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Düsseldorf - Hausbrauerei nimmt jetzt 30 Euro für ein Wiener Schnitzel

Gastronomie in Düsseldorf : Erste Hausbrauerei nimmt 30 Euro fürs Wiener Schnitzel

Düsseldorf: Erste Hausbrauerei nimmt 30 Euro fürs Wiener Schnitzel

Die Hausbrauereien in Düsseldorf stehen für leckeres Bier und meist auch für volkstümliche Preise. Nun nimmt ein Traditionshaus eine preisliche Schallgrenze. Die Chefetage der Brauerei nimmt dazu Stellung.

Alles wird teurer, das hören und lesen wir jeden Tag. Aber wo landen wir bei den Preisen? Bei der Kaffeerunde auf dem Markt dominierte jedenfalls zuletzt mehrfach ein Thema: Im Schumacher kostet das Wiener Schnitzel 30 Euro. 30 Euro? Für ein Schnitzel in der Hausbrauerei? Die Zahl Drei ganz vorne löste bei einigen waschechten Düsseldorfern eine Erschütterung aus. Man erwartete so etwas nicht in einem Brauhaus. Aber wie sieht es mit dem Klassiker auf der Speisekarte anderswo in der Stadt aus? Sind 30 Euro die einsame Spitze, ist der Preis wirklich so „schlimm“ und gehört er nicht in eine Hausbrauerei?

Die nüchternen Fakten ergeben sich beim Einkaufen, wo die 500-Gramm-Packung Spaghetti etwa bei Rewe mittlerweile 1,89 Euro kostet, und beim Blick auf offizielle Seiten. Die Preissteigerung bei den Lebensmitteln lag in den Monaten der zweiten Jahreshälfte 2021 zwischen 4,3 und 4,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, so das Bundesamt für Statistik. Dessen Datenbank summiert das Plus bei den Energiekosten für Verbraucher auf mehr als 20 Prozent, die Inflationsrate liegt bei 5,2 Prozent.

 Dieses Wiener Schnitzel kostet in einer Düsseldorfer Hausbrauerei 30 Euro, dazu gibt es noch einen Feldsalat.
Dieses Wiener Schnitzel kostet in einer Düsseldorfer Hausbrauerei 30 Euro, dazu gibt es noch einen Feldsalat. Foto: Uwe-Jens Ruhnau
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Dieses vielseitige „Mehr“ müssen auch die Gastronomen aufbringen, hinzu kommen Mehraufwendungen fürs Personal, das sich in der Krise nach anderen und vielleicht sichereren Arbeitgebern umschaut. Die Stundenlöhne wie vor der Pandemie reichten unter diesen Voraussetzungen nicht mehr aus, befand der Gastro-Experte Markus Eirund jüngst im Gespräch mit unserer Redaktion. „Um zehn bis 20 Prozent muss eigentlich jeder Gastronom erhöhen.“ Uerige-Baas Michael Schnitzler sieht weitere Faktoren, welche die Hausbrauereien belasten. So habe die Tonne Malz vor einem Jahr 340 Euro gekostet, jetzt würden 600 Euro verlangt. Einen Liefervertrag über mehrere Jahre habe er da nicht mehr abgeschlossen, er wolle nun tagesaktuell einkaufen. Dass dies Folgen für den Bierpreis haben dürfte, ist wahrscheinlich. Schnitzler verweist zudem auf den neuen Mindestlohn, der zwar nur einen kleinen Teil der Belegschaft betreffe, aber dennoch auf die Preise durchschlagen werde.

Reicht das alles, um die 30 Euro für das Wiener Schnitzel zu erklären? Gertrud Schnitzler-Ungermann (übrigens die Tante von Michael Schnitzler) nennt nicht die Details der Preisfindung bei genau diesem Gericht. Worauf sie aber hinweist, ist der Umstand, dass das Kalbs- viel teurer ist als das Schweinefleisch. Dann handelt es sich nämlich um ein „Schnitzel Wiener Art“, das es im Schumacher auch gibt, ebenfalls mit Bratkartoffeln und Salat, zum Preis von 18,50 Euro. Im Uerige gibt es das auch, dort für 16,90 Euro. Im Füchschen werden 14,50 Euro verlangt.

