Düsseldorf: Henkel will Palmöl künftig nur noch aus nachhaltiger Produktion

Unternehmen in Düsseldorf : Henkel setzt auf nachhaltiges Palmöl

Der Chemie-Konzern verbraucht jedes Jahr rund 100.000 Tonnen des Rohstoffs. Dafür wurden in der Vergangenheit oft Bäume im Regenwald gefällt. Ab 2020 will das Unternehmen nur noch Öl aus ökozertifiziertem Anbau beziehen.

Palmöl steht in der Kritik, weil für die Plantagen oftmals tropischer Regenwald abgeholzt wird. Es wird zum größten Teil im Ernährungsbereich eingesetzt, Palmölkern ist aber auch ein Rohstoff für viele Reinigungsmittel und Kosmetikprodukte. „Palmöl ist eines von vielen pflanzlichen Ölen“, erklärt Thomas Müller-Kirschbaum, Leiter Forschung und Entwicklung im Unternehmensbereich Laundry & Home Care bei Henkel. „Am globalen Gesamtmarkt an pflanzlichen Ölen – das sind rund 200 Millionen Tonnen jährlich – hat Palmöl mit rund 40 Prozent den größten Anteil und liegt damit beispielsweise vor Sojaöl.“

Bei diesem Öl unterscheidet man zwischen dem Palmöl, das aus dem Fruchtfleisch der Früchte der Ölpalme gewonnen wird, und dem Palmkernöl. Letzteres ist nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt, sondern wird eher in der chemischen Industrie verwendet. So kommt Palmkernöl bei der Produktion der waschaktiven Substanzen, den sogenannten Tensiden, zum Einsatz, wie beispielsweise in Waschmitteln oder Shampoos. „Diese Tenside sind dafür verantwortlich, den Schmutz von Fasern zu lösen und abzutransportieren“, erklärt Thomas Müller-Kirschbaum. „Das gilt für Textilien genauso wie für Haut, Haare oder Autos.“ Tenside seien die Vermittler zwischen Fett und Wasser, alles was schäumt, enthalte Tenside.

„Die Ölpalme hat einen hohen Flächenertrag, deshalb gibt es derzeit auch keine nachwachsenden Rohstoffe, die eine wirkliche Alternative sind“, so Müller-Kirschbaum weiter. Immerhin läge der Ertrag von Palmöl bei 3,3 Tonnen pro Hektar, während Raps oder Sonnenblumenöl nur auf 0,7 und Soja sogar nur auf 0,4 Tonnen kommt. Insofern erachtet auch die Umweltschutzorganisation WWF es als nicht sinnvoll, Palmöl durch andere pflanzliche Öle mit höherem Flächenbedarf zu ersetzen.

„In den 1990er Jahren war es ein Fortschritt, als Unternehmen von Erdöl auf pflanzliche Öle umzustellen“, so der Forscher weiter. „Aber es zeigte sich, dass auch diese ihre Schattenseiten hatten, wie zum Beispiel Rodungen von Regenwäldern, unter anderem durch Abbrennen, und die Reduzierung der Biodiversität. Insbesondere beim Trockenlegen von Torf für neue Anbauflächen werden enorme Mengen an CO2 freigesetzt, die vorher im Boden gespeichert waren.“

Also beschloss man bei Henkel schon vor mehreren Jahren, auf nachhaltiges Palmöl zu setzen, für das kein tropischer Regenwald mehr abgeholzt wird, denn Ölpalmen wachsen nur in den Tropen, bis zu 15 Grad nördlich und südlich des Äquators. Bis zum Jahr 2020 sollen das von Henkel verwendete Palm- und Palmkernöl vollständig aus nachhaltiger Bewirtschaftung und Produktion stammen. Ein wichtiges Ziel ist auch die vollständige Rück­verfolgbarkeit. Hier gibt es noch Herausforderungen, denn die Lieferkette – von der Plantage bis zum Tensid, das verarbeitet werden kann – ist sehr komplex.

