder als Aufenthaltsort und Schlafplatz genutzt worden.

„Die Duldung dieser Nutzung ist keine Hilfe für die Betroffenen, mögen sie es für sich persönlich auch noch so sehr bejahen“, heißt es darin. Der Kirchenvorstand könne das nicht verantworten, zumal in Oberbilk vor wenigen Jahren ein junger Obdachloser tot an einer Kirchentreppe gefunden worden sei. „Das ist uns eine Mahnung.“

In der Nachbarschaft habe diese Antwort Ratlosigkeit ausgelöst, sagt der Anwohner. „Die Kirche soll doch ein Ort der Begegnung sein“, sagt er. „Selbst Geschäfte an der Kö finden Arrangements mit den Obdachlosen.“ Zudem sei es lediglich ein Mann, der an der Kirche regelmäßig sein Lager aufgeschlagen hatte und er sei am Lessingplatz bereits bekannt. Nachbarn hätten ihm häufig Essen und Getränke gebracht, es gebe eine „friedliche Koexistenz“.

Auch die Wohnungslosenhilfe Fiftyfifty äußert Kritik an dieser Entscheidung. In Düsseldorf fielen ohnehin schon viele Aufenthaltsmöglichkeiten für obdachlose Menschen weg, sagt Streetworker Oliver Ongaro. Aus seiner Sicht wäre es besser gewesen, wenn sich die Kirche bei der Hilfsorganisation gemeldet und um Rat gebeten hätte.

Die Kirchengemeinde verweist darauf, dass der zuständige Pfarrer gerade im Urlaub sei. Ein Gespräch mit ihm zu den Vorwürfen war bisher nicht möglich. Schriftlich teilt der Kirchenvorstand mit, dass es häufiger zu Vandalismus und Verschmutzungen, auch durch Fäkalien, gekommen sei. Das Pastoralteam habe Kontakt zu einem Streetworker der Caritas aufgenommen und ihn um Rat gebeten.

Der Sozialarbeiter habe den Obdachlosen betreut und mit ihm zusammen andere mögliche Schlafplätze besichtigt. Kurz vor Baubeginn sei über die Stadt Düsseldorf eine weitere mögliche Unterkunft für den Betroffenen organisiert worden. Weil es aber auch unabhängig von dieser Situation zu Vandalismus gekommen sei, habe man sich schließlich für das Gitter entschieden, heißt es von der Gemeinde.

Der Nachbarschaft zufolge hält sich der obdachlose Mann immer noch regelmäßig am Lessingplatz auf. Der Obdachlose war für ein Gespräch mit unserer Redaktion nicht vor Ort.

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