Düsseldorf: Handwerk ist in Hochstimmung

Konjunktur-Gutachten für Düsseldorf : Hochstimmung im Handwerk

Den Handwerksbetrieben in Düsseldorf geht es blendend. Sie trotzen der allgemeinen Abkühlung der Wirtschaft. Dennoch haben sie mit Problemen zu kämpfen, denn viele offene Stellen bleiben unbesetzt.

Die Stimmung im Düsseldorfer Handwerk ist rekordverdächtig gut. Das geht aus dem neuesten Frühjahrskonjunktur-Gutachten der Handwerkskammer (HWK) hervor. Der zweimal jährlich, im Frühjahr und im Herbst, ermittelte Geschäftsklima-Index im Kammerbezirk Düsseldorf liegt aktuell bei 134. Das ist der zweitbeste jemals ermittelte Wert. Nur im Frühjahr 2018 lag er mit 136 Punkten leicht über dem jetzigen Niveau. Im Wirtschaftsraum Düsseldorf, zu dem neben der Landeshauptstadt auch Mettmann und Neuss gehören, war er bei 135, und damit auf einem Rekordwert. Das gleiche gilt für die Stadt Düsseldorf, wo der Index im Frühjahr mit 132 Punkten einen Rekordwert erreichte.

„Das Handwerk trotzt der generellen Abkühlung des Konjunkturklimas“, erklärt HWK-Präsident Andreas Ehlert anlässlich der Vorstellung des Konjunktur-Gutachtens in der Traditionsmetzgerei Grefges in Flingern. „Im Durchschnitt aller Branchen hat sich die Hochstimmung in den vergangenen Herbst- und Wintermonaten sogar noch leicht verstärkt. Damit geht die Hausse im Handwerk in ihr zehntes Jahr.“ Und die positive Stimmung zieht sich quer durch alle Branchen, vom Bauhaupt- über das Ausbaugewerbe – zu dem beispielsweise Elektriker, Maler und Installateure zählen – über das Lebensmittel- bis hin zum Kraftfahrzeuggewerbe. Auch wenn sich das Geschäftsklima bei letzterem im Vergleich zum Frühjahr 2018 abgekühlt hat. So beurteilen 54 Prozent der Handwerksbetriebe in der Landeshauptstadt ihre Lage als positiv, nur sieben als negativ. Auch die Umsatzerwartungen sind überwiegend positiv. 35 Prozent der Düsseldorfer Unternehmen erwarten steigende Umsätze, 52 Prozent gehen davon aus, dass sie konstant bleiben werden, nur 14 rechnen mit einem Rückgang. Ähnlich gut ist die Situation der Auftragslage. 84 Prozent beurteilen sie als positiv oder gleichbleibend, nur 16 sehen eine Verschlechterung. „Die Kapazitäten der Unternehmen sind im Schnitt aller Branchen aktuell zu 81 Prozent und damit faktisch voll ausgelastet“, so Ehlert weiter. Die hohe Auslastung führe dazu, dass die Kunden im Schnitt 8,8 Wochen auf einen Handwerker warten müssten, am Bau seien es sogar 14 Wochen. „Positiv ist es auch, dass die Unternehmen ihre verbesserte Ertragssituation nutzen, um stärker in Anlagen und die Digitalisierung zu investieren.“ Sorgen bereiten den Handwerkern in Düsseldorf der anhaltende Fachkräftemangel. „Das Handwerk könnte noch stärker zulegen, wenn es den eklatanten Fachkräftemangel nicht gäbe“, so Ehlert weiter. „Ob das Handwerk auch in Zukunft noch wachsen kann, hängt ganz entscheidend davon ab, dass die Berufsbildung im Wettbewerb mit akademischer Bildung für ganz unterschiedliche Zielgruppen attraktiv ist.“ Das Handwerk tue bereits viel, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. So war im Kammerbezirk zuletzt jeder vierte neue Auszubildende ein Flüchtling oder Migrant. „Denn gehen wir davon aus, dass der Fachkräftemangel die größte Wachstumsbremse bleibt“, so Ehlert. „Wir sind auf qualifizierte Zuwanderung angewiesen.“

Positiv hingegen sei, dass immer mehr Auszubildende die Möglichkeit eines Praktikums im europäischen Ausland nutzen. „Wir wollen, dass junge Menschen die Möglichkeit bekommen, über den Tellerrand hinauszuschauen“, so Axel Fuhrmann, Hauptgeschäftsführer der HWK. „Die jungen Menschen bringen von den Auslandspraktika immer tolle Erfahrungen mit. Und wenn es mit der Sprache mal nicht klappt, Handwerk ist international und im Notfall kann man sich da mit den Händen erklären.“

Die Metzgerei Grefges ist seit ihrem Bestehen Ausbildungsbetrieb. Doch auch sie spürt den Fachkräftemangel. So beschäftigt das Familienunternehmen gegenwärtig keinen Auszubildenden. „Wir haben aber jetzt einen Lehrling gefunden und den Ausbildungsvertrag unterschrieben“, erklärt Uli Grefges, Fleischermeister und Inhaber der Metzgerei. „Und auch Praktikanten sind bei uns jederzeit willkommen.“

Das Handwerk ist solide, hat aber ein Image-Problem, meint Stefan Osorio-König.
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