Aktuelle Studie: Düsseldorf ist Hauptstadt des Kunsthandels

Aktuelle Studie: Düsseldorf ist Hauptstadt des Kunsthandels

In keiner anderen deutschen Stadt gibt es einer aktuellen Studie zufolge eine solche Dichte an Kunsthändlern, Galerien und Auktionshäusern. Das liegt an den vielen Künstlern in der Stadt - aber vor allem an vielen zahlungskräftigen Kunden.

Düsseldorf ist das deutsche Zentrum für den Kunsthandel - zumindest im Verhältnis zur Einwohnerzahl. Einer aktuellen Studie zufolge gibt es rund zehn Auktionshäuser, Galerien oder Kunsthändler pro 100.000 Einwohner, also insgesamt mehr als 60 Betriebe in der Stadt. Mit dieser Dichte liegt Düsseldorf vor München, Köln und Frankfurt am Main auf Platz eins in einem Vergleich im Rahmen des Berenberg Kultur-Städterankings. Auch in der Künstlerdichte hat die Stadt in dieser Sparte einen Spitzenplatz: Rund drei von 1000 Einwohnern in der Landeshauptstadt sind Bildende Künstler, nur in Berlin ist ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung höher.

Diese Zahlen belegen den besonderen Rang Düsseldorfs für die Bildende Kunst. Vor allem in Altstadt, Carlstadt und Königsallee sind viele Galerien ansässig, die sich traditionell nicht nur als Händler, sondern auch als Förderer von Künstlern verstehen. Dazu kommen immer mehr Niederlassungen von Auktionshäusern. Der Kreativwirtschaftsbericht der Stadt beziffert den Jahresumsatz der Kunstwirtschaft mit rund 85 Millionen Euro, die Zahlen sind allerdings einige Jahre alt. Die Umsätze sind ohnehin schwer zu beziffern: In der Branche herrscht oft strenge Diskretion über die Preise.

Für die Händler ist nicht nur maßgeblich, dass vor allem wegen der Kunstakademie viele Kulturschaffende in der Stadt leben. In der Region gibt es viele finanzkräftige Sammler. Auch Kunstfreunde aus dem Ruhrgebiet kaufen traditionell in Düsseldorf. "Die Kö hat ein unglaublich kaufkräftiges Publikum", sagt Hans Paffrath, einer der alteingesessenen Galeristen an der Prachtmeile. Er glaubt, dass die Händler darüber hinaus voneinander profitieren. "Die Konkurrenz macht jeden stark."

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Die gewachsene Szene war auch der Standortfaktor, der vor 18 Jahren eine der bekanntesten Galerien in die Stadt gelockt hat. Ute Eggeling und Michael Beck hatten sich aus familiären Gründen zunächst für Leipzig entschieden, wechselten aber nach vier Jahren mit "Beck & Eggeling" nach Düsseldorf. "Wir haben uns ganz bewusst nach einem Standort umgeschaut", sagt Beck. Berlin etwa sei spannend, verfüge aber bei weitem nicht über diese Szene von Sammlern. Düsseldorf sei als Folge in seinem Angebot in manchen Bereichen sogar weltweit führend, so viele Werke des deutschen Expressionismus etwa würden an keinem anderen Standort gehandelt. "In Düsseldorf kann man bei einem Besuch zehn bis 15 Bilder von Emil Nolde anschauen."

Der Markt ist in Bewegung, insbesondere Auktionshäuser sorgen für neue Konkurrenz. Das Berliner Auktionshaus Grisebach, eines der großen in Deutschland, hat vor fünf Jahren eine Niederlassung in der Carlstadt eröffnet. Das Unternehmen habe sich bewusst für Düsseldorf entschieden, sagt der Chef, Journalist und Buchautor Florian Illies. Nicht nur, weil die Akademie die wichtigsten deutschen Künstler anziehe und mit Günther Uecker, Andreas Gursky und Imi Knoebel drei der erfolgreichsten Künstler in der Stadt lebten. "Genauso wichtig ist für uns, dass es in Düsseldorf eine ungeheuer reichhaltige Szene von hellwachen und aktiven Sammlern gibt, die wir so direkt vor Ort ansprechen können", sagt Illies.

Wer die Kunsthändler fragt, was sie sich wünschen, erhält vor allem eine Antwort: starke Museen. Insbesondere die Kunstsammlung NRW und das Museum Kunstpalast gelten als Leuchttürme, die auf Kunstszene und Kunstgeschäft ausstrahlen. Wichtigstes Gesprächsthema ist daher in diesen Tagen die Leitungsfrage: Für beide Häuser wird eine neue Direktion gesucht.

(arl)
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