Das Wiener Schnitzel ist ein Kultgericht. In Skigebieten Österreichs gibt es sogar einen Schnitzel-Index, mit dem die Angebote der Hütten verglichen werden. Das Qualitätsschnitzel wird halt gerne gegessen und mancher lässt den guten Vorsatz, beim Geschäftsessen den Fisch zu wählen, sausen, wenn das Wiener Schnitzel auf der Karte steht. Der Breidenbacher Hof, bestes Haus am Platz, warb zuweilen mit einem Aufsteller auf dem Gehsteig für den Schnitzelgenuss in seinem Restaurant. Dann konnte es das Gericht auch mal für unter 30 Euro geben, ansonsten aber führt „The Duchy“, wie das Restaurant im Breidenbacher heißt, die Preisliste an. 42 Euro kostet das Wiener Schnitzel dort, die kleine Portion ist für 24 Euro zu haben, beide mit Kartoffel-Gurken-Salat und Cranberries. Teurer sind nur diverse Dry-Aged-Steaks, an der Spitze das 300-Gramm-Rinderfilet für 85 Euro.

Foto: Uwe-Jens Ruhnau

Hinter dem Breidenbacher, der Düsseldorfer Luxusadresse schlechthin, hat sich im vorigen Jahr aber beim Schnitzel-Index die Hausbrauerei Schumacher nach vorne geschoben. Selbst im „The Grill“ an der Kö lag der Preis bei 28,50 Euro, in Münstermanns Kontor in der Carlstadt waren es 27,90 Euro, im Klees am Grabbeplatz 20,50 Euro.

Nun ist es nicht so, dass in den anderen Hausbrauereien nicht auch mal was richtig Teures auf der Karte steht. Im Dezember landete das Gänseessen fast überall mit knapp 30 Euro pro Portion auf der Rechnung. Auch im Füchschen, wo Peter König sagt, „wir versuchen bei den Preisen etwas volkstümlich zu bleiben“. Gänse seien aber zu wenige auf dem Markt gewesen, sagt der Füchschen-Chef, weil die Züchter nicht gewusst hätten, wie das Geschäft im Winter wegen der Pandemie und eines möglichen neuen Lockdowns laufen würde. Schnitzler-Ungermann hat auch Gänse gekauft, aber bei ihr gab es nicht Brust und Keule, da konnte man sich nur das ganze Tier bestellen.

Der Preis hat viel mit Psychologie zu tun. Im Schumacher hätten auch 29,50 Euro auf der Karte stehen können. „Ich mache glatte Preise“, sagt die Hausherrin, „entweder ich stehe dazu oder nicht.“ Im Schumacher werde alles frisch gekauft und von Hand verlesen und zubereitet. Das gelte für Salat und Gemüse („Schwarzwurzeln zu schälen ist eine Schweinerei, da man braucht man Gummihandschuhe“), die Mayonnaise werde frisch geschlagen und für die Panade des Schnitzels würden Brötchen geraspelt. „Das alles kostet und wenn wir das weiter haben wollen, müssen wir höhere Preise akzeptieren“, sagt Gertrud Schnitzler-Ungermann. Cyrus Heydarian, Chef des Breidenbacher Hofs, klatscht da laut Applaus. Er will seine Mitarbeiter fair bezahlen und kauft nur noch auf regionalen Höfen ein, die Kühe, welche die Milch für das Hotel geben, sind namentlich bekannt. „Alle wollen Nachhaltigkeit, dann muss sie auch bezahlt werden“, sagt der Patron.

Die beiden Wiener Schnitzel im Schumacher haben übrigens hervorragend geschmeckt. Man kann sie immer noch bestellen, aber sie stehen nach unserer Rechercheanfrage nicht mehr auf der Karte, genauso wenig wie Scheiben vom Rinderfilet auf leichter Senfsauce mit Bratkartoffeln und Salat, ebenfalls für 30 Euro. Preise sind Psychologie.