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Interview zum Frankreichfest: "Düsseldorf ist näher an Paris als Berlin"

Interview zum Frankreichfest : "Düsseldorf ist näher an Paris als Berlin"

Die Präsidentin des französischen Wirtschaftsvereins Club des Affaires und die Chefin der Wirtschaftsförderung NRW.Invest, Renée Gualano und Petra Wassner, sprechen über das Frankreichfest am Wochenende, die Bedeutung Düsseldorfs und darüber, wie anders französische Manager sind.

Frau Gualano, wofür ist Düsseldorf in Frankreich bekannt?

Gualano Düsseldorf hat sich mittlerweile in Frankreich einen Namen gemacht. Vor allem für Mode ist die Stadt in meiner Heimat berühmt, daran hat sich nichts geändert. Düsseldorf ist ein Standort, an dem man als Modefirma sein muss. Vergessen Sie nicht die Bedeutung der Königsallee. Es gibt kaum eine französische Modemarke, die dort nicht einen Flagship-Store unterhält. Das zweite Argument, dass in Frankreich für Düsseldorfs Wirtschaftskraft, spricht, ist die Messe. Die Unternehmen der jeweiligen Branchen müssen auf der Druckmesse Drupa und auf der Medica vertreten sein. Das sind Welt-Leitmessen. Eine ähnliche Rolle spielt in Frankreich die Messe Boot, auch wenn sie eine Konsumentenmesse ist.

Das ist die wirtschaftliche Sicht, aber kennen die "normalen" Franzosen wirklich den Namen Düsseldorf?

Gualano Ganz klar: Düsseldorf hat im Jahr 2011 mit der Austragung des Eurovision Song Contest aufgetrumpft. Das war ein Volltreffer. Seitdem kennt auch jeder "Otto-Normal-Franzose" die rheinische Metropole. Vorher hat sicherlich nicht jeder Franzose gewusst, wo Düsseldorf liegt.

Und umgekehrt, Frau Wassner. Wie bedeutend ist Frankreich für die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt?

Wassner Frankreich ist der zweitwichtigste Handelspartner für Nordrhein-Westfalen und Düsseldorf, gefolgt von China, das immer wichtiger wird. Auf Platz eins liegen übrigens unsere Nachbarn, die Niederländer. In Düsseldorf sind mehr als 160 französische Unternehmen ansässig, die inzwischen mehr als 11 000 Mitarbeiter beschäftigen. Viele französische Unternehmen haben Düsseldorf zu ihrer Deutschlandzentrale erhoben, denken Sie etwa an den Industriegase-Hersteller Air Liquide, den Röhrenkonzern Vallourec & Mannesmann. Auch der Mineralölkonzern Total oder der Kosmetikspezialist L'Oréal haben ihren Sitz hier am Rhein.

Warum ist gerade Düsseldorf so französisch geprägt, wo es doch viel größere Städte gibt?

Gualano Ganz einfach, Düsseldorf ist schlicht näher dran an Frankreich als Berlin oder Hannover. Die Wiege der französischen Wirtschaft am Rhein waren die französischen Großbanken, die früher beinahe alle einen Sitz hier in der NRW-Landeshauptstadt hatten. Deren Manager waren es auch, die vor mehr als 40 Jahren in Düsseldorf den Club des Affaires, den französischen Wirtschaftsclub, gegründet haben. Das war eine Keimzelle des französischen Lebens in der Stadt.

Was lieben die Franzosen an Düsseldorf?

Gualano Düsseldorf ist eine freundliche Stadt, und das lieben wir Franzosen. Und auch wenn die Düsseldorfer das vielleicht nicht so gerne hören: Düsseldorf ist eine sehr übersichtliche Stadt, zumindest verglichen mit Paris. Und das lieben die Franzosen genauso. Düsseldorf macht Spaß. Und dabei ist die Stadt auch noch sehr gut organisiert.

Sind die Rheinländer französischer als die Deutschen aus anderen Regionen?

Wassner Das hören wir immer wieder. Die Rheinländer sind halt weltoffen. Die Region um Düsseldorf hat ein internationales Flair, keine Frage.

Gualano Ich mag die Rheinländer wirklich, aber wie die Franzosen sind sie eigentlich nicht, diese Einschätzung konnte ich noch nie nachvollziehen. Ich weiß aber, dass viele Rheinländer so denken. Was sie meinen, ist der rheinische Frohsinn. Das gibt den Rheinländern einen lockeren, sehr angenehmen Touch. Und der unterscheidet sie wirklich von den anderen Deutschen.

Kommt man mit Französisch durch Düsseldorf?

gualano Aber ja, mit Händen und Füßen zwar, aber das ist gar kein Problem. Ein bisschen Französisch sprechen dann recht viele, und da sie freundlich und hilfsbereit sind, gibt's kein Problem, das weiß ich, weder beim Bahnfahren noch beim Einkaufen.

Was sind die Unterschiede im Geschäftsleben zwischen Deutschland und Frankreich?

Wassner Nach unseren Erfahrungen ist bei den französischen Geschäftsleuten der persönliche Kontakt wichtiger als bei den deutschen. Es wird auch bei geschäftlichen Themen viel mehr Wert auf eine gute, fast schon private Atmosphäre gelegt. Essen und Trinken gehören halt dazu.

Gualano Da stimme ich Frau Wassner vollkommen zu. Geschäftliches und Privates werden weniger stark getrennt. Wenn der Franzose das geschäftliche Gespräch damit anfängt, ob der letzte Urlaub auf den Balearen oder in Florida schön war, dann will er eine ehrliche Antwort. Der deutsche Geschäftsmann ist es aber gewohnt, sofort über Lieferzeiten und Produktmengen zu sprechen. Das ist oft ein riesiges Problem, vor allem am Anfang der Geschäftsbeziehung. Der Deutsche hat eine Agenda, der Franzose geht oft schlechter vorbereitet in ein solches Gespräch. Das führt manchmal zu Missverständnissen.

Sind deutsche und französische Firmen anders organisiert?

Gualano Ja, ganz klar. Französische Firmen sind viel hierarchischer organisiert. Da werden Kleinigkeiten vom obersten Chef entschieden. In deutschen Unternehmen gibt es dagegen Regeln und Kompetenzen, so dass auch untere Managementstufen im Rahmen ihrer Möglichkeiten entscheiden können. Bei uns entscheidet letztendlich auch der Präsident. Das ist in Firmen nicht viel anders.

Geht Ihnen das deutsche Wesen manchmal auf den Geist?

Gualano Ja (lacht), und zwar dann, wenn die Deutschen ihr Privatleben genauso akkurat und effizient organisieren wie ihren Beruf. Ich muss am Samstag nicht um 9 Uhr morgens aufstehen, um dann um 9.30 Uhr pünktlich in der Supermarktschlange und um 10 Uhr im Baumarkt zu stehen. Ich bin froh, dass Samstag ist und ich mal nicht arbeiten muss.

Frau Gualano, wie beteiligt sich Ihr Club des Affaires am Frankreichfest, das am nächsten Wochenende stattfindet.

Gualano Das ist ja ein besonderer Frankreichtag. 50 Jahre Elysee-Vertrag. Ministerpräsidentin Kraft kommt und auch der französische Botschafter. Wir sind natürlich mit einem Stand vertreten.

THORSTEN BREITKOPF FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)