Fahrradladen in Düsseldorf-Flingern Dieser Multimillionär rettet Fahrrad.de aus der Insolvenz – er war einst der Gründer

Düsseldorf · In einem Fahrradgeschäft in Flingern Süd läuft bis Ende April der Räumungsverkauf, mit Rabatten bis 80 Prozent. Danach wird es dort aber weitergehen.

Die Filiale von Fahrrad.de an der Ronsdorfer Straße.

Die Filiale von Fahrrad.de an der Ronsdorfer Straße.

Foto: Maximilian Nowroth

Die Plakate im Schaufenster schreien einen in Großbuchstaben an: „Alles muss raus, wir schließen diese Filiale“. Rabatte werden in grellen Farben versprochen, „bis zu 80 Prozent vom Originalpreis“. Im Eingangsbereich liefert ein Aufsteller den Countdown: „Nur noch 8 Tage“. Und dann?

Wer die Filiale der Handelskette Fahrrad.de an der Ronsdorfer Straße in Flingern Süd besucht, bekommt auf den ersten Blick Endzeitstimmung. Tatsächlich aber wird der Standort nach dem Räumungsverkauf nicht etwa geschlossen, sondern es geht ab Mai nahtlos weiter. Mit neuem Sortiment, unter altem Namen – und mit einem neuen Eigentümer.

 Fassade der Filiale von Fahrrad.de in Lierenfeld: Der Mietvertrag wurde um fünf Jahre verlängert.

Fassade der Filiale von Fahrrad.de in Lierenfeld: Der Mietvertrag wurde um fünf Jahre verlängert.

Foto: Maximilian Nowroth

Bisher gehörte die Marke Fahrrad.de zur Internetstores Group, die wiederum zu einer Gesellschaft namens Signa Sports United gehört. Das ist eines der vielen Handelsunternehmen von René Benko – und war das erste Opfer in einer ganzen Reihe von Insolvenzen des Österreichers. Internetstores ist seit Herbst pleite, weil Benko kein Geld mehr nachschoss und damit auch das Fahrradgeschäft komplett aus der Spur brachte. Jetzt kommt wieder Fahrt rein.

Der schwäbische Multimillionär René Marius Köhler, der Fahrrad.de einst gegründet und später an Signa verkauft hatte, übernimmt das Unternehmen nun wieder – und damit auch den Laden und die Belegschaft in Düsseldorf. Das hat Köhler unserer Redaktion am Mittwoch telefonisch bestätigt. „Seit gestern haben wir alle Verträge neu abgeschlossen und können sicher sagen, dass es weitergeht“, sagt Köhler. Er übernimmt fünf Filialen in Deutschland, darunter auch die an der Ronsdorfer Straße.

 Der Räumungsverkauf läuft noch bis Ende April: „Der Insolvenzverwalter will alles rausholen.“

Der Räumungsverkauf läuft noch bis Ende April: „Der Insolvenzverwalter will alles rausholen.“

Foto: Maximilian Nowroth

Vergangene Woche wurde dort der Mietvertrag unterzeichnet, die Laufzeit liegt bei fünf Jahren. Köhler hatte sich auch schon der Belegschaft vorgestellt, dort sei die Stimmung jetzt wieder gut, sagt der Filialleiter. Vorher hatten einige Mitarbeiter gekündigt, weil die Zukunftsperspektive so lange unsicher war.

Aktuell wird auf der rund 500 Quadratmeter großen Verkaufsfläche noch das alte Sortiment verschleudert, weil der Insolvenzverwalter möglichst viel Geld für die Gläubiger herausholen will. Manche E-Bikes sind um Tausende Euro reduziert, Straßen-Rennräder kosten nur die Hälfte. Ab Mai übernimmt Köhler den Rest, „zunächst starten wir mit einem zerfledderten Sortiment“. Dann soll der Fokus auf einer Handvoll Marken liegen, darunter Cube und Kalkhoff. Alle fünf Vollzeitmitarbeiter bekommen neue Arbeitsverträge, das Gehalt werde deutlich erhöht. Im Schaufenster müsste also eigentlich der alte Spruch stehen: „Alles muss sich ändern, damit vieles so bleibt, wie es ist.“

Hinweis aus der Redaktion: In einer ersten Version des Textes stand, dass der Fahrradladen in Lierenfeld liegt. Richtig ist, dass sich die Ronsdorfer Straße im Stadtteil Flingern Süd befindet. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

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