Düsseldorfer Originale Die Killepitsch-Geschichte in Bronze

Düsseldorf · Hergestellt wird er aus 98 Kräutern, Beeren und Früchten, verkauft in der ganzen Welt: der Killepitsch. Peter und Tochter Katharina Busch haben jetzt die Historie des Unternehmens auf zwei aufwendig gestalteten Tafeln verewigt.

Peter Busch und Katharina Busch haben die Bronzereliefs von Rolf Kayser (l.) anfertigen lassen. Rund 50 Kilogramm schwer ist eine der Tafeln.

Peter Busch und Katharina Busch haben die Bronzereliefs von Rolf Kayser (l.) anfertigen lassen. Rund 50 Kilogramm schwer ist eine der Tafeln.

Foto: Marc Ingel

Der Killepitsch gehört ja zu Düsseldorf wie Altbier und der Schlossturm – mindestens. Die Anekdote rund um die Entstehung des Kräuterlikörs mit 42 Umdrehungen zur Zeit des Zweiten Weltkriegs ist dabei ebenso legendär wie die Firmengeschichte des aktuell vom Vater-Tochter-Gespann Peter und Katharina Busch (mittlerweile in fünfter Generation) geführten Unternehmens. Der Tradition verpflichtet und in dem Glauben, die Historie für nachfolgende Generationen bewahren zu müssen, entwickelte sich schon vor gut sechs Jahren im Hause Busch der Wunsch, beide Aspekte auf zwei großen Bronzetafeln zu verewigen. Die sollten am Killepitsch-Haus Flinger Straße 1 (gehört seit 1995 auch Peter Busch) sowie an einem der Pfeiler der Arkaden angebracht werden. Jetzt war es endlich so weit.

„Das hat im Vorfeld alles ganz schön lange gedauert und war zwischenzeitlich auch etwas chaotisch, umso glücklicher bin ich, dass es nun geklappt hat“, sagt Busch. An den Verzögerungen keine Schuld trägt sicherlich Kult-Kunstgießer Rolf Kayser, der mit seinem Team die 50 Kilogramm schweren Reliefs in seiner Werkstatt im Hafen in mühsamer Arbeit angefertigt hat. „Das war ein ganz schön diffiziler Job“, so Busch. Recht hat er, denn es gab neben der Bildumsetzung auch ganz schön viel Text, der in kleinen Buchstaben Niederschlag auf den Tafeln finden sollte. „Es musste aber auf jeden Fall etwas Hochwertiges sein, was die Leute unbedingt anfassen wollen und auch explizit dürfen“, sagt der Chef. Rund 20.000 Euro pro Relief investierte die Unternehmerfamilie dafür.

Die Bronzereliefs passen natürlich gut zum Retro-Ambiente des Kabuffs an der Flinger Straße, aus dem immer noch wie früher aus einem kleinen Fenster der Killepitsch gereicht wird. „Meist der 4cl-große, einen kleinen muss man extra bestellen“, sagt Busch, während gerade eine portugiesische Touristengruppe am Killepitsch Halt macht und andächtig durch die Luke schaut. Immerhin: Seit fast 70 Jahren wird hier Likör ausgeschenkt, das muss man gesehen haben in Düsseldorf. Trinken wollen die EM-Gäste aus Südeuropa – das große Glas kostet 4,80 Euro – um diese Zeit aber noch nicht, ist ja erst 10 Uhr.

„Wir haben hier alles bewusst so gelassen, wie es früher mal war“, berichtet der 62-Jährige. Natürlich wurde hier und da Hand angelegt, neue Kühlung, neue Beleuchtung, neue Toiletten, gerade die Pandemie bot dafür viel Zeit und Muße. Wie alt das markante Haus wirklich ist, darüber streiten die Experten, 18. Jahrhundert jedenfalls mindestens. Kameras wurden inzwischen ebenfalls angebracht – Vandalismus. „Einmal haben sie mir sogar das Killepitsch-Schild unter dem Arkadenbogen geklaut, keine Ahnung, wie die da rangekommen sind“, berichtet Busch.

Nachdem die alte Produktionsstätte in der Altstadt aus allen Nähten platzte, wird der hochprozentige Killepitsch seit 2005 in der gläsernen Fabrik im Medienhafen hergestellt und abgefüllt. Das ist schon deswegen gut so, weil der Kräuterlikör längst auch in Amerika und Asien gekauft und getrunken wird. Und es sind ja mit Applepitsch, Vodkapitsch und Ginpitch noch weitere Sorten hinzugekommen. Als Verkaufsschlager entpuppte sich die „Millenniumsedition“, jedes Jahr gibt es die Designflasche in einer anderen Farbe. „Dieses Jahr haben wir die Fans über Social Media abstimmen lassen“, erzählt Katharina Busch. Gewonnen hat türkis.

Aber noch einmal kurz zum Ursprung des Killepitsch, diese Geschichte kann man ja gar nicht oft genug erzählen. Willi Busch (dritte Generation) und das Altstadt-Original Hans-Müller Schlösser harrten während einer Bombennacht im Zweiten Weltkrieg im Luftschutzkeller aus, als die beiden sich schworen, gemeinsam einen zu heben, wenn sie hier lebend rauskommen: „Bevor sie uns dann doch noch killen, pitschen wir aber noch einen“. Es dauerte dann zwar doch noch ein paar Jahre, bis zur Eröffnung des Kabüffke der erste Killepitsch verkostet werden konnte. Aber das Rezept ist ja auch nicht ohne – und natürlich streng geheim.