Düsseldorf: „Frauen tun der Kirche gut“

Kirche in Düsseldorf : „Frauen tun der Kirche gut“

Als Gemeindereferentin in Urdenbach kümmert sich Annemarie Kricheldorf um Schulgottesdienste, Erstkommunion und Gemeindearbeit. Selbst vor dem Altar stehen würde sie aber nicht so gern.

Eigentlich ist der Aufgabenbereich der Seelsorge innerhalb einer katholischen Gemeinde eine reine Männeraufgabe. Zumindest, was den zeremoniellen Teil betrifft. Die Taufe, eine Vermählung, die Erteilung der Sterbesakramente oder die Eucharistie während des Gottesdienstes – Aufgaben, die nur den Pfarrern und Diakonen überlassen sind. Doch auch die katholische Kirche unterliegt dem Wandel der Zeit, weshalb seit den Beschlüssen des Zweiten Vatikanischen Konzils 1965 auch Frauen Teil des Pastoralteams werden können.

So wie es in der Gemeinde Benrath-Urdenbach auch schon seit mehreren Jahren der Fall ist. Als Gemeindereferentin steht Annemarie Kricheldorf sonntags zwar nicht vor dem Altar, dafür kommt ihr religionspädagogisches Studium in anderen Situationen zum Einsatz.

„Glauben erlebbar und fühlbar zu machen, um ihn gemeinsam entdecken zu können“ – so zumindest lautet der Grundsatz, nach dem Kricheldorf seit 21 Jahren ihrem Beruf nachgeht. Der gebürtigen Freiburgerin obliegt vor allem die Glaubensvermittlung bei Kindern und Jugendlichen in ihrer Gemeinde. Sie ist zuständig für das Kleinkinderpastoral in Kindergärten, leitet die Vorbereitungsphase zur Erstkommunion und kümmert sich um die Schulgottesdienste. In der Praxis heißt das unter anderem, dass sie regelmäßig an Schulen und den fünf Kindertagesstätten der Gemeinde ist, um religionspädagogische Arbeit zu verrichten. Das können kleine Projekte sein, mit denen biblische Szenen oder die Zeit, in der Jesus lebte, anschaulich vermittelt werden – beispielsweise durch das Kochen landestypischer Spezialitäten mit den Kindern.

„Die Entwicklung des Glaubens von Kindesbeinen an zu verfolgen, finde ich sehr spannend. Kinder stehen dem Thema nämlich ganz anders zugänglich gegenüber als Erwachsene. Da können wir in Glaubensfragen manchmal sogar von ihnen lernen“, sagt Kricheldorf. Dies fiel ihr schon früh bei ihren ersten Gemeindetätigkeiten in der Jugendarbeit ihrer Gemeinde auf. „Also dachte ich, mach’ doch dein Hobby zum Beruf.“ Über die Jugendarbeit hinaus wurde sie zudem Referentin für Präventionsschulungen gegen sexualisierte Gewalt und Missbrauch im ganzen Erzbistum Köln.

Nicht nur vor diesem Zusammenhang gewinnt auch die Debatte, kirchliche Ämter und spezifische Dienste innerhalb der katholischen Kirche auch Frauen zugänglich zu machen, wieder mehr an Brisanz. Vor einem Jahr schlossen sich verschiedene katholische Frauenbünde sowie das Zentralkomitee der deutschen Katholiken im Rahmen eines Kongresses in Osnabrück für eine Forderung zusammen, die eine erneuerte Ausgestaltung der kirchlichen Ämter beinhaltet und eben jene Öffnung für Frauen auch in zeremonielle Dienste ermöglichen könnte.

Machtmissbrauch sei eine der zentralen Ursachen, argumentierten die Wortführer auf Basis der sogenannten MHG-Studie, die im Auftrag der katholischen Kirche für mehr Transparenz und Klarheit im Falle der Missbrauchsvorwürfe sorgen sollte.

„Der Weg in die Zukunft der Kirche führt nur über einen spürbaren Strukturwandel und ein damit verbundenes partnerschaftliches und anerkennendes Miteinander von Männern und Frauen in der Kirche“, lautet der Schlusssatz dieser „Osnabrücker Thesen“.

Für Kricheldorf sei das ein Grundsatz-Thema, die sie allein nicht beantworten könne. Ob dann sonntags ein Mann oder eine Frau die Riten in der Kirche durchführen solle, sei bei dieser Debatte nicht zielführend. Sie selber würde es nicht machen wollen. „Wichtig ist eher, dass sich die Kirche für die Zukunft nahbarer macht. Wir haben schließlich so viele Menschen, die nicht mehr mit Gemeinde in Berührung kommen. Frauen tun der Kirche dabei gut, weil sie ihr nach außen hin ein neues Gesicht geben. An dieser Stelle sollten wir gemeinsam schauen, wie wir die Leute noch mehr ermutigen können, sich in die Gemeinde einzubringen.“

Denn das ist – mit Ausnahme der geistlichen Seelsorge – auch in der katholischen Kirche möglich.

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