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Düsseldorf: Flüchtlinge bald in früheren Vodafone-Gebäuden

Düsseldorf : Bald Flüchtlinge in Ex-Vodafone-Bauten

Angesichts der steigenden Zahl von Asylsuchenden stellt das Land auch leerstehende eigene Immobilien als Unterkunft zur Verfügung. In Düsseldorf werden die Gebäude von Peter Behrens und Hans Väth am Mannesmannufer vorbereitet.

In diesem Gebäude wurde deutsche Wirtschaftsgeschichte geschrieben: Klaus Esser, damals Vorstandsvorsitzender von Mannesmann, hatte im zweiten Stock des denkmalgeschützten Hauses am Düsseldorfer Rheinufer, das nach dem Weltunternehmen benannt ist, sein Büro. Esser stimmte der Übernahme der Mannesmann AG durch Vodafone zu - das gerichtliche Nachspiel endete mit umstrittenen Freisprüchen.

Seit dem Umzug des Mobilfunk-Konzerns auf den Campus im Linksrheinischen steht das Denkmal leer, ebenso wie der Väth-Bau an der Rückseite und der so genannte Neubau aus den 1980er Jahren gleich nebenan. Trotz der Exklusiv-Lage war es für das Land, dem der gesamte Komplex gehört, schwierig, neue Mieter für die Gebäude zu finden.

Im so genannten Neubau aus den 1980er Jahren soll nur das Erdgeschoss für den Speisesaal (hier zu sehen) und die Essensausgabe genutzt werden. Foto: Bretz, Andreas (abr)

Bald ziehen neue Nutzer ein: Derzeit werden Teile der Gebäude zu einer Notunterkunft für Flüchtlinge umgebaut. Am Ende soll Platz für mehrere hundert Menschen entstehen. Wann sie einziehen? "So schnell wie möglich", sagt William Wolfgramm, Sprecher der Bezirksregierung Düsseldorf. Jedoch seien noch Umbauten nötig, unter anderem wegen des Brandschutzes. Sobald Details und der Zeitplan feststehen, werden Bezirksregierung und Stadt zu einer Informationsveranstaltung für Anwohner einladen. Dass ein Filetstück wie dieses vom Land für die Flüchtlingsunterbringung zur Verfügung gestellt wird, sei ein starkes Signal, sagt Wolfgramm.

Der Peter-Behrens-Bau steht direkt an der Rheinuferpromenade. Foto: Bretz, Andreas (abr)

Das Land lässt angesichts der Engpässe bei der Unterbringung von Flüchtlingen derzeit sämtliche leerstehenden Immobilien im Bestand des landeseigenen Bau- und Liegenschaftsbetriebs BLB prüfen. Die Gebäude am Rheinufer haben sich als besonders geeignet erwiesen: guter Bauzustand, kurzfristig nutzbar, ohne allzu großen Umbauaufwand, zudem mit guter Infrastruktur und zentral gelegen, zählt Wolfgramm die Gründe auf.

Das Foyer des denkmalgeschützten Behrens-Baus. Die frühere Chef-Zentrale von Mannesmann wird auf vier Etagen zur Flüchtlingsunterkunft. Foto: Bretz, Andreas

Die Düsseldorfer Firma RGM Facility Management baut die Gebäude derzeit um: Im Neubau wird ein 600 Quadratmeter großer Raum zum Speisesaal, gekocht werden soll nicht, aber der Caterer kann die benachbarte Großküche zur Essenausgabe nutzen. Über eine verglaste Brücke im ersten Stock ist der künftige Wohnbereich im Väth- und Behrens-Bau zu erreichen.

Dort stehen auf vier Etagen rund 6500 Quadratmeter für die neue Notunterkunft zur Verfügung. Die Räume, zwischen 13 und 300 Quadratmeter groß, werden noch mit Trockenestrich ausgelegt, haben Fenster zum Rhein oder zum Spee'schen Graben. Die Treppengeländer werden mit Lochblechen und 1,20 Meter hohen Handläufen versehen.

Im Erdgeschoss kann die frühere Betriebs-Kita als Spiel- und Betreuungsbereich für die Flüchtlingskinder genutzt werden. "Der Vorteil dieses Gebäudes ist, dass es Sanitärbereiche gibt, in denen schon Toiletten vorhanden sind oder die wir mit Duschen ausstatten können", sagt Ralf Jira, Geschäftsführer von RGM, der den gesamten Umbau koordiniert. 40 Duschen wurden bestellt, hinzu kommen 70 bis 80 Toiletten. Auf jeder Etage werden zudem 400 Liter fassende Wasserspeicher aufgebaut.

Und das Büro von Klaus Esser? Bleibt auch weiterhin unbewohnt.

Hier geht es zur Infostrecke: Kosten für Flüchtlinge: Die wichtigsten Antworten

(RP)