Brüder aus Hamm Düsseldorfer Gartenbauer planen eigene Cannabis-Produktion

Düsseldorf · Benedikt und Dominik Baum sind Teil einer Allianz, die großflächigen Gras-Anbau plant. Ein möglicher Ort: Gewächshäuser in Düsseldorf-Hamm.

 Die Brüder Benedikt (l.) und Dominik Baum in einem Gewächshaus mit Hortensien: „Wir könnten eine eigene Cannabis-Produktion aufbauen.“

Die Brüder Benedikt (l.) und Dominik Baum in einem Gewächshaus mit Hortensien: „Wir könnten eine eigene Cannabis-Produktion aufbauen.“

Foto: Bretz, Andreas (abr)

Wer mit Benedikt und Dominik Baum über ihre Pläne spricht, versteht sehr schnell, dass die beiden keine Kiffer-Phantasien haben – sondern klare Vorstellungen, wie das mit dem Cannabis-Anbau in Düsseldorf klappen kann. Die Brüder sind Gartenbauer in verschiedenen Unternehmen, Benedikt spezialisiert sich auf Stauden und Zierpflanzen, Dominik ist Experte für Fruchtgemüse. Der eine pflanzt an, der andere erntet.

„Diese beiden Kompetenzen lassen sich bei Cannabis gut verbinden“, sagt Benedikt Baum. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder ist er der „Anbau-Allianz für Genusscannabis in Deutschland“ beigetreten, um bei der kommenden Legalisierung des bisherigen Betäubungsmittels vorne mit dabei zu sein – als Produzent.

Nach der Sommerpause stimmt die deutsche Politik darüber ab, ob und wie Cannabis in Deutschland legalisiert wird (siehe Infokasten). „Wenn der Gesetzesrahmen klar wird, wollen wir schnell reagieren und mit dem Anbau starten“, sagen die Baum-Brüder.

Noch gibt es hierzulande nur einen vergleichsweise kleinen Markt für medizinisches Cannabis, das Kiffen als reiner Genuss ist verboten. Aber höchstwahrscheinlich nicht mehr lange. Vor ein paar Wochen hat sich die Ampel-Koalition auf einen Entwurf des neuen Cannabisgesetzes geeinigt. Wenn der umgesetzt wird, ist der Anbau unter gewissen Auflagen erlaubt. Und genau darauf bereiten sich die Baum-Brüder vor.

Benedikt ist Chef einer Gärtnerei in Hamm, die mehr als 150 verschiedene Pflanzen-Gattungen anbaut. „Wir haben Gewächshäuser, Know-how und Erfahrung“, sagt der 34-Jährige. Der Plan für den Anfang: innerhalb der Gärtnerei ganze Gewächshäuser für den Bedarf von Cannabis-Pflanzen umbauen. Für Verdunklung sorgen, die Bewässerung und das Düngesystem anpassen. Ein Gewächshaus misst 2500 Quadratmeter, „da könnten mehrere tausend Pflanzen stehen“, sagt Benedikt Baum. Mehrere Ernten pro Jahr wären möglich.

Die getrockneten Blüten der weiblichen Hanfpflanze sind das, was der Volksmund „Gras“ nennt. Wie dieses Produkt geerntet wird, weiß Dominik Baum aus eigener Erfahrung: Er war während seines Studiums in Kolumbien und hat dort in einem Unternehmen legal Cannabis angebaut. „Das war ein großes Abenteuer“, sagt der 29-Jährige.

Abenteuerlich soll es aber eben nicht sein, was die beiden Brüder mit ihrem „Joint Venture“ in Hamm vorhaben. Im Gegenteil: „Wir können Pionierarbeit leisten, neue Standards setzen und den Markt von Anfang an mit aufbauen.“

Ein Gründer der Anbau-Allianz, der die Düsseldorfer Gartenbauer beigetreten sind, ist ein Studienfreund von Benedikt Baum. Tim Spieker aus Ibbenbüren verdient sein Geld bisher mit Hortensien. „Mit der Allianz schaffen wir die Voraussetzungen für den kommenden Cannabis-Verkauf an private Kunden“, sagt Spieker.

Benedikt und Dominik Baum sehen gleich drei mögliche Geschäftsmodelle für ihr geplantes Produkt. Die erste Idee ist an die bisherige Kernkompetenz von Benedikt angelehnt: „Endverbraucher können Pflanzen entweder direkt bei uns kaufen – oder über spezielle Abgabestellen“, sagt der Unternehmer. Statt Polsterstauden für Aldi gäbe es dann also Cannabis-Pflanzen für die Allgemeinheit. Drei pro Person sind als Höchstmenge im Gesetz angedacht.

Eine zweite Option wäre die Ernte des Blütenstandes inklusive Verarbeitung und Weiterverkauf. Hier läge die Expertise mehrheitlich bei Dominik, der aktuell als Produktionsmanager in einer Großgärtnerei mit Fokus auf Tomaten, Gurken und Paprika arbeitet. Und die dritte Möglichkeit für das „Canna-Business“ der Baum-Brüder? Der Anbau im Auftrag von Vereinigungen, die Marihuana laut Gesetzentwurf an ihre Mitglieder weitergeben dürfen. „Momentan ist noch alles vage, aber viel vorstellbar“, sagt Benedikt Baum.

Ob das Geschäft mit Gras lukrativer wäre als der Verkauf von Stauden und Gemüse, weiß er noch nicht. Die Kosten für Auflagen, Besteuerung, Zertifikate – das müsse das Gesetz zeigen. „Klar wollen wir am Ende mit Cannabis Geld verdienen“, sagt Baum. „Aber nicht auf die Schnelle, sondern langfristig, sicher und qualitativ hochwertig.“

Und wenn der Produktionsstart in Hamm berauschend anläuft, müsse man für den großflächigen Anbau auch nach einem anderen Standort suchen. „Anders geht es nicht, wenn wir das wirklich ernst nehmen.“

Das tun die beiden Brüder definitiv. Läuft alles nach Plan, könnte die familiäre Kompetenz für gesunde, stabile und gut schmeckende Pflanzen den Cannabis-Anbau zum Erfolg bringen. Nur bei einer Sache wollen Benedikt und Dominik ihre Erfahrung nicht einsetzen. „Klar waren wir auch mal jung und haben was ausprobiert“, sagen sie. „Aber wir interessieren uns eher für den Anbau als für den Konsum.“ Daher wollen die beiden den Geschmackstest ihres neuen Produktes lieber Fachleuten überlassen – sogenannten Cannabis-Sommeliers.

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