1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf

Düsseldorf: Fünf Lehren aus dem Ed-Sheeran-Fiasko

Nach der Konzertabsage : Fünf Lehren aus dem Ed-Sheeran-Fiasko

Das war’s mit dem Open-Air-Konzert von Ed Sheeran in Düsseldorf. Die ersten Erkenntnisse aus der emotionalen Debatte.

Mehr als drei Stunden nahmen sich die Ausschüsse des Rats Zeit - bevor sie das beschlossen, was alle erwartet hatten. Dabei konnte man viel darüber erfahren, woran das Konzert gescheitert ist und was die Stadtpolitik derzeit prägt.

1. Mit Bäumen ist nicht zu spaßen Für die Konzertplaner waren die 104 Baumfällungen zunächst eine Randnotiz. Ein entscheidender Fehler. Die Menschen sind empfindlicher geworden, wenn es um Naturschutz geht, und das quer durch die politischen Lager. Orkan Ela und die Debatte um Luftverschmutzung und Diesel-Fahrverbote haben dazu beigetragen. Das hatte 2017 schon die Metro mit ihrem Pavillon am Rheinufer schmerzhaft lernen müssen, für den vier Bäume gefällt wurden. Die Befürworter des Konzerts haben zu spät reagiert: Als die Idee der Baumspenden kommuniziert wurde, hatte sich bereits eine Front der Ablehnung gebildet – ein mahnendes Beispiel für jedes Planungsprojekt.

2. Das Konzertdesaster war vor allem ein Kommunikationsdesaster Hätte, würde, könnte – das waren Worte, die oft zu hören waren: Grundsätzlich hätte sich eine Mehrheit für das Gelände gefunden. Auch ein Konzert von Ed Sheeran könnte sich der Rat natürlich vorstellen. Und auf die Sheeran-Posse hätten vermutlich vor allem die Grünen, die zuletzt Druck von allen Seiten bekamen, gern verzichtet. Die Frage, wer wann was verpasst hat, beantworteten die Fraktionen naturgemäß unterschiedlich. Klar ist: Die Bekanntgabe, bevor zumindest die Grünen im Boot waren, war ein entscheidender Fehler. Auf eine Erkenntnis von FDP-Ratsfrau Monika Lehmhaus können sich vermutlich alle einigen. Sie kritisierte, dass nicht schon im Februar oder März die Entscheidungsfindung stattgefunden hat. „Dann hätte sich die Verwaltung zig Stunden Arbeit sparen können.“

  • Die Fans von Ed Sheeran, hier
    Konzert in Düsseldorf? : Veranstalter beruhigt Ed-Sheeran-Fans
  • Andrea Vogelgesang von der Baumschutzgruppe wollte
    Düsseldorf : Keine Mehrheit für Ed-Sheeran-Konzert
  • Für das Konzert von Ed Sheeran
    Streit um Konzert in Düsseldorf : Sheeran-Absage würde Millionen kosten
  • Planungen in Düsseldorf : Politik hat noch viele Fragen zum Ed-Sheeran-Konzert
  • Thomas Geisel bei einer Pressekonferenz am
    Hoffnung für Fans : Entscheidung zu Ed Sheeran-Konzert wird verschoben
  • Der Sänger Ed Sheeran diesen Jahres
    Genehmigung fehlt noch : Fans zittern um Ed-Sheeran-Konzert in Düsseldorf

3. Die CDU will die Partei der Bürgerversteher sein Man muss die Debatte auch als frühen Auftakt für den Kommunalwahlkampf 2020 lesen. Die Lust aller Parteien, für die eigene Klientel unbequeme Entscheidungen mitzutragen, hat bereits abgenommen. Die CDU-Opposition verfolgt zudem die Strategie, als Anwalt der Bürger aufzutreten – mit einer ähnlichen Taktik erlangten die Sozialdemokraten 2014 ein gutes Ergebnis. CDU-Fraktionschef Rüdiger Gutt nannte in seiner Begründung für die Ablehnung als erstes die Sorge vor Lärmbelästigung für Anwohner. In Bezug auf die Fällungen kritisierte er mangelnde Bürgerbeteiligung. „Ich würde sofort eine Veranstaltung mit Bürgern einberufen“, sagte Gutt. Zudem nahm er die Angst des Nordens vor einem Verkehrskollaps auf. Diese Überlegungen sorgten für Spott beim ehemaligen Koalitionspartner. Manfred Neuenhaus (FDP) warf Gutt vor, dass der CDU der Mut fehle. Sie sei abgekommen vom Kurs aus Tagen der schwarz-gelben Mehrheit, als man den Standort stärken wollte - ein Richtungsstreit, der auch in der CDU drohen könnte. Neuenhaus: „Wir hätten so ein Konzertgelände früher gemeinsam gemacht.“

4. Für Düsseldorf war die Posse verheerend Die Stadt steht mit einem peinlichen Fehlschlag in den Schlagzeilen. Dass Düsseldorf nach außen nicht das Bild vermittelt hat, das man sich wünscht, wissen alle Beteiligten. Und in der Stadt ist nach der Tour de France erneut ein Thema so heftig diskutiert worden, dass sich tiefe Gräben bildeten. „Sie haben schon wieder die Stadtgesellschaft gespalten“, sagte CDU-Ratsherr Andreas-Paul Stieber zu OB Thomas Geisel - der entgegenhielt, er habe das Gespräch gesucht.

5. Ob das Open-Air-Gelände kommt, ist fraglich Die Vorbereitungen sollen weitergehen, jetzt mit einem Bebauungsplanverfahren inklusive Bürgerbeteiligung und tiefergehender Gutachten. Die Frage ist, ob die Veranstalter noch wollen. Die Branchengröße FKP Scorpio wird Düsseldorf vermutlich nicht so schnell wiedersehen. Die Absage sei eine Premiere in den 30 Jahren als Konzertveranstalter, teilte man mit. „Auch vor diesem Hintergrund hält es der Veranstalter für unverantwortlich, wie unter der mutwilligen Inkaufnahme eines erheblichen Imageschadens für die Stadt eine auf Desinformation basierende und politisch motivierte Entscheidung getroffen wurde.“