Düsseldorf: Henkel investiert 130 Millionen Euro in die Klebstoffforschung

Interview Daniel Kleine : 130 Millionen Euro für die Klebstoffforschung

Der Düsseldorfer Standortleiter von Henkel spricht über Nachhaltigkeit und die Verbundenheit mit der Landeshauptstadt.

Henkel investiert am Standort Düsseldorf 130 Millionen in die Klebestoffforschung. Gleichzeitig feiert der Pritt-Stift seinen 50. Geburtstag. Ein Gespräch mit dem Standortleiter Daniel Kleine.

Was waren zuletzt die wichtigsten Investitionen in Ihren Düsseldorfer Standort?

Kleine Wir investieren jedes Jahr im Schnitt rund 100 Millionen Euro in unseren Standort hier in Düsseldorf und in die strategische Weiter­entwicklung. Ein wichtiger Schritt war zum Beispiel der Bau unseres Hochregallagers für Wasch- und Reinigungsmittel. In der Vergangenheit ist die fertige Ware von hier in verschiedene Regionalläger gegangen. Aber wir haben gemerkt, dass man das optimieren kann. Deshalb haben wir hier in zwei Schritten ein neues Zentrallager gebaut. Es hat eine Kapazität von 200.000 Paletten Waschmittel, die vollautomatisch eingelagert werden. Jetzt werden unsere Produkte von hier aus direkt zu den Kunden in Deutschland und den angrenzenden Beneluxländern gebracht. Damit sparen wir auch unnötige Transportwege und Emissionen ein. Ein anderes Projekt war die umfassende Modernisierung und Neugestaltung eines Gebäudes aus den 60er Jahren mit Büros für rund 1000 Mitarbeiter der IT-Abteilung. Es entsprach nicht mehr den Anforderungen und Erwartungen, die wir heute an eine moderne Arbeitsumgebung haben. Wir setzen nun auf offene und flexible Arbeitsplätze, eine attraktive Gestaltung mit verschiedenen multifunktionalen Besprechungsräumen und modernster Technik. Das Feedback ist sehr gut, viele wollen gerne dort arbeiten. Leider kann nicht jeder dort sitzen.

Kaum zu übersehen sind auch die Arbeiten an Ihrem neuen Innovation Center – wozu brauchen Sie das?

Kleine Das ist derzeit unser wohl größtes Innovationsprojekt, mit dem wir rund 130 Millionen Euro in die Zukunft des Unternehmens investieren. In dem globalen Innovationszentrum für Klebstofftechnologien entstehen Arbeitsplätze für Kollegen im Bereich Forschung und Entwicklung, die aktuell noch über 15 verschiedene Gebäude auf dem Werk verteilt sind. Sie werden dort in einem modernen Forschungszentrum arbeiten, in dem wir unsere Produkte und Technologien weiterentwickeln. Übrigens auch gemeinsam mit unseren Kunden; man darf nicht vergessen, dass wir im Bereich Klebstoff nicht nur für Verbraucher arbeiten, sondern auch viele Unternehmen beliefern. Mehr als 80 Prozent unseres Klebstoffgeschäftes machen wir mit Kunden in der Industrie. Hier entwickeln wir Zukunftstechnologien und Lösungen gemeinsam mit unseren Kunden – für leichtere Autos und Flugzeuge, leistungsfähigere Smartphones oder auch nachhaltigere Verpackungen. Unsere Mitarbeiter finden das Bauprojekt übrigens auch sehr spannend, die Fensterfront der benachbarten Kantine ist extrem gut frequentiert.

Wann wird alles fertig sein?

Kleine Wir liegen gut im Zeitplan, Ende des kommenden Jahres soll alles fertig sein. Seit dem Start 2018 haben wir schon viel geschafft: 3000 Lkw-Ladungen Bodenaushub wurden weggefahren, das Gebäude ist auf mehr als 100 Betonpfählen gegründet. Momentan sind wir beim Hochbau in der fünften Etage angekommen. Rund 100 Bauarbeiter sind täglich auf der Baustelle im Einsatz. Wenn wir mit Fassade und Innenausbau beginnen, werden es um die 400 sein. Am Ende wird aber eine Phase kommen, in der man von außen den Baufortschritt nicht mehr erkennen wird – das liegt daran, dass das Gebäude auch einen technisch aufwendigen Innenausbau bekommen wird.

Ihre Sicherheitsvorkehrungen auf dem Gelände sind streng. Macht das die Bauarbeiten schwieriger?

Kleine Sicherheit hat für uns immer oberste Priorität. Tatsächlich ist die Baustelle baulich vom restlichen Werksgelände durch einen Zaun so getrennt, dass die Arbeiter nicht durch unsere Zugangskontrolle müssen – es gibt für die Baustelle aber natürlich eine eigene Kontrolle. Für das Thema Arbeitssicherheit haben wir ebenfalls strenge Standards. Wir achten auch darauf, dass durch die Arbeiten unsere Nachbarn möglichst wenig belästigt werden – die Zufahrt der großen Lkw läuft deshalb nur über unser Werksgelände und die Niederheider Straße.

