Düsseldorf: Fifty Fifty spendet Bänke am Lessingplatz

Angeblich in Restaurierung: Fifty Fifty stiftet neue Bänke für Arme

Die Stadt hat die alten Sitzgelegenheiten am Lessingplatz entfernt – angeblich zur Restauration. Nun hat die Obdachlosenhilfe den armen Menschen, die diese Bänke hauptsächlich genutzt haben, eine Alternative geschaffen.

„Seit über 50 Jahren kommen wir hier her. Hier treffe ich meine Freunde, trinke mein Bier, bespreche meine Probleme. Das hier ist meine Kneipe – denn eine echte Kneipe kann ich mir nicht leisten.“ Für Bernd Nietsch ist der Lessingplatz in Oberbilk eine der wenigen Möglichkeiten, seine Freizeit zu gestalten. Denn Bernd Nietsch und das halbe Dutzend Männer und Frauen, die sich regelmäßig zwischen einem leerstehenden Kiosk und der Kirche St. Apollinaris treffen, sind arm.

Vor einigen Jahren sei es hier noch besser gewesen, erzählen die Männer, die alle in ihren 50ern und 60ern sind. Der Kiosk sei noch bewirtschaftet gewesen, man habe sich das Bier leisten können, und öffentliche Toiletten habe es auch gegeben. Bernd Nietsch, der früher Wirt war, erzählt, wie der Platz sich entwickelt habe. Zunächst habe der Kiosk zu gemacht. Danach folgten die Toiletten. Um die Klos am Kiosk haben sich die Freunde selbst gekümmert, sie sauber gemacht und gewartet. Jetzt gibt es nur noch öffentliche Toiletten auf der anderen Seite des Platzes. Diese werden jedoch von der Stadt betreut und am Nachmittag abgeschlossen. So kam es schon dazu, dass Nietsch und die Anderen zum Wildpinkeln gezwungen waren. Das gab Ärger mit dem Ordnungsamt.

Dann entfernte das Gartenamt die Bänke. Die Männer behalfen sich, trugen lose Bänke von der anderen Seite des Platzes herüber. Vor einigen Wochen wurden auch diese abtransportiert. Angeblich zur Restauration. Nietsch glaubt dieser Aussage nicht.

Oliver Ongaro, Streetworker für die Obdachlosenhilfe Fifty Fifty, erhebt Vorwürfe: „Die Stadt will es den Menschen hier absichtlich unbequem machen“, sagt er. Seine Organisation hat drei neue Bänke neben dem alten Kiosk aufgestellt hat. „Nimm dir deine Straße zurück“ steht auf einer davon. „Düsseldorf ist eine reiche Stadt, es ist einfach falsch, arme Menschen so zu behandeln“, sagt Ongaro. Er will mit der Stadt in einen Dialog treten, es dürfe keine Verdrängungskultur geben. „Für arme Menschen gibt es bei der Stadt keinen Ansprechpartner, das wollen wir ändern“, sagt Ongaro.

Denn Probleme machen die Männer, die dort ihr Bier trinken, nicht. „Im Gegenteil, man fühlt sich sicher“, sagt Anwohnerin Emma Schneider, die Nietsch und die Anderen inzwischen gut kennt. Die Seniorin geht täglich mit ihrem Hund am Lessingplatz spazieren, manchmal setzt sie sich und plauscht mit den Männern. „Wenn die Jungs nicht mehr wären, wird bald mit Drogen gehandelt“, sagt Schneider. Bernd Nietsch reflektiert die Situation: „Oberbilk ist eben kein repräsentativer Stadtteil, es gibt viele Migranten, viele arme Menschen. Anderswo putzt sich Düsseldorf heraus, und hier versucht man, Schandflecke zu beseitigen.“ Er versteht jedoch nicht, warum gerade er und seine Freunde betroffen sind: „Wir stören hier niemanden, wir räumen unseren Dreck weg, und ich würde sagen, wir passen sogar ein bisschen auf den Platz auf“, so Nietsch. Trotzdem werde ihnen von der Stadt immer mehr Komfort an ihrem Stammplatz weggenommen. Von der städtischen Pressestelle heißt es: „Die beiden Bänke werden nach Überarbeitung zeitnah wieder aufgestellt werden.“ Danach, so heißt es, müssen die von Fifty Fifty gestifteten Bänke wieder abgebaut werden. Bernd Nietsch ist egal, auf wessen Bank er sitzt, Hauptsache, er kann sitzen. Denn für ihn und seine Freunde ist der Lessingplatz mehr als nur der Ort, an dem sie ihr Bier trinken.