Düsseldorf: Gewalt gegen Ärzte und Pfleger in Krankenhäusern nimmt zu

Attacken gehören zum Alltag: Die Gewalt in Düsseldorfer Krankenhäusern nimmt zu

Verbale Attacken gegen Ärzte und Pflegepersonal sind in den Düsseldorfer Kliniken inzwischen an der Tagesordnung. Die Häuser setzen vor allem auf Deeskalation. Auch die Stadt beklagt zunehmend Angriffe auf ihre Mitarbeiter.

Immer häufiger müssen sich Ärzte und Pflegepersonal in Düsseldorfer Krankenhäusern gegen verbale Attacken von Patienten wehren. Betroffene sehen einen Grund für das gestiegene Aggressionspotenzial in langen Wartezeiten, besonders in den Notaufnahmen. Offizielle Statistiken existieren nicht, weil für solche Übergriffe keine Meldepflicht besteht - eine Umfrage, die kürzlich im Gesundheitsausschuss präsentiert wurde, belegte aber Beleidigungen und Drohungen gegen Klinikpersonal. Die Kliniken organisieren Deeskalations-Trainings, setzen Alarmsysteme ein, teils sind Sicherheitsmitarbeiter im Einsatz.

"Die Bereitschaft zu verbalen Attacken hat stark zugenommen", sagt die Sprecherin der Sana-Klinik in Benrath, Katharina Stratos: "Das hat auf jeden Fall mit den teils langen Wartezeiten zu tun." Betroffen sei vor allem die Zentrale Notaufnahme, in der viele das Personal anpöbelten: "Und leider wird auch oft sofort gedroht." Auffällig sei, dass es regelmäßig die Begleiter der Patienten sind, die Ärzte und Pfleger angehen: "Die sorgen sich um Eltern oder Kinder und werden dann ausfallend." In ihrem Haus gibt es keinen Sicherheitsdienst.

Sicherheitsdienst in der Uni-Klinik hat mehr Arbeit

  • Bochum : 92 Prozent der Rettungskräfte im Einsatz angepöbelt
  • Düsseldorf : Ärztekammer fordert mehr Schutz für Rettungskräfte

Von einem zunehmenden Problem spricht auch der Sprecher der Uni-Klinik, Stephan Dreising. Auch hier sind es im Wesentlichen "Beleidigungen, Bedrohungen und Herabsetzungen", denen das Personal ausgesetzt ist - und zwar von Menschen aller Alters- und Bevölkerungsgruppen. In den Wartebereichen des größten Düsseldorfer Krankenhauses sind große Plakate angebracht worden, die fordern: "Keine Gewalt in unseren Kliniken". "Außerdem bieten wir Deeskalationstraining als fachliche Weiterbildung an." In der Uniklinik ist rund um die Uhr ein Sicherheitsdienst im Einsatz, der auch in der Notaufnahme regelmäßig Präsenz zeigt. Den gibt es zwar schon länger, doch wird er nun öfter gebraucht: "Es ist leider eine Entwicklung, die zunimmt", so Dreising - auch er weist auf die Wartezeiten in der Notaufnahme hin, die oft ein Auslöser seien.

Der Verwaltungsleiter des St.-Vinzenz-Krankenhauses, Paul Schneider, sagt: "Patienten verstehen oft nicht, warum andere vor ihnen dran sind." Das Warten sei aber ebenso wenig allein der Grund wie der soziale oder ökonomische Status: "Es lässt sich schwer eingrenzen." Glücklicherweise seien die Attacken vor allem verbaler Natur, fügt Schneider hinzu - aber auch diese belasteten die Mitarbeiter: "Sie wollen ja den Menschen helfen und sie nicht als potenzielles Risiko sehen." Auch sein Haus, das zum Verbund katholischer Kliniken (Vkkd) gehört, bietet Deeskalationstrainings an. Dass die Lage einer Klinik eine Rolle spielt, weiß er aus eigener Anschauung: So sei das näher an der Altstadt gelegene Marien-Hospital (ebenfalls Vkkd) an Samstagabenden öfter das Ziel von Patienten, die stark alkoholisiert sind oder unter Drogeneinfluss stehen. Dort ist tageweise Security im Einsatz.

Ein steigendes Gewaltpotenzial auch gegenüber Mitarbeitern der Stadt beklagt der städtische Gesundheits- und Personaldezernent Andreas Meyer-Falcke. Verbale Attacken und Drohungen häuften sich. Solche Übergriffe bringe man konsequent zur Anzeige, erklärte die Stadt gestern - zuletzt wieder am vergangenen Donnerstag, als ein Mann in der KFZ-Zulassungsstelle eine Bedienstete lautstark verbal angegangen habe. "Der alkoholisierte Kunde wurde von der herbeigerufenen Polizei präventiv angesprochen." Aus Meyer-Falckes Sicht handelt es sich um "ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, dass Menschen heute schneller Gewalt gegen andere richten". Das Deeskalationstraining der Kliniken sei der beste Weg, bei solchen Attacken gegenzusteuern: "Und wir müssen das Thema offensiv ansprechen."

(RP)
Mehr von RP ONLINE