Beate Wedekind im Interview: "Düsseldorf ist die perfekte Kulisse für Bambi"

Beate Wedekind im Interview: "Düsseldorf ist die perfekte Kulisse für Bambi"

Achtmal war die gebürtige Duisburgerin während ihrer Zeit bei der "Bunte" für die Bambi-Preisverleihung verantwortlich.

Sie haben 1985 im Burda-Verlag die Organisation der Bambi-Verleihung übernommen. Was war die größte Herausforderung?

Wedekind Dem Anspruch nach der TV-Quote Rechnung zu tragen und trotzdem nicht beliebig in der Auswahl der Preisträger zu sein.

Was muss eine Stadt haben, damit sie den Bambi begrüßen kann?

Wedekind Flair! Eine eigene Ausstrahlung, eine unverwechselbare Persönlichkeit! Bisweilen extrovertiert und extravagant. Ich komme aus Duisburg und bin schon als Teenager mit der Bahn nach Düsseldorf gefahren, um die große weite Welt zu schnuppern. Düsseldorf war schon immer und ist heute ein Thermometer für Trends und Moden. Eine perfekte Kulisse für den Bambi.

Was war 1985 in Ihrem ersten Jahr die schwierigste Aufgabe?

Wedekind Den Ansturm der Leute zu bewältigen, die meinen, geradezu ein Recht auf eine Einladung zu haben. Ihnen abzusagen, ohne dass sie beleidigt sind. Da müssen alle Bambi-Macher durch - auch bei dieser Verleihung Philipp Welte, der Herr der goldenen Rehe, und seine kongeniale Kollegin, die Meisterin des Glamours, "Bunte"-Chefredakteurin Patricia Riekel. Ich habe immer persönlich bei den Leuten angerufen und versucht, zu erklären, zu besänftigen. Heute macht man das wohl eher per Mail.

1986 haben Sie Paul McCartney nach Deutschland gelotst. Wie kam?s ?

Wedekind Ich erzähle das hier zum ersten Mal: Paul McCartney hatte sich die Liste der früheren Preisträger genau angesehen: Brigitte Bardot, Liz Taylor, Richard Burton, Rock Hudson, Grace Kelly. Und er hatte sich nach dem Stellenwert des Bambi erkundigt. Auch beeindruckte ihn die Freundschaft der Burda-Familie mit den Karajans und mit Leonard Bernstein. Aber es dauerte Wochen, bis endlich die Zusage seiner Agentin kam. Paul McCartney hatte sich Bernstein als Laudator gewünscht, der sagte dann ganz kurzfristig wegen einer Grippe ab.

Wer sprang ein?

Wedekind Gott sei Dank konnten wir als "Ersatz" Franz Beckenbauer, den Kaiser, bieten. Ich war sehr aufgeregt, als die Privatmaschine mit Paul und Linda McCartney in München landete. Und als er dann in den Saal des Arri-Kinos, wo die Bambi-Verleihung gefeiert wurde, einzog und die vollkommen ahnungslosen Leute im Publikum bei den ersten Takten von "Yesterday" von ihren Plätzen sprangen, das war einfach umwerfend. McCartney lebte damals sehr zurückgezogen, und es war sein erster öffentlicher Auftritt seit Jahren! Er war fantastisch, super gut gelaunt und bereute in der Tat, dass er schon am selben Abend zurück nach London flog.

Für welche Preisträger mussten Sie besonders kämpfen?

Wedekind Der schwierigste Fall war Boris Jelzin! Der eiserne Vorgang war gerade gefallen, er war wochenlang von der Bildfläche verschwunden, und wir wollten ihn 1991 für seine friedliche Machtübernahme in gefährlichen Zeiten auszeichnen. Keiner, außer dem Verleger, hat es mir zugetraut, dass ich das schaffe. Am Morgen vor der Verleihung in Wiesbaden flogen wir im Burda-Jet nach Moskau. Eingefädelt hatte das Ganze ein Berliner Bekannter von mir: Michel Gaißmayer, ein unheimlich gut vernetzter intellektueller Tausendsassa. Auf ihn konnte ich mich verlassen, und tatsächlich klappte alles wie am Schnürchen. Die Überreichung des Bambi an Jelzin in Moskau durch Hubert Burda wurde in die ganze Welt übertragen. CNN, ABC, BBC, alle waren da, es war Jelzins erster öffentlicher Auftritt nach sechs Wochen.

An wen erinnern Sie sich besonders gern?

Wedekind Besonders gern erinnere ich mich an Audrey Hepburn, die - schon vom Tod gekennzeichnet - mit einer unglaublichen Würde und Dankbarkeit aus der Hand von Maximilian Schell ihren Bambi 1991 in Wiesbaden entgegen nahm. Später in der Nacht kam es zu einer denkwürdigen Session anderer Preisträger in der Bar des Spielcasinos: Nigel Kennedy, der Geiger, begleitete Harald Juhnke spontan, als der sein "My Way" schmetterte. Da saßen Siegfried und Roy mit Karl Lagerfeld zusammen, der Claudia Schiffer, der Newcomerin des Jahres, den Bambi überreicht hatte, und Audrey Hepburn tanzte verliebt mit ihrem Mann. Niemand hat es fotografiert, aber wir alle, die wir es gesehen haben, waren zutiefst berührt.

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1988 gab es für Katarina Witt ein Bambi. Bei wem meldete man in der DDR ein Bambi an?

Wedekind Das war ganz einfach. Ihre Managerin und Trainerin, Jutta Müller, hatte eine West-Handynummer. Ein Anruf, und alles war klar.

1990 fand die erste Bambi-Verleihung in Leipzig und damit in einer ostdeutschen Stadt statt. Was gab es für Hindernisse?

Wedekind Besonders technisch war es eine große Herausforderung. Wir haben rund um die Uhr gearbeitet und so verrückte Sachen gemacht, wie Tausende von Glühbirnen im Foyer auszutauschen, per Hand! Es gab damals in der Oper keinen Dimmer, und mir war das Licht zu grell. Verrückte Sache.

Welchen Stellenwert geben Sie dem Bambi heute in der Medienwelt?

Wedekind Es gibt zu viele Preise, finde ich, geradezu eine Inflation. Bambi und die Goldene Kamera sind löbliche Ausnahmen. Da werden Stars noch richtig gefeiert.

Zuletzt gab es Knatsch um Bambi-Preisträger wie Tom Cruise oder Bushido. Missgriff oder PR-Strategie?

Wedekind Beides Missgriffe. Ich glaube, die PR hat in beiden Fällen eher Skepsis eingebracht. Ich habe beide Entscheidungen nicht verstanden.

Was macht für Sie einen Preisträger preiswürdig?

Wedekind Sie/Er muss mit seiner Leistung das Publikum wirklich überzeugen, Herzen öffnen, beeindrucken. Bambi ist ja auch ein Preis, der sich mit der Wirkung auf das Publikum, der Beliebtheit, beschäftigt.

Wem würden Sie gerne einen Bambi verleihen?

Wedekind Matthias Habich! Ein grandioser Schauspieler! Der hat seinen Bambi schon längst verdient! Diesmal ist immerhin ein Film, in dem er eine der Hauptrollen spielt, "Das Kindermädchen", für den Publikumspreis nominiert. Ich drücke die Daumen, dass er gewinnt!

Martina Stöcker führte das Interview

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(jco)