Explosion in Düsseldorf-Flingern Verletzte schwebt nach Brand noch immer in Lebensgefahr

Düsseldorf · An Tag sechs nach dem verheerenden Brand in Düsseldorf-Flingern ist der Zustand einer verletzten Bewohnerin weiterhin kritisch. Die Polizei hat das Gebäude mittlerweile wieder freigegeben.

Brand in Düsseldorf: Aufräumarbeiten nach tödlichem Feuer
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Aufräumarbeiten nach tödlichem Brand in Düsseldorf-Flingern

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Foto: Uwe-Jens Ruhnau

Drei Menschen sind bei einem Brand in einem Düsseldorfer Wohnhaus gestorben, 16 Personen wurden verletzt, zum Teil schwer. Eine Frau schwebt auch sechs Tage nach der Explosion mit anschließendem Feuer weiterhin in Lebensgefahr. Ihr Zustand sei noch immer kritisch, sagte Staatsanwalt Martin Stücker. Andere Verletzte durften die Kliniken mittlerweile wieder verlassen. Einige waren nur wenige Stunden zur ambulanten Behandlung in Krankenhäusern.

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln in dem Fall wegen Mordes und Brandstiftung. Dabei prüfen die Ermittler auch, ob der Betreiber des Kiosks im Erdgeschoss für den Brand verantwortlich sein könnte. Auf dem Boden des Ladenlokals hatten die Ermittler deutliche Hinweise auf Brandbeschleuniger, in diesem Fall Benzin, gefunden. Es besteht der Verdacht, dass der 48-Jährige, der selbst zu den Todesopfern zählt, seinen Kiosk angezündet haben könnte. „Natürlich ermitteln wir in diese Richtung“, sagte der Staatsanwalt.

Düsseldorf: Fotos von Explosion und Brand in Flingern
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So verheerend war der Brand in Düsseldorf-Flingern

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Foto: Verena Kensbock

Dabei werde auch untersucht, ob ein gekündigter Mietvertrag ein mögliches Motiv für die Brandstiftung gewesen sein könnte. Etwa eine Woche vor dem Feuer soll dem 48-Jährigen die Kündigung ausgesprochen worden sein. Zum Ende des Jahres hätte er das Ladenlokal räumen müssen. Auch könnte eine psychische Erkrankung des Mannes eine Rolle gespielt haben. Beides werde nun geprüft, sagte Stücker, etwa durch Zeugenbefragungen und die Auswertung digitaler Speichermedien wie Handys oder Laptops.

Bislang habe sich der Verdacht auf eine Täterschaft aber nicht endgültig bestätigt, so der Staatsanwalt. Sollte sich dieser Ansatz im Laufe der Ermittlungen bewahrheiten, würde das Verfahren eingestellt. Laut Gesetz ist der Tod ein Verfahrenshindernis.

Die Ermittler beschäftigt auch, warum eines der Todesopfer Stich- und Schnittverletzungen hatte, die weder von der Explosion noch vom Feuer stammten. Die Verletzungen waren aber nicht tödlich, der 55-Jährige starb an einer Rauchvergiftung in seiner Wohnung. Noch sei nicht klar, wie diese Verletzungen zustande gekommen sind, die Staatsanwaltschaft will eine Fremdeinwirkung nicht ausschließen. Mit der Theorie, es könnte sich um eine Gewalttat und eine anschließende Vertuschung handeln, stimmten sie jedoch nicht überein, so Stücker.

Die Polizei hatte das Haus an der Ecke Grafenberger Allee und Lichtstraße bereits am Freitag wieder freigegeben. Alle Wohnungen sind nach dem Feuer unbewohnbar, das Gebäude ist aber nicht einsturzgefährdet. Die Bewohner sollen am Wochenende die Möglichkeit bekommen haben, persönliche Sachen aus den Wohnungen zu holen, sofern diese nicht zerstört sind.

Die Stadt Düsseldorf hatte am Donnerstag gleich nach dem Brand 43 Schlafplätze in Hotels und Appartements bereitgehalten. Eine vierköpfige Familie, die ebenfalls in einer Klinik behandelt wurde, wollte das Angebot nach ihrer Entlassung nutzen, teilte die Stadt mit. Alle anderen Betroffenen sind privat, bei Familienangehörigen oder Freunden, untergekommen.

Wie es mit dem Gebäude mit der markanten Efeu-Fassade weitergeht, ist bislang nicht bekannt. Offenbar gibt es eine Eigentümergemeinschaft, auf die sich die Wohnungen verteilen, und eine Hausverwaltung. Diese müssen nun über die nächsten Schritte entscheiden.

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