Warum ist Düsseldorf der richtige Standort für ein Innovation Center?

Kleine Weil der Standort nicht nur Firmenzentrale ist, sondern hier auch traditionell ein Schwerpunkt unserer Forschung und Entwicklung liegt. Ein Grund war auch, dass wir hier eine exzellente Umgebung für hochqualifizierte Mitarbeiter haben – mit mehreren Universitäten im Umkreis von 100 Kilometern und wichtigen wissenschaftlichen Einrichtungen. Mit Blick auf die Zukunft wird uns das auch beim Thema Fachkräfte helfen.

Wird der Produktionsstandort Düsseldorf eigentlich bevorzugt, weil er auch Unternehmenssitz ist – oder ist es ein Nachteil, dass man im Fokus steht?

Kleine Natürlich ist der Standort hier in Düsseldorf etwas Besonderes, weil hier auch die Konzernzentrale ist. Trotzdem müssen wir den Standort ständig modernisieren und wettbewerbsfähig halten, so wie alle anderen Werksstandorte auch. Henkel ist schließlich einer der internationalsten Dax-Konzerne mit Standorten in vielen Ländern.

Für die Düsseldorfer ist der Standort natürlich etwas Besonderes …

Kleine Wir haben hier am Standort schon eine besondere Tradition. Wir erleben, dass Mitarbeiter schon in der zweiten oder dritten Generation für Henkel tätig sind, und rund 60 Prozent der Leute kommen aus einem Umkreis von rund 15 Kilometern zu uns. Es gibt eine starke Verbindung zum Standort, und zwar in beiden Richtungen – von den Mitarbeitern zu uns, aber auch von Henkel zur Stadt. Wir sind als Unternehmen hier sehr engagiert und werden auch unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht, zum Beispiel durch die vielen Auszubildenden, die hier jedes Jahr in fast 20 Ausbildungsberufen ausgezeichnete Berufsabschlüsse machen.

Wie sieht es mit der Nachhaltigkeit bei dem Weg zur Arbeit aus?

Kleine Für dieses Thema haben wir eigens ein Team gegründet, es heißt „Future Mobility“. Unsere erste Elektro-Ladestation haben wir schon 2011 aufgestellt, inzwischen gibt es mehr als 30 Lademöglichkeiten auf dem Werksgelände und im Umfeld für Dienstfahrzeuge sowie die Privatfahrzeuge unserer Mitarbeiter. Seit zwei Monaten gibt es auch ein erstes Wasserstoff-Fahrzeug, seit 18. Juli steht eine Wasserstoff-Tankstelle auf einem öffentlich zugänglichen Teil unseres Geländes in Reisholz. Ich selbst fahre aus Mettmann gerne mal mit dem Fahrrad zur Arbeit und weiß, dass das auch viele andere Mitarbeiter machen. Ein neuer Service ist ja auch unser Angebot an Mitarbeiter, sich ein Dienstfahrrad zu leasen – das wird gut angenommen. Bei der Stadtradel-Kampagne sind wir übrigens auch seit Jahren begeistert dabei – im vergangenen Jahr haben wir mit 400 Mitarbeitern 96.000 Kilometer geschafft und wollen auch dieses Jahr wieder den 1. Platz machen.

Was sind aktuell Ihre wichtigsten Themen am Standort?

Kleine Wir feiern ein schönes Jubiläum: Der Pritt-Stift als eines unserer bekanntesten Produkte feiert in diesem Jahr den 50. Geburtstag. Fast 100 Millionen Stück verlassen jedes Jahr unser Werk. Außerdem steht das Thema Nachhaltigkeit im Fokus – das betrifft neben der nachhaltigen Standortlogistik auch Themen wie Gebäudesanierung und die Energieeffizienz unserer Produktion.

Reicht das Gelände eigentlich noch ein paar Jahre, oder stößt es an seine Grenzen?

Kleine Das passt noch. Seit 120 Jahren ist das Unternehmen an diesem Standort, auch wegen der schon damals sehr guten Verkehrsanbindung mit Bahnanschluss und der Nähe zum Rhein. Die Fläche war damals schon auf Wachstum ausgelegt. Im Gründungsjahr gab es 80 Mitarbeiter und 8000 Tonnen Produkt, heute sind es am Standort mehr als zwei Millionen Tonnen Produkt und mit den Partner-Unternehmen zusammen 10.000 Mitarbeiter. Die Verkehrsanbindung ist nach wie vor gut. Wichtig ist uns aber auch, dass ja die Stadt um uns herum ebenfalls gewachsen ist. Wir möchten gute Nachbarn sein – daher investieren wir viel in dieses Thema. Ungefähr 600 Lkw verlassen jeden Tag das Gelände direkt auf die Autobahn, um die Anwohner möglichst wenig zu beeinträchtigen. Bei der „Langen Nacht der Industrie“ öffnen wir uns jedes Jahr für Besichtigungen und bekommen dafür immer viele positive Rückmeldungen.

Das Gespräch führte Nicole Lange.

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