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Chancen für die Zukunft: Düsseldorf hat jetzt ein Dreigestirn

Chancen für die Zukunft : Düsseldorf hat jetzt ein Dreigestirn

Mit Beginn der Session haben die Karnevalisten ihr drittes Maskottchen vorgestellt. Neben dem Bergischen Löwen und dem Hoppeditz gibt es nun eine Venetia. Die Figuren von Künstler Jacques Tilly bieten wichtige Chancen für die Zukunft.

Drei Fantasien:

1. Düsseldorf-Besucher, Pendler und Eingeborene treten im November, Dezember, Januar, Februar aus dem Hauptbahnhof und blicken nicht nur auf den in seiner Pracht höchst überschaubaren Konrad-Adenauer-Platz. Sie sehen auch fünf Meter hohe Figuren: einen ebenso staatsmännischen wie knallroten Löwen, einen Clown, dessen Augen Unschuld flunkern und von höchstens minutenalten Streichen erzählen und eine dunkelhaarige Frau, die im guten Sinne schick und dennoch nicht abgehoben wirkt.

2. Die drei Figuren, die dem Düsseldorfer Karneval (s)eine Identität geben, tauchen überall in der Stadt auf. Auf Fahnen, Bierdeckeln, Briefköpfen, T-Shirts, Schals, Aufklebern, Aufnähern, als Plüschfiguren, Orden und Poster. Löwe, Hoppeditz und Venetia schmücken die Stadt und helfen dem Karneval ein bisschen, seine immens gestiegenen Kosten gegenzufinanzieren.

3. Die drei Figuren sind untrennbar und bundesweit mit dem Düsseldorfer Karneval verbunden. Menschen in Flensburg und Oberammergau wissen zwar kaum mehr, als dass Düsseldorf irgendwo im Westen liegt und dass es dort eine sehr lange Theke geben soll, sie wissen aber auch, dass Düsseldorf doch die Stadt mit diesem lustigen Löwen, dem anarchistischen Clown und der netten Prinzessin ist.

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Drei Fantasien?

Die eingangs beschriebene Bahnhofsszenerie gibt es tatsächlich. Wer in Viareggio (eine kleine Stadt an der toskanischen Küste) aus dem Bahnhof kommt, trifft auf jecke Figuren. Dort regiert ein Harlekin namens Burlamacco die Narren. Dank ihm und einem beeindruckenden Umzug ist der Karneval von Viarregio inzwischen der berühmteste in Italien. Gleiches ist den Jecken in Basel mit der Figur Waggi gelungen. Seit dem 11.11. besitzt Düsseldorf eine ähnliche Chance. Wagenbauer und Künstler Jacques Tilly hat seinen bisherigen Maskottchen, dem Bergischen Löwen und dem Hoppeditz, eine Venetia an die Seite gestellt und damit ein Düsseldorfer Dreigestirn geschaffen. Jetzt ist — Achtung: klassischster aller Kommentar-Sätze — die Stadt gefragt, diese Figuren zu nutzen und zum Beispiel am Hauptbahnhof oder im Flughafen-Terminal die drei als Sympathieträger und Repräsentanten einer echten Karnevalshochburg zu präsentieren. Denn trotz aller Diskussionen um und über die neue Dachmarke traut sich Düsseldorf immer noch nicht, klare Identitäts-Kerne zu benennen. Und das, obwohl der Karneval eindeutig einer davon ist.

Der Burlamacco in Viarregio und die Waggi in Basel sind im Karneval überall im Stadtbild präsent. Die Einwohner und die Immer-wieder-Gäste lieben ihre jecken Repräsentanten und investieren gerne in Fahnen, T-Shirts, Aufnäher, um ihre Verbundenheit, ihre Identität durch die Stadt zu tragen. Das hat für die Organisatoren den netten Nebeneffekt, dass sie auch ein bisschen was verdienen, um Züge, Bälle, Partys zu finanzieren. Die Summen wären auch in Düsseldorf nicht gigantisch (und damit frei vom Vorwurf der Kommerzialisierung), aber angesichts des Geldes, das für Sicherheit und Wagenbauhalle benötigt werden, ein Baustein.

Je stärker und je leidenschaftlicher das Dreigestirn den Düsseldorfer Karneval mit Hilfe aller vertritt, desto greif- und identifizierbarer wird er. Es ist in den vergangenen Jahren viel die Rede von professioneller Vermarktung des Karnevals. Das meint aber eben nicht nur gute Sponsoren finden und klug einbinden, nicht nur neue Tribünen schaffen und passende Ticketpreise dafür entwickeln und auch nicht nur vernünftige Auftritte in Internet und sozialen Netzwerken. Wie ein Unternehmen benötigt der Karneval eine Marke sowie ein unverwechselbares und leicht wiederzuerkennendes Logo. Dieses Potenzial steckt im Dreigestirn. Der Löwe ist vor allem für die jungen Jecken ein möglicher Liebling, der Hoppeditz steht für den Ausnahmezustand und die Anarchie, die Venetia für die einmalige rheinische Mischung aus Lackschuh- und Straßenkarneval.

Wenn das Dreigestirn in den kommenden Jahren richtig zum Einsatz kommt, könnte ein Grund für berechtigten Neid auf Köln verschwinden. Denn dort vermarktet sich der Karneval quasi von alleine. Fantastisch.

(RP)