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Moskauer Bürgermeister: Düsseldorf-Freund Luschkow wackelt

Moskauer Bürgermeister : Düsseldorf-Freund Luschkow wackelt

Die Tage des Moskauer Rathaus-Chefs Juri Luschkow scheinen gezählt: In den russischen Medien wird ungewohnt offen über die Verfehlungen des bulligen Politikers berichtet, auch seine milliardenschwere Frau geriet ins Visier. Zu Düsseldorf hatte Luschkow einen engen Draht.

Wenn Düsseldorfs OB Dirk Elbers demnächst wieder nach Moskau reist, um in der Partnerstadt über Kooperationen der wirtschaftlichen oder kulturellen Art zu sprechen, dann wird ihm am Tisch vermutlich nicht mehr Juri M. Luschkow gegenübersitzen. Denn der dortige Chef des Rathauses ist ins Visier der noch Mächtigeren geraten und liegt seit Wochen unter einem ungewöhnlich offenen Beschuss vor allem staatlicher Medien.

Besonders seine Frau wird dabei erwähnt: Sie hat eine der größten Baufirmen des Landes, soll ein Vermögen von 2,7 Milliarden Euro angesammelt haben und in Moskau eine ganze Reihe von Grundstücken in Toplagen besitzen. Beobachter rechnen damit, dass Luschkow bald sein Amt aufgeben wird. Vorgeworfen wird ihm zum Beispiel, während der großen Brände im Sommer in den Alpen Urlaub gemacht zu haben.

Seit 18 Jahren besteht die Partnerschaft zwischen Moskau und Düsseldorf, und beide Städte haben davon profitiert. Das hat zwischen Ende 1999 und 2008 nicht zuletzt an der Beziehung gelegen, die der damalige OB Joachim Erwin zu Luschkow hatte: Die beiden kamen gut miteinander klar, und mehr als einmal erzählte Erwin gern, wie er bestimmte Probleme mit "meinem Freund Juri" sehr schnell aus der Welt schaffte oder mit ihm aus Ideen wirtschaftliche Realität machte.

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Juri, der Freund, zeigte sich auch gern dankbar und ließ sich nicht lumpen. Wenn Erwin in Moskau unterwegs war, stellte der mächtige Chef im Rathaus auch schon mal eine dieser legendären schwarzen Sil-Limousinen zur Verfügung.

War der Gast aus Düsseldorf in Eile, gab es ohne weiteren Verwaltungsaufwand einen vorne wegfahrenden 5er BMW der Moskowiter Polizei plus Motorradfahrer, die die Straßen freimachten und Kreuzungen sperrten, damit der Gast aus Düsseldorf schnell zum nächsten Termin oder rechtzeitig zum Flughafen kam. Freundschaftsgesten, die beim Besucher gut ankamen. Kam Luschkow an den Rhein, wurde er hier mit großen Ehren empfangen. Er schätzte die Einkaufsmöglichkeiten in Düsseldorf, die Hotels — aber auch die Fähigkeiten und Angebote hiesiger Kliniken.

Zuletzt war Elbers im Juni an der Moskwa und unterzeichnete ein Abkommen über die noch engere Zusammenarbeit der Städte. Anlass waren die 10. Düsseldorfer Wirtschaftstage in der russischen Hauptstadt, zu denen in den Jahren immer mehr Vertreter hiesiger Unternehmen und Politiker anreisten.

Ebenfalls seit Jahren wachsend sind die Beziehungen der Messe in die Metropole Russlands. Es gibt viele Querverbindungen und Beteiligungen, mehrere Hallen wurden durch oder mit Hilfe der Düsseldorfer Messegesellschaft gebaut, man hat eine eigene Tochtergesellschaft in Moskau und veranstaltet dort mit wachsendem Erfolg verschiedene Messen.

Vor allem jedoch die Igedo freut sich über die Moskauer Filiale: Dort wurden in den Boom-Jahren die Umsätze gemacht, die man am Rhein brauchte, um das Ergebnis zu verbessern. Während der Finanzkrise gab es zwar einen Knick in der Erfolgskurve, aber unterm Strich glaubt man an die Zukunft des Standortes.

(RP)