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Düsseldorf-Hamm: Ein Dorf mit viel Charme

Stadtteil-Check: Hamm : In einer anderen Welt

Hamm ist untypisch. Der Stadtteil am Rhein erfüllt nach wie vor die Kriterien eines klassischen Dorfes, obwohl die Baulücken hier auch immer weniger werden. Das Gemeinschaftsgefühl ist dennoch riesengroß.

Das Elternhaus von Gerhard Eßer in Hamm ist nicht weit entfernt, er selbst wohnt mit seiner Frau auf dem Hof, der einst ihren Eltern gehört hat. Überhaupt hat Eßer eigentlich schon immer in Hamm gewohnt, ein paar Monate war er mal weg. Der 66-Jährige hat darüber hinaus gefühlt sein gesamtes Arbeitsleben als Schlosser bei der Traktoren-Firma IHC in Neuss gearbeitet. Daraus wurde eine Leidenschaft, die Eßer zu seinem Hobby machte. Sechs Traktoren hat er in der Scheune stehen, alles echte Raritäten. Das fällt in Hamm nicht weiter auf, hier wird auch keiner von der Straße gehupt, wenn er mit dem Traktor unterwegs ist. Denn Hamm war immer ländlich, geprägt von vielen Gartenbaubetrieben, und das ist mit einigen Abstrichen auch heute noch so.

Gerhard Eßer ist Mitglied im Hammer Schützen- und im Förderverein, und zusammen mit der Kirche würden diese „Brückenbauer“ dafür sorgen, dass sich in Hamm jeder wohlfühlt. „Auch den Neubürgern soll das Gefühl vermittelt werden, ihr wohnt nicht nur hier, ihr gehört auch dazu“, sagt der Rentner, der inzwischen vor allem seinen Enkeln (zwei, fünf und sieben Jahre) viel seiner Zeit widmet. Denn neben dem allgemeinen Gemeinschaftsgefühl im Dorf sei der Familiensinn in Hamm wahrscheinlich noch ausgeprägter als anderswo.

Als Eßer noch ein Kind war, gab es in Hamm nur eine Handvoll Häuser, war der Schulhof eine Schotterwüste, „dort konnten wird aber wunderbar Murmeln spielen“. Bald ist in Hamm auch die letzte Baulücke geschlossen, „das ist schon ein komisches Gefühl“, sagt Eßer. Er sorgt sich um das Verkehrsaufkommen, die Parkplatzprobleme. Und hofft doch inständig, dass der Charme von Hamm langfristig erhalten bleibt.

Markus Alsenz (46) wohnt seit fünf Jahren in Hamm – mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen Karl und Peter (8, hier im Bild). Foto: Bretz, Andreas (abr)

Für die Familie von Markus Alsenz war Hamm eine Entdeckung – eine seiner Frau Maren. „Sie hat den Stadtteil gefunden“, sagt Bankkaufmann Alsenz (46). Stolz schwingt mit. Im Mai wird es fünf Jahre her sein, dass die vierköpfige Familie die große Wohnung an der Hammer Dorfstraße bezog. Sohn Karl (5) war also noch ganz klein, als die Entscheidung fiel, den Hafen hinter sich zu lassen. „Wir wohnten über einem Lokal – das war einerseits toll, aber andererseits auch etwas zu trubelig mit zwei kleinen Kindern“, berichtet Maren. Da sie immer mit dem Kinderwagen rheinaufwärts bis Hamm gelaufen war, um dort in einem Bauerncafé Station zu machen, überzeugte sie ihren Mann schnell, im Stadtteil eine neue Bleibe zu finden. „Wir fühlen uns hier unheimlich wohl“, sagt Markus Alsenz. „Hier am Blaak sind wir wirklich mittendrin. Gleichzeitig können die Kinder sehr behütet aufwachsen.“ Peter (8) und Karl gehen zur Grundschule, spielen gern Fußball im kleinen Garten oder beim Sportverein TuSa in Flehe.

Papa Markus trainiert. Was ihm besonders gut an Hamm gefällt: Dass jeder jeden kennt und fast alle sich engagieren – sei es im Kinderkarneval oder im Förderverein. „Manche sagen ja, es brauche Jahrzehnte, bis man hier akzeptiert wird“, sagt er. „Das habe ich ganz anders erlebt.“ Er als Zugezogener verstehe sich blendend mit den Alt-Hammern. Aber auch mit den Neulingen: „Hier im Haus ziehen oft Leute ein und aus“, sagt er. „Wir sind sowas wie die Konstante.“ Das einzige, was nicht optimal ist: Der Stadtteil hat keinen Supermarkt. Zum Einkaufen fahren die Alsenz also weiterhin in den Hafen.