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Düsseldorf: Haus der Talente zieht nach Rath

Begabtenförderung in Düsseldorf : So arbeitet das Haus der Talente

Im August zieht das Haus der Talente nach Rath. Leiterin Sabine Warnecke erklärt, worin die Kernaufgaben der Begabtenförderungsstiftung bestehen. Talentscouts halten an Schulen Ausschau nach geeigneten Kandidaten.

Fast jeder sechste Bewohner Düsseldorfs ist noch unter 18 Jahren, wie aus der aktuellen Bevölkerungsstatistik hervorgeht. Ein großer Pool also, in dem so manch Hochbegabung oder verstecktes Talent schlummern könnte, von denen einige im schulischen Raster aber noch nicht zum Vorschein kamen. Nach solchen Fällen suchen Sabine Warnecke und ihr Team gezielt. „Unsere Aufgabe ist es, Talente finden und zu fördern. Das beginnt beim Kita-Kind und geht bis zum jungen Erwachsenen“, sagt die Leiterin der Stiftung Haus der Talente. „Häufig bedeutet das auch ein ganzes Stück Detektivarbeit.“

Seit rund vier Jahren existiert mit der aus dem Competence Center Begabtenförderung (CCB) hervorgegangenen, heute selbstständigen Stiftung eine Einrichtung in Düsseldorf, die mit ihrer Aufgabenbandbreite so bisher noch einmalig in Nordrhein-Westfalen ist. Regelmäßig gehen die Psychologen und Pädagogen des Haus‘ der Talente an die Schulen und organisieren Projekttage, um bei einem Robotikkurs oder einer Schreibwerkstatt unentdeckte Begabungen der Kinder offenzulegen. Doch neben einer allgemeinen Begabungsdiagnostik, bei der Eltern und Lehrer mit potenziell begabten Kindern sich beraten lassen können, bietet das Haus der Talente noch mehr an. „Wir arbeiten auch direkt mit den Kindern zusammen und können sie mit einem individuellen Förderweg begleiten“, sagt Warnecke. Dazu gehören etwa Lerncoachings oder Methodentrainings, bei denen fachlich geschulte Betreuer mit den Kindern ein strukturiertes Lernverhalten einüben und ihre Motivationsbereitschaft dafür fördern, die eigene Begabung gezielt weiterentwickeln zu wollen. „Gerade Lernen an außerschulischen Orten kann da sehr motivierend wirken“, sagt Warnecke.

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Umso mehr freut sie sich nun auf den im August anstehenden Umzug nach Rath. Die ehemalige Förderschule an der Oberrather Straße biete auch durch das große Außengelände viel mehr Platz und Möglichkeiten als zuvor noch am Bertha-von-Suttner-Platz. Zum Beispiel für Ferienakademien und Workshops, aber auch für die große Anzahl Lehrkräfte, die jährlich an Fortbildungen teilnehmen oder sich von der Stiftung zum Talentscout zertifizieren lassen. „Unser Ziel ist es, dass es möglichst zwei Talentscouts an jeder Schule gibt.“

Denn im allgemeinen Unterrichtsalltag kann es passieren, dass individuelle Begabungen nicht entdeckt oder Hochbegabte innerhalb des Klassenverbunds ausreichend gefördert werden. „Wenn sich Schüler unterfordert fühlen und es ihnen nicht gut geht, kann so etwas ja auch den Unterricht stören“, sagt Warnecke. Neben den Talentscouts und dem Diagnostikangebot entwickelte das Haus der Talente daher zusammen mit dem Fachbereich „Differentielle Psychologie“ der Heine-Universität ein Online-Tool, in denen Lehrer innerhalb einer Stunde das Begabungsprofil einer ganzen Klasse und ihrer Schüler ausgewertet bekommen. „Dadurch werden Begabungen auch jenseits der Schulnoten erkannt. Manche sind sehr intelligent, haben aber ein schlechtes Notenbild.“

Für die Bewertung der Begabung eines Kindes ist der IQ daher auch nebensächlich „Der interessiert uns nicht. Wir nehmen die Gesamtpersönlichkeit in den Blick: Ob es außergewöhnliche Hobbys gibt, ob jemand Sprachkompetenz besitzt, wie gut das logische Denken funktioniert. In der Regel sind diese Kinder ihrer Altersklasse voraus“, sagt sie. Gerne erinnert sie sich an eine Fünfjährige zurück, die bereits alle Flugzeugtypen der Welt auflisten konnte, weil sie sich so dafür interessierte. Oder eine Schülerin, die sich während einer Ferienakademie mit einem Professor für Neurowissenschaften fachlich angelegt hatte. Daraus wurde dann ein Praktikum im Forschungszentrum Jülich, wo sie heute studiert und schon Ergebnisse veröffentlicht hat.

„Hochbegabte machen ihren Weg. Eine psychologische Begleitung kann das Ganze aber beschleunigen“, sagt Warnecke. „Und wenn die Talente dann aufgehen, führt das bei allen Beteiligten zur Zufriedenheit.“