Thomas Müller-Kirschbaum leitet die Abteilung Forschung und Entwicklung bei Henkel. Foto: Stefan Osorio-König

„Es geht uns aber nicht nur um die ökologische Nachhaltigkeit, sondern auch um die soziale Situation der Bauern in den Anbaugebieten. Immerhin 40 Prozent der globalen Palmölmenge werden von Kleinbauern erwirtschaftet.“ Deswegen arbeitet Henkel mit der niederländischen Entwicklungsorganisation Solidaridad zusammen, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum feiert.

„Gemeinsam unterstützen wir Kooperationsprojekte, die es Kleinbauern ermöglichen, ihre Ernten als nachhaltig zertifizieren zu lassen, ihre Produktivität zu steigern und so ihre Existenzgrundlage zu verbessern“, erklärt Christine Schneider, bei Henkel Wasch- und Reinigungsmittel verantwortlich für Kooperationen im Bereich nachwachsende Rohstoffe. Gegenwärtig unterstützt Henkel sieben Initiativen, darunter in Ghana, Honduras, Indonesien, Kolumbien oder Nigeria. „Bis Ende 2018 wurden so bereits mehr als 29.000 Kleinbauern erreicht, die 350.000 Hektar Anbaufläche bewirtschaften“, so Schneider weiter. Henkel engagiert sich auch mit weiteren Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen, darunter der WWF, in dem 2004 gegründeten Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl (englisch „Roundtable on Sustainable Palm Oil“, RSPO). Die Organisation verfolgt das Ziel, nachhaltige Anbaumethoden für Palmöl zu fördern, hat hierfür Standards definiert und Kriterien für eine entsprechende Zertifizierung festgelegt.

Seit 2005 müssen Plantagen den RSPO-Standards genügen, um ein Zertifikat für Nachhaltigkeit zu bekommen. „Dazu gehört, dass für eine zertifizierte Plantage kein Regenwald abgeholzt werden darf, aber auch die Menge an Pflanzenschutzmitteln, die pro Hektar eingesetzt werden dürfen, ist begrenzt“, so der Henkel-Forscher weiter.

Henkel nutzt umgerechnet jährlich rund 100.000 Tonnen Palm- und Palmkernöl weltweit – 60 Prozent davon ist Palmkernöl, 40 Prozent Palmöl. „Unser Anteil an der global produzierten Palmölmenge ist mit 0,2 Prozent zwar vergleichsweise gering, aber wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und wollen das Thema Nachhaltigkeit und Transparenz entlang der komplexen Lieferkette vorantreiben“, so Müller-Kirschbaum.

Die Zusammenarbeit mit Kleinbauern-Projekten hat dabei einen hohen Stellenwert bei Henkel. „Die Produktivität unabhängiger Kleinbetriebe ist um 40 Prozent geringer als bei einem Betrieb durchschnittlicher Größe“, erklärt Schneider, was vor allem daran liegt, dass ihre Produktionsmethoden weniger ausgefeilt seien.

„Deswegen wollen wir Kleinbauern dabei unterstützen, die Produktivität ihrer Plantagen zu erhöhen, Regenwald zu schützen, die Lebensbedingungen in den Anbaugebieten zu verbessern und verbesserten Zugang zum Abnehmermarkt zu bekommen.“ Ein wichtiger Bestandteil der Kooperation zwischen Henkel und Solidaridad seien Training und Weiterbildung der Kleinbauern. „Die geförderten Projekte bieten Schulungen zur optimalen landwirtschaftlichen Praxis, zur verbesserten Plantagenführung, zu Themen rund um Gesundheit und Sicherheit sowie zum Management der ökologischen und sozialen Auswirkungen.“

Die Kleinbauern erfahren während der Weiterbildungskurse auch, wie sie die Kriterien für die notwendige RSPO-Zertifizierung erfüllen können. „Darüber hinaus geht es um Anbaumethoden, die die Menge des produzierten nachhaltigen Palmöls steigern – ohne dafür neues Land in Anbaufläche umwandeln zu müssen – und so das Einkommen der Kleinbauern erhöhen.“

Im Jahr 2018 stammten rund 65 Prozent der von Henkel genutzten Palmölerzeugnisse aus nachhaltiger Produktion. „Unser Ziel ist es, im kommenden Jahr die 100 Prozent zu erreichen“, erklärt Müller-Kirschbaum, „und ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen werden.“

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