Düsseldorf: Feuerwehr hat 423 Einsätze wegen Schlangen und Spinnen

Reptilien-Experten der Feuerwehr Düsseldorf : 42 Notrufe wegen exotischer Tiere

Schlangen, Spinnen, Skorpione und eine Bartagame: Wenn die Düsseldorfer Feuerwehr Tiere retten muss, geht es längst nicht mehr nur um die Katze im Baum.

Unter der Heizung eines Düsseldorfers, der nach einem Sturz ins Krankenhaus musste, hat am Wochenende ein Rettungsassistent eine zwei Meter lange Würgeschlange entdeckt. Kein Grund zur Panik für den Düsseldorfer Rettungsdienst, denn der kann jederzeit auf die Experten aus den eigenen Reihen zurückgreifen: Die Reptiliengruppe der Berufsfeuerwehr kann auch mit einer Boa Constrictor umgehen. 

Voriges Jahr erst hatten die Feuerwehrleute tagelang im Latumer See ein noch größeres Exemplar gesucht: Bundesweit machte die gelbe Anakonda im August Schlagzeilen, die inzwischen im Brüggener Tierpark lebt.

Dorthin hat die Reptiliengruppe auch die Boa Constrictor aus der Benrather Wohnung gebracht. „Der Besitzer musste auf nicht absehbare Zeit ins Krankenhaus, deshalb haben wir die Schlange in den Tierpark gebracht“, sagt Feuerwehrsprecher Christopher Schuster.

Zuständig für die Haltung der Kriechtiere ist in NRW das Garten- und Friedhofsamt als unterste Landschaftsbehörde. Wenn der Boa-Besitzer wieder gesund ist und seine Schlange aus dem Brüggener Tierpark zurückholt, wird von dort womöglich auch geprüft, ob das Tier bei ihm artgerecht gehalten wird.

Die Zahl ihrer Einsätze ist seit Gründung der Reptiliengruppe vor zwölf Jahren mit um die 50 pro Jahr ungefähr gleich geblieben. Erstaunlich, sagen die Feuerwehrleute, und vermuten, dass es eine beträchtliche Dunkelziffer gibt. Denn nicht jeder Exoten-Halter meldet eine entlaufene Spinne, Echse oder Schlange den Behörden.

„Ist ja auch kein Ding, Ersatz zu bekommen, eine Tüte grüner Mambas gibt’s auf Internettauschbörsen für wenig Geld,“ hat Michael Harzbecker schon angeprangert, als er noch der einzige bei der Berufsfeuerwehr war, der sich bei der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde zum Reptilienfachmann weiterbilden ließ. Heute hat er sechs Kollegen und sogar ein Schild „Reptilien-Fachgruppe“ auf der Brust.

Nicht immer müssen die Experten ausrücken. Bei den 24 Notrufen, die sie im vergangenen Jahr auch von Kollegen wegen Schlangen erhielten, reichte in zehn Fällen ein Handybild der Schlange. „Dann wird das Tier identifiziert und den Kollegen gesagt, wie sie damit umgehen sollen“, sagt der Feuerwehrsprecher.

Meistens ging es dabei um ungiftige Nattern, die hierzulande heimisch sind. Und in einem Fall war’s bloß ein Gummitier, das auf einem Balkon in Hassels die Bewohner in Todesangst versetzt hatte. Mehrfach musste die Fachgruppe auch außerhalb Düsseldorfs bei der Versorgung von Schlangenbissen helfen.

Die Verfahrensweise ist dieselbe, wenn es um Spinnen geht, die zwar keine Reptilien sind, aber auch in die Zuständigkeit der Fachleute für Kriech- und Krabbeltiere fallen. Von den 14 Exemplaren, deretwegen sie alarmiert wurden, waren die meisten heimische Tiere, die im Wald ausgesetzt wurden. Anders ein Chamäleon, das in Wersten spazierenging und seinem Besitzer zurückgegeben wurde. Auch Skorpione und eine Bartagame standen voriges Jahr auf der Einsatzliste, letzterer landete im Tierheim, weil sein Besitzer sich nie meldete.

„Es gibt keine Meldepflicht für Reptilien, deshalb wissen wir nicht, wie viele dieser Tiere es in Düsseldorf gibt“, sagt Schuster. Ein entsprechendes Gesetzgebungsverfahren hatte der Landtag 2014 eingestellt. So kann immer wieder vorkommen, was einst Michael Harzbecker in seiner Fortbildung bestärkte: Ein Brandeinsatz in einer Wohnung und ein Arm, der unter einem Sofa herausragt. „Der Kollege dachte, es ist die Mieterin und wollte sie herausziehen. Aber der Arm entpuppte sich als Python.“

Das Tier wurde übrigens nach kurzer Schrecksekunde damals in Sicherheit gebracht. Tierrettung gehört von Alters her zu den Aufgaben der Feuerwehr – auch wenn damit ursprünglich das Nutzvieh gemeint war und Boas, Pythons oder Leguane als Haustiere noch selten waren.

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