Mitarbeiter sprachlos Insolvenzverwalter will Feinkost Ludwig in Düsseldorf verkaufen

Düsseltal · Der Metzgerei-Familienbetrieb musste drei Filialen schließen, jetzt läuft ein Insolvenzverfahren wegen Überschuldung. Die Mitarbeiter sind sprachlos.

Letzte verbliebene Filiale von Feinkost Ludwig in der Rethelstraße: Vier Beschäftigte gibt es hier noch, eine hat schon gekündigt.

Letzte verbliebene Filiale von Feinkost Ludwig in der Rethelstraße: Vier Beschäftigte gibt es hier noch, eine hat schon gekündigt.

Foto: Maximilian Nowroth

Innerhalb von wenigen Monaten ist das 40 Jahre alte Familienunternehmen Feinkost Ludwig von einem stolzen Metzgerei- und Catering-Betrieb zu einem schweren Sanierungsfall geworden. Anfang dieses Jahres musste Junior-Geschäftsführer Tim Servos Insolvenz anmelden, zunächst noch in Eigenverwaltung. Jetzt hat das Amtsgericht Düsseldorf ein Verfahren wegen Überschuldung eröffnet. Die schmerzhafte Folge: Nicht mehr Servos und seine Mutter haben das Sagen, sondern Insolvenzanwälte der Kanzlei Piepenburg.

„Der Insolvenzverwalter führt die Filiale Rethelstraße und die Produktion an der Liststraße fort“, schreibt ein Kanzlei-Sprecher. 16 Beschäftigte hat Feinkost Ludwig nur noch, vor der Pandemie waren es 55. Für Kunden ist der Kahlschlag im Filialnetz spürbar. Derendorfer Straße, Kö-Galerie, Schadow Arkaden – alle seit kurzer Zeit geschlossen. Achtung: Die Metzgerei Ludwig GmbH hat nichts mit der Insolvenz zu tun.

 Produktionsstätte und Zentrale von Feinkost Ludwig in der Liststraße: „Bitte sprechen Sie mit dem Insolvenzverwalter.“

Produktionsstätte und Zentrale von Feinkost Ludwig in der Liststraße: „Bitte sprechen Sie mit dem Insolvenzverwalter.“

Foto: Maximilian Nowroth

In der verbliebenen Verkaufsstätte von Feinkost Ludwig in Düsseltal läuft der Betrieb noch, aber eine der vier Beschäftigten hat bereits gekündigt. „Es ist traurig“, sagt die langjährige Mitarbeiterin. „Eigentlich wollte ich hier in Rente gehen.“ Nun führt ihr Weg zu konkurrierenden Fleischtheken, wo auch schon frühere Kollegen sind. Der Personalmangel wegen Renteneintritten oder Kündigungen sei ein Grund für die Pleite, heißt es vom Insolvenzverwalter. Hinzukommt: „Seit Corona kommen immer weniger Kunden in die Filialen.“

Jetzt prüft die Kanzlei „Möglichkeiten einer übertragenden Sanierung“, also den Verkauf des Unternehmens – komplett oder in Teilen. Um die Gläubiger zu entschädigen. Wie geht es dann für das Familienunternehmen weiter? Ein Besuch in der Zentrale an der Liststraße zeigt, dass auch Tim Servos selbst darauf keine Antwort hat. „Sprechen Sie mit dem Insolvenzverwalter“, sagt er. „Der macht den Plan.“

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