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Jedes Jahr mehr als 2000 Patente: Düsseldorf ist die Metropole der Erfinder

Jedes Jahr mehr als 2000 Patente : Düsseldorf ist die Metropole der Erfinder

Düsseldorf ist die Stadt der Erfinder. Mehr als 2000 Patente werden von Unternehmen, Instituten und Wissenschaftlern jedes Jahr beim Deutschen Patent- und Markenamt angemeldet, damit gehört Düsseldorf neben Stuttgart und München zur Spitzengruppe der "patenten" Metropolen in Deutschland.

Manche Erfindungen sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, wie die erste vollautomatische Waschmaschine, die in Oberkassel konstruiert wurde. Andere Ideen wurden, egal wie genial sie auch immer sein mochten, nie vermarktet. Berühmte Erfindungen und vergessene Visionen - eine Serie der Rheinischen Post folgt ihren Spuren.

Wer sind diese Erfinder, die tüfteln, planen, entwerfen, verwerfen und bauen? "Die Daniel Düsentriebs, also die genialen Eigenbrötler sind eher selten", weiß IHK-Geschäftsführer Klaus Zimmermann. "In Großunternehmen stecken meist ganze Entwicklungs-Abteilungen hinter einer Innovation." Aber auch der Mittelstand sei durchaus erfinderisch, begünstigt von einem positiven Klima in der Stadt. "Die Offenheit, die in Düsseldorf herrscht, ist ein Nährboden für Innovationen", so Zimmermann.

Aber selbst wenn es zum Streit um eine Erfindung kommt, wird der häufig hier ausgetragen. Über 600 Verfahren wurden allein im vergangenen Jahr an den Patentkammern des Landgerichts und des Oberlandesgerichts (als Berufungsinstanz) verhandelt. Damit belegt Düsseldorf nach Einschätzung von Experten weltweit einen der Spitzenplätze und steht in Deutschland unangefochten auf Platz eins. Zumal etwa 60 Prozent der Verfahren von ausländischen Firmen hier verhandelt werden, häufig mit internationaler Beachtung - wie der Rechtsstreit zwischen Samsung und Apple.

Die Rheinische Post erinnert in ihrer Serie an Erfindungen, die längst vergessen sind - wie das Luftschiff des genialen Herrn Veeh oder das Telemobiloskop von Christian Hülsmeyer, das als Vorläufer des Radars gilt. Die "großen Drei", die jedes Kind kennt und die mit dem Namen der Stadt untrennbar verbunden sind, sollen zumindest kurz vorgestellt werden.

Persil Wunderdinge versprach die Werbung von dem weißen Pulver: Das Schrubben der Wäsche, dieser Kräfte zehrende Akt in zugigen Waschküchen, sollte für immer der Vergangenheit angehören. Das versicherte das Düsseldorfer Unternehmen Henkel, als am 6. Juni 1907 seine neue Erfindung auf den Markt kam: Persil. Als das erste "selbsttätige Waschmittel der Welt" wurde es gepriesen, bis heute gilt es als wichtigstes Produkt des Konzerns. In den 1920er Jahren präsentierte zum ersten Mal eine elegante blüten-weiß gekleidete Dame ihre Werbebotschaft, noch immer prägt sie das Bild vieler Städte. Allein in Düsseldorf erinnern elf Persil-Uhren im nostalgischen Outfit daran, dass an manchen Produkten die Zeit spurlos vorübergeht.

ABB-Senf In einem grauen Steinguttopf steckt schon seit 300 Jahren eine scharfe Sache: ABB-Senf, erfunden von Adam Bernhard Bergrath, nach dessen Initialen das Produkt benannt ist. Der Mostert kommt ohne Patent aus, geschützt ist er trotzdem: Durch eine Entscheidung der EU darf sich dieser Senf "Düsseldorfer Mostert" nennen, er gilt als Regionalprodukt, das nach bestimmten Qualitätskriterien in Düsseldorf hergestellt wird. Heute wird es von der Firma Löwensenf produziert, nach altem Rezept, also mit brauner und gelber Senfsaat, unfiltriertem Branntweinessig, dem "besonders mineralhaltigen" Düsseldorfer Wasser und zehn Gewürzen. Der Rest ist streng geheim.

Mannesmann-Rohre Geheimhaltung ist häufig die Gefährtin neuer Erfindungen. Die Brüder Reinhard und Max Mannesmann hatten eine heiße Idee, als sie hinter verschlossenen Toren im Walzwerk ihres Vaters experimentieren. Sie ließen Stahl durch zwei schrägstehende Walzen laufen, dadurch wurde ein stetig größerer Hohlraum gebildet. Viele Versuche waren nötig, bis 1896 die Herstellung des ersten nahtlosen Stahlrohres gelang.

Die Erfindung gilt als Fundament des späteren Weltkonzerns Mannesmann (heute Vallourec-Gruppe). Richtig in Gang kam die Erfolgsgeschichte aber erst, als es den Brüdern gelang, mit ihrem berühmten "Pilgerschrittverfahren" (zwei Schritte vor, ein Schritt zurück) die Rohre dünnwandiger zu produzieren. Dieses Verfahren ist bis heute Standard zur Herstellung nahtloser Rohre.