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Düsseldorf: Feuerwehr klagt über Falschparker

Feuerwehreinsätze in Düsseldorf : Warum Falschparken keine Bagatelle ist

Die Feuerwehr wird immer häufiger auf ihren Fahrten zum Einsatz von achtlos abgestellten Fahrzeugen behindert. 2020 sprach die Stadt 2322 Verwarnungen gegen Falschparker aus, 600 Mal wurde der Abschleppdienst gerufen.

Als die Düssel über die Ufer trat, in Vennhausen Straßen flutete und Häuserkeller unter Wasser setzte, war es den Einsatzkräften teilweise nicht möglich, in die abzweigenden Sackgassen zu gelangen. Weil die ohnehin schon engen Straßen zugeparkt waren, wurden etwa die Keller am Mündrathweg nachrangig ausgepumpt und die leichter erreichbaren Häuser vorgezogen, berichtet Anwohner Torsten Clarius. Außerdem erzählt er weiter, dass 2017 ein Nachbar bei einem Schwelbrand nur knapp aus seinem Haus befreit werden konnte, weil am Mündrathweg die Feuerwehr zunächst nicht durchkam.

Damit solche Fälle seltener oder bestenfalls gar nicht mehr vorkommen, erinnerte die Feuerwehr bei einer Fahrt durch Oberbilk, dass sie immer häufiger auf ihren Fahrten von Falschparkern behindert wird. Vielen Anwohnern mag es oft gar nicht bewusst sein, dass sie Rettungswege versperren, doch besonders am Abend sind Parkplätze umkämpft und auch die kleinste Lücke wird noch zum Parken genutzt. Dass wegen des Homeoffices in der Corona-Krise freie Plätze in den Vierteln knapper geworden sind, verschärft das Problem, berichtet Feuerwehrsprecher Tobias Schülpen.

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Häufig genug kommt es auf jede Minute an. Für viele Autofahrer ist es laut Feuerwehr aber eine vermeintliche Bagatelle, wenn sie ihre Fahrzeuge falsch abstellen. „Ziel unserer Aktion ist es, die Autofahrer für dieses Thema zu sensibilisieren. Jedem muss bewusst sein, dass Falschparker Menschenleben gefährden, denn die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst brauchen Platz, um schnelle Hilfe zu leisten“, sagt Schülpen. „Wir schreiben selbst keine Strafzettel. Uns geht es vielmehr darum, darzustellen, dass wenn auch ein Auto an einer engen Stelle durchkommt, ein großes Feuerwehrfahrzeug dort seine Grenzen findet“, so der Sprecher weiter.

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Im vergangenen Jahr sprach die Stadt für zugeparkte Feuerwehrbewegungszonen und -zufahrten 2322 Verwarnungen aus und ordnete 600 Mal das Abschleppen an. In der ersten Jahreshälfte 2021 waren es bereits 1440 Verwarnungen und 586 Abschleppmaßnahmen. Das ordnungswidrige Parken im Bereich einer Feuerwehrzufahrt wird derzeit mit 35 Euro geahndet, sollte der Falschparker nicht ermittelt werden, kommen weitere Kosten von mindestens 200 Euro für den Abschleppdienst hinzu. Das rücksichtslose Parkverhalten kann zudem rechtliche Folgen haben: Sollte es beim Einsatz zu Kollisionen und Beschädigungen am Feuerwehrauto und dem eigenen Fahrzeug kommen, werden Falschparker an den Kosten beteiligt. Falls jemand zu Schaden kommt, können zusätzlich Ersatzansprüche gestellt werden.

Wenn bei einem Notfall die Wege für die Feuerwehr versperrt sind, versuchen die Einsatzkräfte zunächst, die Hindernisse zu umfahren. Sie werden aus verschiedenen Richtungen zu der gemeldeten Adresse geschickt, um bei Engstellen trotzdem den Unglücksort schnell zu erreichen. Wegen der Umwege geht jedoch wertvolle Rettungszeit verloren und oft genug sind auch die anderen Zufahrtsstraßen voll. Zudem verhindern falsch abgestellte Fahrzeuge – insbesondere in zweiter Reihe oder in Kurven – nicht nur die Durchfahrt, sondern auch das Ausfahren von Drehleitern, die zur Rettung aus oberen Etagen bei Wohnungsbränden notwendig sind. Selbst Hydranten sind regelmäßig zugestellt. Wenn das Umfahren der Hindernisstelle nicht möglich ist, wird versucht, das Fahrzeug wegzudrücken. Beschädigungen an den Autos sind daher keine Seltenheit.

Bei Torsten Clarius in Vennhausen wird fast drei Wochen nach dem Hochwasser die Feuerwehrbewegungszone wieder regelmäßig als Parkfläche genutzt, „insbesondere an den Wochenenden, wenn freie Parkplätze knapper sind“, sagt er. Der Anwohner sieht die Stadt in der Verantwortung, in solchen „Hotspots“ gegen Falschparker konsequent vorzugehen. Er schlägt eine Markierung der Halteverbotszone auf der Fahrbahn, die Anbringung von Halteverbotsschilders, regelmäßige Kontrollen und ein konsequentes Abschleppen vor. „Letzteres bleibt sicher die einzige wirksame Methode. Die meisten Falschparker sind ,Wiederholungstäter’, die gelernt haben, dass im Mündrathweg keine Kontrollen stattfinden“, sagt Clarius.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Falschparker behindern Feuerwehr in Düsseldorf