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Düsseldorf Grundschulen: Volle Klassen verunsichern Schüler

Schulen in Düsseldorf : Volle Klassen verunsichern Grundschüler

Zwei Wochen lang wird wieder täglich unterrichtet. Und im Ganztag darf es doch gemischte Gruppen geben. Auch dieser Punkt sorgt bei Lehrern und Eltern für Kritik. Einige fürchten ein zu hohes Ansteckungsrisiko.

Die Klassen sind wieder voll in der Düsseltaler Paulusschule. Dicht an dicht sitzen Richard (10) und Sophia (10) mit ihren 28 Klassenkameraden beieinander und arbeiten an ihren Aufgaben. Die Fenster sind durchgehend geöffnet und beide tragen Mundschutz, wie alle anderen Schüler und Lehrer an diesem Tag auch. Fast alle. Denn in der hintersten Reihe sitzen drei Klassenkameraden ohne Mundschutz. Kein Versehen, kein Zufall. Die Eltern haben der Schule gegenüber schriftlich erklärt, dass sie es genauso haben wollen. Einige wenige wiederum haben ihren Nachwuchs vorsorglich vom Unterricht abgemeldet – aus Sorge vor einem zu hohen Infektionsrisiko. „Es gibt in den Klassenräumen keine Mundschutzpflicht mehr. Manche Eltern wünschen sich das aber und wir versuchen, daran festzuhalten. Die Schüler fragen dann natürlich, warum sich nicht alle daran halten“, sagt Schulleiterin Monika Maraun.

Nein, ein ganz normaler Schultag ist dieser Montag, ab dem wieder alle Kinder täglich in ihre Grundschulen kommen dürfen, nicht. Vor allem die für den Klassenverband aufgehobenen Abstands- und Mundschutz-Regeln sorgen – neben der Freude über täglichen Präsenzunterricht – für Unsicherheit. Diese Sorgen kann Schuldezernent Burkhard Hintzsche verstehen. Dennoch findet es der Spitzenbeamte sinnvoll, vor den Ferien einen Betrieb mit täglicher Präsenz zu erproben. „Auf diese Erfahrungen kann man dann beim Start des neuen Schuljahrs aufbauen.“ Größere Probleme habe es am Montag aus Sicht des Schulträgers nicht gegeben.

In der katholischen Grundschule an der Fuldaer Straße in Eller gehen die Kinder eines Jahrgangs am Nachmittag in eine gemeinsame Ganztagsgruppe. Foto: Bretz, Andreas (abr)

Doch viele Kinder und Lehrer haben die Situation zumindest als widersprüchlich empfunden. Denn auch wenn sie nun plötzlich innerhalb der Klasse von den bislang unumstößlichen Corona-Standards ausgenommen sind, tritt der Mindestabstand spätestens beim Verlassen der Räume gleich wieder in Kraft. Tatsache ist: Vor der Klassentüre sind die Schüler nach wie vor an strenge Auflagen gebunden. So werden Schulbeginn und Pausenzeiten versetzt organisiert, um große Ansammlungen auf den Schulhöfen zu vermeiden. Und nicht jedem leuchtet ein, warum er nach dem ziemlich engen Beisammensein im Unterricht ausgerechnet beim Spielen im Freien wieder auf Abstand gehen muss.

Manche Lehrer der Paulusschule leiten die Kinder deshalb zu gemeinsamen, aber kontaktlosen Spielen in den Pausen an. Zwiegespalten sind auch einige Lehrer, wenn sie an den Endspurt bis zu den Ferien in knapp zwei Wochen denken. „Einige Schüler sind ja noch befreit, die werden dann weiter zuhause unterrichtet“, sagt Petra Thiel. Die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts sei zwar aus der pädagogischen Perspektive durchaus positiv zu werten. „Aber aus rein gesundheitlicher Sicht ist dieser Zustand eigentlich unverantwortlich“, meint die Pädagogin.

Die größte Kritik entzündet sich an diesem Tag aber an der Nachmittagsbetreuung, für die das Land das Konzept der strikten Trennung nach Klassen kurzfristig aufgehoben hat. Seit Mittwoch steht fest, dass Kinder dort, wo es nicht anders geht, im Offenen Ganztag in konstanten, aber gemischten Gruppen betreut werden dürfen. „Wir haben immerhin vier Gruppen für jeweils eine Jahrgangsstufe bilden können“, sagt Birgit Nösser, Schulleiterin der Grundschule Fuldaer Straße in Eller. Natürlich sei die Ansteckungsgefahr dadurch wieder größer. Dass jeweils ein Jahrgang eine OGS-Gruppe bildet, hat sie bewusst so entschieden. „So muss ich im Falle einer Infektion nur 50 Schüler in Quarantäne schicken und nicht alle 200.“

Nösser, die über jahrzehntelange Berufserfahrung verfügt, ist mit Blick auf das zweiwöchige Schulexperiment hin- und hergerissen. Man könne schon Kollegen und Eltern verstehen, die hinterfragen, ob die Öffnung kurz vor den Sommerferien überhaupt noch Sinn macht. Bei aller Kritik dürfe man aber auch die Perspektive der Kinder nicht außer Acht lassen. Das sieht Lehrerin Birte Reinhardt genauso: „Wir haben große Sorgen um die Kinder, die im Heimunterricht von ihren Familien nicht ausreichend begleitet werden können. Für die ist die tägliche Rückkehr an ihre Schule besonders wichtig.“

Meinung Was denken Sie über den Voll-Betrieb der Grundschulen kurz vor den Ferien? Und was halten Sie von gemischten OGS-Gruppen? Schreiben Sie an: duesseldorf@rheinische-post.de