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Düsseldorf-Heerdt hat eine Schützenkönigin aus China

Brauchtum in Düsseldorf : Heerdter Schützenkönigin stammt aus China

Die Schützen in Düsseldorf-Heerdt haben erstmals in ihrer Geschichte eine Königin. Dass mit Lijuan Heidenreich eine Chinesin auf dem Thron sitzt, ist sogar bundesweit eine Premiere. Die 45-jährige Dolmetscherin weiß, sich in Szene zu setzen.

Beim Königsvogelschießen im vergangenen Jahr wurde in Heerdt Geschichte geschrieben. Der St. Sebastianus Schützenverein Heerdt wird in dieser Saison erstmals von einer Königin regiert. Ein weiteres Novum: Ihre Majestät Lijuan Heidenreich stammt aus China. Nach Recherche des Heerdter Schützenvorstands ist dies bisher einmalig in der Bundesrepublik.

Die 45-jährige Königin stammt aus der Millionenstadt Dalian in Nordostchina, nicht fern der Grenze zu Nordkorea. Fast sieben Millionen Menschen leben in der Hafenstadt, die zu den wirtschaftsstärksten Metropolen in China zählt. Lijuan lebt erst seit ein paar Jahren in Deutschland. Sie lernte Ehemann Günter während ihrer Tätigkeit als Dolmetscherin in ihrer Heimat kennen und lieben und folgte ihm dann recht schnell ins beschauliche Heerdt.

Durch ihn kam sie in Berührung mit dem lokalen Schützenwesen, da Günter Heidenreich aus einer Heerdter Schützendynastie stammt. Als sie zum ersten Mal einen Schützenumzug und die Königspaare in ihren festlichen Kleidern in der Kutsche sah, war sie sofort begeistert – und wollte das auch mal erleben.

Die Ausführungen des Ehegatten, wie es sich mit dem Schützenwesen im Stadtteil verhält, und die Erklärung, dass sie erst einmal Mitglied im Schützenverein werden müsse, blieb nicht folgenlos, denn Lijuan ist keine Frau, die Entscheidungen auf die lange Bank schiebt. Und da eine Nichte Mitglied im ohnehin von Frauen dominierten Grenadierzug „Dorfschwalben“ ist, war ein Zugang schnell gefunden. Die 45-Jährige fühlte sich direkt heimisch und wurde im Jahr 2015 Mitglied.

Die Familie von Lijuan Heidenreich stammt aus der Millionenstadt Dalian. Der Vater scheint Humor zu haben. Foto: privat

Nachdem Lijuan in den ersten drei Jahren sozusagen die Schützen-Ausbildung absolvierte, übersprang sie die Gesellenprüfung und machte mit Bravour direkt ihr Meisterstück: den Schuss auf die Regimentskönigsplatte im vergangenen Jahr mit dem ersten Versuch. „Mein Mann hat mir das Schießen beigebracht, ich wollte mich ja nicht blamieren“, sagt Lijuan. Seither findet man sie auf allen Veranstaltungen, die das linksrheinische Brauchtum zu bieten hat.

Mit Eifer und unbändiger Freude übernimmt sie sämtliche Aufgaben, die eine Königin zu absolvieren hat. Jetzt schon legendär sind ihre Reden auf Krönungsbällen, die sie sympathisch und sehr gerne auch in chinesischer Sprache beginnt. „Dann schauen immer alle zuerst etwas ratlos, aber ich übersetze natürlich später alles“, erzählt die Dolmetscherin.

Gänzlich in die Heerdter Schützenfamilie integriert, zeigt Königin Lijuan Engagement und übernimmt soziale Verantwortung. Mit ihrer offenen und charmanten Art hat sie im Handumdrehen alle Schützenkameraden für sich vereinnahmt. „Es war ein tolles Jahr, ich bin überall so herzlich aufgenommen worden, damit hätte ich in dem Ausmaß nicht gerechnet“, sagt Lijuan, die sich während ihrer Amtszeit aus China von Freundinnen manch traditionelle Robe für besondere Anlässe schicken ließ, „das erwarten die Menschen ja irgendwie von mir“.

Dass Schützenchef Andreas Bahners zum Titularfest sogar ein paar Brocken Chinesisch gelernt hatte, hat sie endgültig fasziniert. „Da war ich baff“, sagt Lijuan.    Mit großer Vorfreude wartet Lijuan Heidenreich nun mit ihrem Ehemann und König Günter auf das am Wochenende anstehende Schützenfest, den großen Festzug am Sonntag, die Kutschfahrt und die festliche Parade an der Rheinallee – natürlich immer in der Hoffnung, dass die zum Teil eher pessimistischen Wetterprognosen so nicht eintreten.

Aber es gibt zur Not beim Heerdter Schützenfest ja noch viele andere Gelegenheiten, Präsenz zu zeigen und die Menschen um den Finger zu wickeln.

Anm. d. Red.: In der Überschrift einer früheren Version dieses Textes hatten wir auf den David-Bowie-Song „China Girl“ angespielt. Es war nicht unsere Absicht, uns damit klischeehaft über Chinesinnen zu äußern. Wir haben die Zeile deshalb geändert.